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Und plötzlich einfach fort!

27. August 2016

Lebensende. Auch wenn es uns alle ereilt, früher oder später, und wir uns theoretisch jederzeit darauf vorbereiten könnten, scheint es doch selbst bei geliebten Menschen in gehobenem Alter irgendwie überraschend, dass derjenige nicht unsterblich gewesen ist. Erinnert man sich doch noch an die eigenen, nicht allzu lange zurückliegenden Worte über die Zähigkeit, den unerschütterlichen Atem, die Vermutung, dass die Hundert locker zu überschreiten sind. Gerade wenn es sich um ein so zartes Persönchen wie meine Oma handelte, die trotz ihrer nachteiligen Physis erstaunlich vielen Rückschlägen getrotzt hatte, war man geneigt zu denken, dass sie nichts in die Knie zwingen könnte.

Welch fataler Irrtum, wie mir heute früh die Kurznachricht meiner Mama, mit dem unverblümten Inhalt „Oma ist gestorben“, in all ihrer Gnadenlosigkeit mitteilte. Nicht sanft eingeschlafen, leider, sondern durch eine fatale Fehlentscheidung der Ärzte aus dem Leben gerissen worden, die sie gestern trotz heute posthum diagnostizierter Lungenentzündung und gegen den Widerstand der Familie nach Hause geschickt haben. Ich bin unfassbar sauer darüber, da es somit vermeintlich vermeidbar war, doch wird das nun Teil von Ermittlungen, die der heutige Arzt eingeleitet hat und soll(te) eigentlich nicht Bestandteil dieses Blogeintrags werden. Ok, der Frust hat gesiegt.

Doch es geht darum, einem Menschen zu gedenken, dessen Selbstlosigkeit mehr als bemerkenswert war, ein paar Worte zu verlieren, auch um meine Erinnerung zu konservieren. Vielleicht der für mich persönlichste Beitrag, möglicherweise für keinen anderen Leser irgendwie von Bedeutung. Doch bin ich zu einem großen Teil bei meiner Oma aufgewachsen, habe viele Stunden und Tage an Wochenende und in den Ferien mit ihr verbracht, habe mir unzählige Benjamin-Blümchen-Kassetten kaufen lassen und gelacht, so unfassbar viel gelacht.

Es war mir eigentlich immer unbegreiflich, wie sie es stets fertiggebracht hat, mit dem wenigen Geld, den vielen (Enkel-)Kindern so viele Herzenswünsche zu erfüllen und Augen zum Glänzen zu bringen. Wie sie fried- und freudvolle Weihnachtsfeste veranstalten und sich wie ein Kesselflicker streiten konnte – vorzugsweise mit ihrem leider viel zu früh verstorbenen Mann, meinem Opa. Geldnot, ein vorherrschendes Thema in Kindertagen, wurde von ihr mit dem letzten Pfennig gelöst, so dass man sich nur wundern konnte, wie sie sich überhaupt die letzten Lebensmittel hat leisten können; doch dann kommt wieder die Erinnerung, an die vielen im Stillen verrichteten Arbeiten bis ins hohe Alter, beispielsweise vom frühmorgendlichen Putzen eines großen Supermarkts.

Sie wurde in eine Zeit geboren, die wir uns alle heute nicht mehr vorstellen können (manchen rechtsgedrehten Hohlbratzen täte ein Flashback allerdings mal recht gut) und die bedrohlicher und beschwerlicher gewesen sein dürfte, als alles, was um uns herum aktuell passiert. 1930 entbunden, während des Krieges per Landverschickung in vermeintliche Sicherheit gebracht, durfte sie nach 1945 in eine völlig zerstörte Heimatstadt zurückkehren. Die Nazis hatten Deutschland zugrunde gerichtet und sie zeitlebens zu einer Verfechterin von Frieden, Freiheit und Gerechtigkeit gemacht. Etwas Gutes im Schlechten. Vielleicht kam daher auch ihre Geradlinigkeit, die durchaus schon mal in wenig charmanten Konfrontationen enden konnte.

Mit 21 dann ist sie erstmalig Mutter geworden, normal in der damaligen Zeit, und ab diesem Moment zählte nur noch die Familie, für die sich aufgeopfert und als Gastwirtin (im legendären Bickefelder Tor) bis spät in die Nacht malocht wurde. Vier Jungs hat sie groß und stattlich erzogen, auch wenn es Rückschläge gab, doch alle schenkten sie ihr Enkel, reichlich in Summe, so dass es auch später nicht langweilig (aber auch finanziell nicht besser) wurde. Urlaube waren nicht drin, aber Dortmund war stets Wohlfühlort und Heimat zugleich. Die Wohnung mit kleinem Garten entpuppte sich insbesondere in den 80er und 90er Jahren zu einem Treffpunkt voller Kinderlachen und Erwachsenengespräche.

In den vergangenen Jahren wurde das dann seltener, die Kinder wurden groß, verteilten sich und der Umzug in eine neue Wohnung sorgte aus unerfindlichen Gründen dafür, dass die Besuche nachließen und das Heimatgefühl verschwand. Oma hatte immer Verständnis, dafür, dass alle ihrer Wege gingen, ihr eigenes Leben gestalteten und nur selten von sich hören ließen, doch bin ich sicher, im Stillen hat sie es schon bedauert. Mit den Jahren (und schwindendem Gehör) zog sie sich auch aus Gesprächen mehr und mehr zurück und obwohl sie immer noch Freude auszustrahlen wusste, nahm sie einen passiveren Part ein, den man so von ihr nicht kannte.

Hatte man kurz vorher noch nach 90 Minuten am Telefon krampfhaft nach einem Ausweg zum Auflegen gesucht, war es nun schwierig, sie zu mehr als zwei Minuten am Hörer zu bewegen. Das war schade, aber auch selbst verursacht. Warum sind wir so unregelmäßig erschienen, warum habe allein ich sie nur maximal fünfmal in den letzen drei Jahren gesehen? Das bleibt für mich ein Schandfleck, der nicht zu bereinigen ist. Ich hatte stets das Gefühl, durch meine Mama an ihrem Leben teilzuhaben, weil sie mehrfach wöchentlich dort war und alles berichtete – aber das ersetzt keine persönliche Begegnung, das weiß ich jetzt und wusste es immer. Nur habe ich es nicht in Energie umgesetzt und schäme mich dafür; vor mir selbst, niemandem sonst.

Doch bleiben werden die Erinnerungen an den wichtigsten Menschen neben meinen Eltern. An Übernachtungsparties in einem Zelt aus Bettdecken. Spaziergänge durch Hördes Straßen. Diskussionen über die Marotten der Nachbarn. Und so unfassbar vieles mehr. Fehlen wird sie mir, sehr, auch wenn es zu meinem Bedauern zuletzt vordergründig eher das Wissen war, dass in der fernen Heimat diese stets vertraute Person lebt und auf ein erfülltes Leben zurück blickt. Aus jedem Urlaub habe ich ihr eine Karte geschickt, nur ihr und meinen Eltern. Es wird seltsam sein, demnächst nur noch eine zu verschicken.

Was bleibt, ist Gewissheit. Darüber, dass mein Verhältnis zu meinen Eltern, so bizarr es manch einem wegen seiner Enge erscheinen mag, genau richtig für mich ist. Die innere Sicherheit, dass ich niemals eine Partnerschaft haben möchte, die in Konkurrenz zu dieser Verbindung steht; nein, wenn ich mich nochmal binden sollte, möchte ich, dass das in einem tiefen Verständnis darüber wurzelt, dass mir meine engste Familie über alles geht – man kann Teil davon werden und ich war fest davon überzeugt, dass dies in den vergangenen Jahren beidseitig erfolgt war, möglicherweise zu unrecht. Doch bin ich frohen Mutes, dass, sollte es sich für mich irgendwann mal wieder dahin entwickeln, jemand, der sich für mich entscheidet, auch meine Eltern ins Herz schließen würde. Denn ohne sie wäre ich nicht(s), ich verdanke ihnen alles und werde das in der uns gegebenen Zeit bewahren. „Das Leben der Eltern ist das Buch, in dem die Kinder lesen.“ – Augustinus Aurelius. Ich möchte hinzufügen: „Bis ins hohe Alter!“. Oma, rock den Himmel und geh dem Opa mal wieder richtig auf den Keks. Wir sehen uns … irgendwann!

Keep on rockin´
Ree

Oma_Ree

Vom freien Denken und entsprechenden Handeln!

23. August 2016

Handlungsfreiheit. Die Möglichkeit, seine nächsten Schritte nicht von einem Korsett aus Verpflichtungen abhängig machen zu müssen, sondern selbst entscheiden zu können, welchen Rahmen die nahe Zukunft erhalten soll. Eigentlich wollte ich mit dem Schlagwort “Freidenker“ beginnen, doch belehrte mich Wikipedia, dass dies in erster Linie “eine Bezeichnung für Menschen, die für eine selbständige und selbstverantwortliche Lebensgestaltung im Sinne der Aufklärung eintreten und jeden religiösen Glauben, Gottesglauben und kirchliche Dogmen ablehnen“ ist. Somit passt mir das nicht wirklich, denn bis auf Kriege, Rassismus, Leid und Diffamierungen lehne ich nicht viel kategorisch ab.

Handlungsfreiheit also, etwas, das mir aufgrund erarbeiteter und glücklicher Umstände gerade ermöglicht und von mir dankend angenommen wird. Nachdem mich die Frage der Abfindung über Monate beschäftigt hatte, spüre ich seit der Verkündung vor neun Tagen eine innere Ruhe, die mir lange nicht mehr zuteil geworden ist. Ein friedvolles Glücksgefühl, welches mir nach all den Wirrungen fast unwirklich erscheint. Auch der erwartete Rückfall in die Selbstzweifel, nachdem ich auch mein von Herzen geschätztes Team über meine Entscheidung informiert habe, blieb aus. Das Wochenende, obwohl von den diversen Hausbesichtigungen der Vortage nicht ohne emotionale Belastung gestartet, entpuppte sich als erholsam und schön.

„Ein frei denkender Mensch bleibt nicht da stehen, wo der Zufall ihn hinstößt“ hat Heinrich von Kleist einst gesagt. Ich wage zu glauben, dass es diese Entscheidung, dieser wahrhaft schwere Schritt, war, der mir seit Wochen gefehlt, mich blockiert hat. Kaum war es ausgesprochen, fielen mir im Tagesrhythmus gute Nachrichten in die Hände: eine unerwartet hohe Nachfrage nach Besichtigungsterminen, eine eigene Basisoption, die vermeintliche Chance einer spannenden Hospitation während der Auszeit und die Zusage zu einem journalistischen Fernstudium. Für letzteres hatte ich mich schon im Mai um einen der nur 70 Plätze beworben, mit Textprobe und Motivationsschreiben. Fühlt sich echt cool an, dass das geklappt hat. Nun muss ich nur noch mein Bachelor-Zeugnis finden, das der finalen Immatrikulation beizufügen ist; blöd, dass es im Zuge des Umzugs vor einigen Monaten irgendwie abgetaucht ist. Aber ich bin frohen Mutes, es gleich irgendwo zu entdecken.

Ich kann euch sagen, wenn ihr mal vor der Entscheidung steht, den Alltag fortzusetzen oder die Chance auf einen neuen Schritt bekommt und euer Gehirn, euer Herz und eure Seele and der Wahl schier zu verzweifeln droht, weil es fifty fifty steht, weil beide Seiten Vor- und Nachteile haben: Wählt das Neue. Befreit euch und eure Gedanken aus dem „was wäre wenn“. Denn im Alltag zu verweilen heißt, sich immer, stets und ständig zu fragen, ob der andere Schritt nicht besser gewesen wäre. Und selbst wenn er sich im Nachhinein als Fehler zu entpuppen scheint, so werdet ihr daran wachsen und mit diesen Erfahrungen dennoch in eine vielversprechende Zukunft wandern. Wohlgemerkt, fühlt sich der Alltag zum Zeitpunkt einer solchen Möglichkeit komplett richtig an, dann zögert auch dann nicht, ein Angebot abzulehnen. Meine Empfehlung wirkt dann, wenn das Abenteuer mindestens eine mittelgroße Anziehungskraft ausübt. Wechseln, etwas verändern, obwohl man sich rundum wohl fühlt, ist vermutlich kein guter Weg.

Doch für mich, in meiner Situation, mit meinen Dämonen und einer guten Aussicht auf einen positiven Ausgang des Abenteuers, konnte es eigentlich keine andere Wahl geben. Es dauerte nur eine Weile, bis ich es selbst gemerkt habe, bis der Kopf frei genug war. Nun muss ich noch drei Wochen im Büro überbrücken und kann es doch kaum erwarten, euch von den Erlebnissen danach zu erzählen. Time what is time?

Keep on rockin‘

Ree

Sometimes it hurts instead!

17. August 2016

Ambivalent. Es bewegt sich etwas, in der Regel geht´s dann vorwärts und normalerweise sollte man sich doch darüber freuen. Warum tue ich es dann momentan nicht? Die Woche ist sehr anstrengend, emotionale Aufs und Abs prägen die Stunden, doch wiegen sie eigentlich nicht schwerer als das, was ich in den Monaten zuvor erleben musste. Die Zeit soll Wunden heilen und oft fühlt es sich auch entsprechend an, aber immer, jeden Tag, gibt es diese fiesen Momente, in denen alle Zweifel hochkommen und für jene Sprunghaftigkeit, jene Verzweiflung sorgen, die meinem Umfeld so oft auf den Keks gehen.

Ich habe mich bekanntermaßen beruflich entschieden, ich bin darüber auch erleichtert, oftmals gar erfreut, doch blitzen auch immer wieder diese unsicheren Zukunftsaussichten auf, die Frage, ob ich Abenteuern überhaupt gewachsen bin. Nun rückt die offizielle Verkündung näher und mir schlottern die Knie. Normal, werden die Meisten sagen. Schwer zu ertragen, erwidere ich. Am Wochenende ist es aber durch, vielleicht beruhigt sich das Innere dann auch wieder.

Seltsam ist, dass ich eine wenig erwartete Zusage erhalten habe, die eine wirklich spannende Perspektive eröffnet, und ich dennoch auch dadurch nicht aus den sorgenvollen Gedanken aussteigen kann. Obwohl es etwas ist, was ich schon immer extrem spannend fand und nie eine Idee hatte, wie man den Fuß in diese Branche kriegen sollte. Ich erzähle mehr, sobald es spruchreif ist, ich also ein definitives Go inklusive Einsatzplan habe.

Nun, und dann ist da natürlich noch das Haus, welches wir aktuell ohne Makler loszuschlagen versuchen und wo es in den kommenden Tagen einige Besichtigungstermine geben wird. Das lässt eine extreme mentale Belastung erwarten, da ich mein Traumhaus anbieten muss, in dem ich eigentlich das Leben zu verbringen gedachte. Fiese Nummer. Positiv könnte allerdings sein, dass ich dieses Haus wirklich liebe und entsprechend positiv darstellen kann. Ich hoffe sehr, dass sich ein Käufer findet, der dort das Glück erleben darf, welches ich mir so sehr selbst gewünscht hatte.

Tja, tatsächlich strange. Eigentlich ein paar gute Entwicklungen, doch alles zieht mir den Boden nicht wirklich unter den Füßen weg, lässt ihn aber durchaus erheblich vibrieren. So dass ich ins Schwanken gerate und bereits getroffene Entscheidungen permanent wieder in Zweifel ziehe. Aber ich werde mich bemühen, standhaft zu bleiben und daran festzuhalten. Die Zukunft hält bestimmt einige richtig interessante und schöne Momente für mich bereit. Darauf lohnt es sich hinzuarbeiten; auch wenn der Sport in diesem Chaos mal wieder etwas zu kurz kommt.

Keep on rockin´

Ree

Die Entscheidung ist durch!

13. August 2016

Lebensentscheidungen. Wir alle werden dann und wann mit ihnen konfrontiert, Weggabelungen, an denen nicht nur irgendeine Laune zur Entscheidungsfindung beitragen, sondern die wirklich gut durchdacht sein sollten. Die Überlegung zu heiraten oder ein Kind in die Welt zu setzen stehen für mich in der entsprechenden Rangordnung weit oben, auch wenn ich hier schon mal schmerzvoll eines Besseren belehrt wurde. Aber auch die Fragestellung, ob man dem Leben durch eine berufliche Auszeit nochmal einen ganz neuen Impuls verleihen soll, reiht sich in diese Riege mit ein, stellt sich gar unter Umständen als eine elementare Fragestellung dar, wirkt sie sich doch auf ein urmenschliches Bedürfnis aus: Dem nach (vermeintlicher) Sicherheit.

Wer regelmäßig mitliest weiß, dass ich mich mit dieser Frage nun schon seit Februar quäle, da ich das Angebot erhalten habe, für eine durchaus respektable Abfindung meinen Arbeitgeber zu verlassen. In der Folge habe ich viele Stimmen gehört, von Freunden und Familie, Bekannten und Fremden, live und in Internetforen. Jeder hatte seine eigenen Beweggründe, mir in die eine oder andere Richtung zu raten, doch waren die meisten dennoch so realistisch, mir die Entscheidung nicht abnehmen zu wollen. Tenor war, dass ich das final nur selbst wissen kann, womit sie natürlich komplett richtig lagen. Nun waren die vergangenen Monate also ein hin und her gerissen sein, zwischen der engen emotionalen Bindung zu meinem Arbeitgeber, bei dem ich mit kurzer Unterbrechnung seit 16 Jahren bin und der mir viel ermöglicht hat (unter anderem das nebenberufliche Studium) und dem inneren Drang, mit Ende 30 nochmal etwas Neues wagen zu wollen, eine Auszeit zu machen, die mir nie zuvor vergönnt war und etwas radikaler mit dieser unsäglichen Haus-Hund-Hochzeitsgeschichte abschließen zu können.

Viele Male wechselte ich meine schon sicher geglaubte Entscheidung, immer wieder kamen Zweifel auf, egal bei welcher Variante. Auch zwei Kanaren-Urlaube brachten keinen finalen Entschluss, doch rückte der Zeitpunkt einer Zwangsmaßnahme immer näher: Abfindungen haben den Anreiz, bei Auszahlung zu Beginn eines Jahres steuerlich begünstigt werden zu können; dann müsste die Entscheidung aber spätestens im August fallen. Das ergab den festen Vorsatz, den Italientrip der vergangenen zwei Wochen exakt dafür zu nutzen. Quasi einen Denkraum zu schaffen, in den ich mich permanent zurückziehen und alle nur erdenklichen Szenarien durchspielen kann. Das habe ich getan, zwischen Yoga, Spaziergängen und Boot fahren, beim Eis essen, Zigarre rauchen und Schwimmen. Ich habe Mindmaps gemalt, Pro und Contra-Listen bearbeitet und viel geflucht. Aber ich habe mich entschieden.

Das Leben ist eindeutig zu kurz, um allen Anreizen zu entgehen, um immer nur eine pseudosichere Variante zu wählen und im Alltagstrott zu verrotten. Wenn es einen gibt, der aktuell nichts zu verlieren, sondern im Gegenteil eine Menge zu gewinnen hat, dann wohl mich. Also werde ich dieses Abenteuer wagen, den Weg der Unsicherheit gehen und mit Angst, Spannung und Vorfreude einen neuen Lebensabschnitt einleiten. Ich habe noch nicht die Spur einer Ahnung, in welche Richtung sich die kommenden Monate bewegen werden, aber ich bin sicher, es wird mich zumindest nicht tiefer in diese depressive Stimmung hereinreiten, in der ich an so manchen Tagen ziemlich tief gefangen bin. Ich glaube, es wird der pure Luxus, für eine gewisse Zeit völlig selbstbestimmt unterwegs sein zu können. Und wer weiß, vielleicht entwickelt sich daraus ja auch ein Businessmodell; es gibt ja schon das ein oder andere in kreativen Phasen entstandene Business.

Auf jeden Fall liegt der entsprechende Aufhebungsvertrag schon neben mir und wird in Kürze gezeichnet. Erstmals fühle ich mich mit dieser Entscheidungsvariante sicher und schaue zuversichtlich in das, was kommen mag. Und etwas Alltag, etwas Routine wird ja auf jeden Fall bleiben: Ich werde auch weiterhin diesen, meinen geliebten, Blog pflegen und mit Leben füllen. Nur ab heute ohne die wahnwitzige Jagd nach der Erfüllung einer Zahl (bemerkt ihr im Fehlen der Aufzählung in der Überschrift), sondern stattdessen mit Beiträgen der reinen Schreibfreude wegen. Hey ho, let’s go.

Keep on rockin‘

Ree

  

Ein Ausflug von großem Wert! (184/366)

8. August 2016

Verona. Alleine der Klang dieses Namens bringt mein Herz zum Schwingen, meine Seele zum Beben und meinen Geist zum Träumen. Die Oper im großen Kolosseum, einem der größten und ältesten dieser Welt, die Flüsse Etsch und Adige, eine Altstadt, die ihresgleichen sucht, so voller Geschichte, die man atmen, spüren, sehen kann. Nein, es gibt nicht viele Städte, die ich bislang besuchen durfte und so unrettbar in ihrem Bann verloren ging. Mit Weißwein auf der Piazza Erbe, der Erzählung nach Italiens schönster aller Plätze, das Treiben beobachtend, eingerahmt von Gebäuden aus altrömischer Zeit, fühlt es sich leicht an, dieses Leben. 


Wie viele Millionen, ach, Milliarden Menschen mögen hier schon gewesen sein, haben ihre Freuden, ihr Leid, ihren Schmerz und ihre Sehnsüchte mitgebracht, haben sich wie ich umgeschaut und klein gefühlt, im Angesicht der vielen Lebenden, die dieser Platz gesehen, aber auch längst wieder vergessen hat. Und wie viele andere sitzen um mich herum und wissen diesen Ort nur wenig zu würdigen, grummeln sich an, starren gebannt auf ihre jeweiligen Smartphones und machen den Eindruck, als sei die glückliche Zeit ihrer Liaison längst vergangen. Als hielte sie nur die Tradition oder die Angst vor Veränderung aufrecht (ich stelle nur fest, kritisiere nicht, denn urselbst bin ich ja ein Verfechter der überdauernden Treue und der Überzeugung, dass eine aus Verliebtheit zu Liebe entstandene Verbindung die Zeiten zu überdauern vermag).


Zurück zu Verona, der Schönen, Eleganten, in Würde gereiften Stadt der unglückseligen Liebe. Romeo und Julia stammen aus dieser Stadt, die Brüste ihrer Statue sind vermutlich die meist berührten in der Geschichte der Welt, abgewetzt und glänzend, doch wie ich mich persönlich überzeugen durfte, auch nach all den Jahren noch rund und fest. Es soll Glück bringen, sie zu berühren, dem konnte ich mich nicht entziehen, habe ich es doch vermeintlich mal wieder nötig; so wie unzählige andere um mich herum auch, ein Gedränge und Gewühle, Gelächter und verschämtes Betatschen der Figur, das der guten Seele Giulias im Leben wohl wenig behagt hätte. So erträgt sie es aber mit stummer Gelassenheit, genauso wie die typische und menschliche Geldmacherei drum herum, wo die Liebenden sich an den Wänden verewigen, Schlösser befestigen oder Andenken an ihre Partnerschaft erwerben. 


Doch Verona ist mehr, viel mehr, als eine kurze Episode zweier unglücklich Verliebter, die durch Shakespeare zu Weltruhm gelangten (diesen aber ob ihres Ablebens nicht mehr erleben durften). Da wären die Scaliger, die Herren von Verona in der Zeit von 1260 bis 1387, welche die Stadt maßgeblich geprägt haben und deren Gräber bis heute zu besichtigen sind. Momumentale Kunstwerke von beachtlichem Aufwand, die verdeutlichen, dass selbst die Mächtigsten eines Tages den Weg allen Erdischen gehen. Noch ein Grund mehr, sich auf die erfüllenden Dinge im Leben zu konzentrieren. Die unzähligen Kirchen zu benennen, würde zu weit gehen; wer in die Stadt reist, wird sich sowieso einen Reiseführer besorgen, allein um die historische Einordnung auf die Reihe zu kriegen. Ich kann übrigens den 5-EUR-Verona-Führer empfehlen, der an jedem Touri-Stand veräußert wird und 5 wirklich gut durchdachte Rundgänge beinhaltet.


Übrigens hat die Stadt auch einige Flaniermeilen in Petto, die sich vor keiner anderen Großstadt verstecken müssen. Ob Pimkie und Zara für den kleineren Geldbeutel oder Dolce & Gabbanie, sowie Hugo Boss für den etwas Größeren, ein jeder findet hier seinen Platz. Gleiches gilt für die Massen an Lokalen, in denen typische italienische und insbesondere auch veronesische Spezialitäten angeboten werden – letztere bestehen in der Regel aus Reis und Pferde- oder Eselsfleisch. Hier lohnt es sich sehr, den ein oder anderen Stopp einzulegen, die Seele baumeln zu lassen und dem Gaumen die Leckereien zuzuführen. Dazu passt im Sommer weißer Wein ganz hervorragend, er erfrischt und regt den Kreislauf an, was wohl wenig schaden kann.

  Dann das Kollosseum, die Oper, dieses ehrfürchtige Gemäuer, ellipsenförmig, mit Rundbögen versehen und allmächtig seinen Platz beherrschend. Ist sein Pendant in Rom ein Denkmal, so wurde dieses in Verona instandgesetzt und für die nun jährlich stattfindenden Opernfestspiele präpariert. Nach einem Besuch einer Vorstellung, Aida, standesgemäß auf den billigsten Plätzen, Steinstufen, fällt es schwer, mir eine alternative Vorstellung in einem deutschen Opernhaus vorzustellen. Diese monumentale Arena, unter freiem Himmel, mit der perfekten Rundung, fasste das Spektakel so einzigartig ein, dass man nur nicken konnte: „Ja, so hatte Verdi sich das vorgestellt, genau so und nicht anders“. Auch wenn ich überhaupt kein Opernfetischist bin, im Wesentlichen nur die berühmten Stücke kenne und den gesungenen Unterhaltungen nicht immer etwas abgewinnen kann, ließ die Atmosphäre nichts anderes als Ehrfurcht und Erstaunen zu. Hier würde ich mir immer wieder ein Stück ansehen.


So schloss, wie schon in Venedig, der Besuch mit einem Versprechen an mich selbst. Ich werde wiederkommen, in der Stadt übernachten und ihre Schönheit in Gänze zu erleben versuchen. Tatsächlich bin ich ungeplant, ungewollt, direkt am Folgetag ein zweites Mal in ihr gelandet, obwohl ich nur zwei Freunde zum Bahnhof bringen wollte. Doch auf dem Rückweg zog sie mich magisch an, die Schöne, so dass ich doch das Auto am Straßenrand parkte und wenigsten eine kleine Runde inklusive Gläschen Wein absolvierte. Nein, so eine schöne Stadt ward mir zuvor noch nicht begegnet. Molto bene.

Keep on rockin´

Ree

Auch mal einfach treiben lassen! (183/366)

7. August 2016

Ungeplant. So kann man auch mal einen Tag im Urlaub verbringen. Selbst, wenn es eigentlich doch einen Plan gibt, ein Ausflugsziel, mit sehr konkretem Abfahrtsdatum, frühmorgens um sieben Uhr (wohlgemerkt, im Urlaub!). Aber eben darüber hinaus nichts festzulegen, obwohl eigentlich viel zu wenig Zeit zur Verfügung steht, das ist das eigentliche Wagnis. Klein zwar, aber durchaus ein Anfang.

So stand der Trip nach Venedig also unter einem spannenden Motto, dem „treiben lassen“. Die Fahrt verlief wenig spektakulär, 90 Minuten über Italiens Autostrada, mautpflichtig, gut in Schuss, ohne Aufregung. Soweit prima. Das bekanntermaßen teure Parkhaus „Trovecchio“ ließ sich ebenfalls problemlos ansteuern, so dass das erste Abenteuer flugs beginnen konnte: Irgendwie in die Lagune kommen. Ok, Venedig macht es einem diesbezüglich leicht, befindet sich doch unmittelbar am Parkhausausgang ein Ticketschalter der öffentlichen Verkehrsmittel, die hier natürlich in Form von Wasserbussen haben. Spontan für ein 24-Stunden-Ticket entschieden und 20 EUR pro Person dafür auf den Tisch gelegt, konnte es endlich losgehen, auf´s Wasser, Richtung schwimmender Stadt.

  

Schon das Warten an einer Haltestelle, designed wie ein deutsches Bushäuschen, aber eben auf einer Plattform im Wasser schaukelnd, erwies sich als erstes Highlight. Ohne ein Boot auch nur gesehen zu haben, konnte hier der erste kleine Beweis der Seetüchtigkeit erbracht werden (und wem bei dieser sanften Schaukelei schon etwas übel wird, dem sei gesagt, dass es auf der Überfahrt noch ein wenig mehr schwanken wird). Auch die Wasserbusse selbst erwiesen sich als hervorragende Kopie ihrer Pendants auf der Straße, mit modernen Sitzreihen und einer Streckenanzeige der jeweiligen Haltestellen versehen. Die Überfahrt von der Parkausinsel in die eigentliche Lagune geriet dann weniger spektakulär als erwartet; man gleitet am Meer entlang dahin und erhascht einen Blick auf die ankernden Kreuzfahrtschiffe und Milliardärsyachten. Aktuell vor Anker lag das Schiff von Heidi Horten, österreichische Kaufhauserbin und offensichtlich nicht ganz arm.

  An der Haltestelle Markusplatz hüpften wir heraus, in der Erwartung, dass es um diese Uhrzeit (es war kurz vor 9) noch nicht so grauenhaft voll sein würde, wie die unterschiedlichsten Berichte vermuten ließen. Nun, wie wir am Nachmittag erfahren sollten, stimmte das tatsächlich und dennoch erschraken wir schon ein wenig ob der durchaus nicht wenigen Menschen. Vergleichbar mit einer gut besuchten deutschen Einkaufsstraße an einem Samstagmittag, schlängelten wir uns durch die in erster Linie asiatischen Besucher und wollten zunächst eine kurze Lagebesprechung abhalten. Allerdings kamen uns, respektive meinem Patentöchterchen, zwei der üblichen, in traditionell venezianischen Gewändern gekleidete Damen in die Quere, welchen es tatsächlich gelang, ihr die Hand zu reichen und sie zu einem gemeinsamen Foto zu nötigen. Ergebnis war, dass von meinem Kumpel für diesen Service mal eben 20 EUR Gebühr verlangt wurde; nur gut, dass er groß, charakter- und durchsetzungsstark ist. 2 EUR ließ er schlussendlich dort, wobei ich aufgrund der bekannten Dreistigkeit froh gewesen wäre, er hätte ihr noch 5 EUR für die Ehre entrissen, die Hand seiner Tochter gehalten haben zu dürfen. Nun gut, man kann nicht alles haben. Die Kleine weiß nun, dass man nicht jeder verkleideten Magd die Hand reichen sollte und wir bekamen unmittelbar nach Ankunft in der Lagune eine Lektion in Sachen erhöhter Aufmerksamkeit. Somit war alles fein. 

  Nach diesem Erlebnis beschlossen wir, an unserem ursrpünglichen Vorhaben festzuhalten und nicht erstmal stundenlang über die nächsten Schritte nachzudenken oder gar in einer neuen, unbekannten, Stadt einen Stadtplan zu besorgen, sondern uns einfach unbeschwert auf den Weg zu machen. Wir gelangten auf eine Brücke, unter welcher sich bereits jetzt die Gondeln mit widerum ausnahmslos asiatischen Gästen stauten, erspähten von ihrem Mittelpunkt aus die Seufzerbrücke und ließen uns am faszinierenden Dogenpalast vorbei auf den Markusplatz treiben. Shocking, die Schlange zum Betreten des Doms reichte bereits bis zur Wasserkante, doch juckte uns das nicht; wir bewunderten die Schönheit desselben und der ihn umgebenden Gebäude einfach von außen, umrundeten die Plätze und erfreuten uns an der wahrhaft beeindruckenden Gesamtkomposition. Venedig ist ein Museum und mit den ihn einrahmenden architektonischen Meisterwerke sind der Markus- und sein Nachbarplatz sicherlich die zentralen Kunstwerke. Erfreulich, dass wir früh genug vor Ort waren, um tatsächlich überall gute Sicht zu haben, denn die Menschenmassen konzentrierten sich in der Tat auf das Vorhaben, in die entsprechenden Sehenswürdigkeiten zu gelangen. Auch wenn wir uns sicher waren, dass eine Innenbesichtigung von großem Wert sein würde, beschlossen wir, dies auf einen Folgebesuch im Herbst oder Frühjahr zu verschieben. 

  So ließen wir uns weiter treiben, flanierten durch enge und erst langsam erwachende Gassen, gönnten uns eine kleine schokogefüllte Leckerei vor einer weiteren Kirche (die innen äußerst liebevoll ausgestattet worden war), erstanden im Hardrock-Café einen coolen Sweater für das eine und Mitbringsel für das andere Patenkind und hielten einige Szenen typisch touristischer Verhaltensweisen bildlich fest. Nach einiger Zeit dann, kamen wir an der aktuell in Renovierung befindlichen Rialto-Brücke vorbei, wo uns ein menschliches Bedürfnis überkam und uns dazu verleitete, einen der teuren Fehler zu begehen, die wir eigentlich zu vermeiden versuchten: Wir setzten uns in ein Restaurant am Canal Grande, mit Blick auf die Brücke, und bestellten Eis, sowie je ein Getränk. Das Positive, wir konnten die dortige Toilette benutzen. Ärgerlich, aber zu erwarten, war, dass es jeden von uns für ein mikroskopisches Eis und Mini-Getränk knapp 15 EUR kostete und der Kellner auch noch über zu wenig Trinkgeld jammerte. Welcome to Venice, aber natürlich selbst Schuld.

   

 Doch schon kurz darauf, nachdem ich mir ein kleines, aber höchst liebevell gestaltetes Leonardo-da-Vinci-Museum zu Gemüte geführt hatte, wurde unser Bild dieser wahrhaft beeindruckenden Stadt auch preislich wieder in ein besseres Licht gerückt. Unser Spaziergang führte uns auf einen faszinierend schönen Platz direkt gegenüber des deutschen und österreichischen Generalkonsulats, wo wir unser kulinarisches Highlight erlebten. Überall verstreut standen und saßen Menschen jeden Alters, jeder Schicht, mit Weingläsern in der einen und kleinen belegten Brötchen in der anderen Hand, mal die Füße im Wasser baumelnd, mal die Treppen eines monumentalen Gebäudes besetzend. Es wurde gelacht, geredet, genossen und wir konnten den Initiator dieses Gewusels rasch ausmachen. Ein unglaublich kleines Lokal, ohne eigene Sitzgelegenheiten, welches zehn verschiedene Weinsorten für durchschnittlich 80ct (!!) das Glas anbietet, dazu die angesprochenen, dick belegten Brötchen für gut 1 EUR, alles in herausragender Qualität. Kein Wunder, dass der Zulauf groß war, dennoch kippte die Athmosphäre nicht, da es sich wohl eher um einen Insider-Studententreff handelt und nur wenige Touristen diesen Spot in dem Gewirr der Gassen entdecken. Es war schön, nun dazu zu gehören und so ein wenig echte venezianische Athmosphäre schnuppern zu dürfen.  

   

 Beseelt von Speis und Trank gelangten wir, weiterhin völlig planlos, zur Plaza Roma, was sich schier schicksalhaft ergab, da mein bester Kumpel gerne eine Stadtrundfahrt vom Wasser aus absolvieren wollte und sich dafür die Linie 1 ganz vorzüglich eignet, da sie alle Sehenswürdigkeit abfährt. Zudem hatten wir ja sowieso ein gültiges 24-Stunden-Ticket, nur war uns klar, dass diese Idee nicht nur wir haben würden, wodurch es sinnvoll erschien, an der Starthaltestelle zuzusteigen. Nun, genau das ist die Plaza Roma, was wollten wir also mehr; rein in den Wasserbus und ab die wilde Fahrt. Und ja, vom Wasser aus erscheint die Stadt nochmal historischer, gewaltiger, monumentaler. Eine Stunde dauerte die Runde und just als wir abschließend in die Linie umsteigen wollten, die uns zurück zum Parkhaus bringen sollte, brach ein Unwetter los, das die Gondoliere wie Berserker gegen den Wind ankämpfen und sämtliche Passagiere völlig durchnässt zurück ließ. Wir konnten dieses Spektakel vom trockenen, schwer schaukelnden Wasserbus aus blenden beobachten und eine gewisse Schadenfreude natürlich nicht verbergen. 80 EUR für eine Gondelfahrt und dann so etwas – wir hätten uns ziemlich geärgert, wären wir an der Stelle jener Passagiere gewesen.

   

 So erreichten wir aber trockenen Fußes das Parkhaus, warfen nochmal einen Blick zurück auf die Lagunge, über welcher sich eine Wolke unheilvoll aufgetan hatte und betraten schlussendlich unser Auto, das uns zuverlässig und erneut staufrei zurück in unser Hotel am Gardasee brachte. Bei einem leckeren Abendessen im Grill-Restaurant ließen wir den Tag Revue passieren und waren uns rasch einig: Venedig lohnt einen weiteren Besuch, doch sollte die Hauptsaison (wozu erst recht der Karneval zählt) gemieden werden. Was keine Überraschung ist.

Keep on rockin´

Ree 

   
   

Wenn der Antrieb fehlt! (183/366)

5. August 2016

Rückfall. In alte Gewohnheiten, alte Zeiten, überwunden geglaubte Geschichten oder vergangene Gedanken. Mag man sich auch gerne an schöne Erlebnisse erinnern, rückbesinnen auf spaßige Zeiten und glorreiche Tage, so holen einen in trübseligen Momenten doch eher die unschönen Dinge ein, die man eigentlich verdrängen und im tiefsten Keller der eigenen Seele verbarrikadieren wollte. Auslöser können ganz profane Dinge sein, wie ein Ortsschild, welches eine Partnergemeinde aufführt, mit der man eine halbwegs emotionale Verbindung aus einer sterbenden Partnerschaft hatte. Oder auch einfach eine unerklärliche Sehnsucht nach etwas unerklärlich Vergangenem, die im Griff zum Telefonhörer gipfelt und einen in eine zu bewältigende Realität zurück katapultiert.

Befindet man sich dann noch an einem Ort, wo rundum urlaubsgeschwängerte Glückseligkeit herrscht, öffnet sich eine mentale Grube und die Seele, das Herz, jegliches positive Gefühl, wandern schnurstracks hinein. Erstmal in diesem schwarzen Loch gefangen, sind die nächsten Stunden ein Kampf mit sich selbst, ein Krampf in der Magengegend und eine Feuchtigkeitskur für die Augäpfel. Alles kommt nochmal hoch, bricht sich Bahn und wird doch verzweifelt unter der Oberfläche gehalten, damit die Umwelt, die einen begleitenden Freunde, möglichst wenig davon mitbekommen. Schließlich soll ihre Qualitätszeit nicht schon wieder von meinen stets wiederkehrenden Wehwehchen beeinflusst werden.

Selbstverständlich merken sie es dann aber dennoch, logisch, sind ja die besten Freunde der Welt, und sie reden auf einen ein, schimpfen, pflegen, bauen auf und versuchen, das eigene Unverständnis zu unterdrücken. Was ich widerum natürlich ebenfalls merke, man kennt sich einfach schon zu lange. Doch es hilft, ein wenig zumindest, um die Welt wieder etwas gerade zu rücken. Klar, die Ziggarren und der Wein tun ebenfalls ihr bestes, dieses vermaledeite Gehirn für heute auszuschalten, doch es sind die Menschen, die dem Leben ihren Wert verleihen. Zumindest die, denen man vorbehaltlos vertrauen kann, weil sie eben nicht den eigenen Vorteil im Sinn haben, sondern wie ich die Stärke aus der jeweiligen Gegenseitigkeit ziehen.

Was weitere Zweifel aufziehen lässt. Ist es für einen sensiblen Menschen wie mich tatsächlich eine gute Lösung, aus der gewohnten Umgebung auszubrechen und sich auf unsicheres, ungewohntes Terrain zu begeben? Auch noch den letzten sicheren Hafen, die Beständigkeit der täglichen Arbeitsroutine, ziehen zu lassen, wo doch alles andere schon den Bach runtergegangen ist? Klar weiß ich, dass wahre Freundschaft bleibt, doch bleibt auch die Angst, ist doch der Großteil meiner alten Freunde in Dortmund zwangsläufig seiner Wege gegangen, als ich vor zehn Jahren ins Rheinland zog und die Treffen seltener wurden. Wenn man ehrlich ist, existiert von damals nur noch eine wirkliche Freundschaft, und selbst wir sehen oder sprechen uns nur noch von Zeit zu Zeit. Da kommt schon mal die Sorge auf, dass den Bonner Freundschaften ein ähnliches Schicksal blüht, wenn ich mich jetzt auf in die weite Welt mache.

Dass ich so etwas zudem noch niemals alleine angegangen bin, erhöht den Druck und das Misstrauen. Ich bin kein Mensch für Solotrips, ich bin ein Teamplayer, maximal ein Bandleader, sicher aber kein Eremit. Ich brauche Vertrauen und Vertraute um mich herum, meine persönliche Freude zieht sich aus geteilten Erlebnissen, Abenteuern und der gemeinsamen Bewältigung von Hindernissen. Ach, es ist ein Elend. Unfassbar viele schöne Tage liegen hinter mir, zumindest für meine aktuellen Verhältnisse, und nun reißt mich ein Gedankentsunami wieder so tief herunter, wirbelt mich durcheinander und zieht mich zurück in das Meer voller Sorgen. Luxusprobleme, ich weiß, aber eben meine, ganz persönlich. Und damit doch so schwerwiegend für mich, dass ich sie als besonders zermürbend erachte. Ich hoffe, diesmal handelt es sich um einen wahrhaft kurzfristigen Rückfall, will ich doch die nächsten Tage halbwegs unbeschwert verbringen und endlich mental wieder festen Boden unter den Füßen bekommen. Der Rest des Lebens besteht aus der Zukunft, nicht der Vergangenheit; es ist an der Zeit, dass Herz, Hirn und Seele das ein für allemal begreifen. Echt mal!

Keep on rockin´

Ree 

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