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„1200 Höhenmeter ohne Training“ oder „Das Seilbahn-Dilemma“ (206/366)

8. Dezember 2016

Refugio. Was eine kurze Wohltat, nach unfassbar anstrengenden Stunden endlich dort oben anzukommen, auf 3260 Metern Höhe, mit bereits 900 Höhenmetern in den Beinen. Schade nur, dass zwar eine kurze Rast möglich, der Weg aber noch nicht beendet war. Wo? Na, im Refugion de Altavista, dem einzigen „Traveller´s Rest“ auf Teneriffas Königswanderweg hoch zum Teide. Acht Jahre war mein letzter Aufstieg her und übermütig, wie ich nun mal bin, dachte ich am Morgen wohl so etwas wie „hoppeldihopp, nun wandern wir mal hübsch nach oben und schauen im Anschluss, was der Tag noch so bringt“. Weit gefehlt, liebe Freunde.

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War der Einstieg an der Montaña Blanca mit dem in freundlichen Kehren aufwärts führenden Fahrweg noch völlig entspannt, hat mich der Steilanstieg in den felsigen Serpentinen wahrlich sämtlicher Kraft beraubt und zudem die Illusion gekickt, man könne alles unendlich locker wiederholen. 2007 und 2008 bin ich da schon mal hoch, jeweils in Begleitung, und es war auch in einer kritischen Rückschau nicht mal ansatzweise so anstrengend. Ich kann mich zumindest nicht daran erinnern, damals Sterne gesehen zu haben – und nein, ich war diesmal nicht nachts unterwegs.

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Man sagt, die Aussicht entschädigt für alles und die körperliche Belastung auf dem Weg sorgt für eine Befreiung des Gehirns, woraufhin Gedanken klarer fließen können, aber auch das kann ich für mich diesmal nur bedingt bestätigen. Klar, das Panorama war stellenweise spektakulär (doch gibt es auf der Insel schönere Aussichten) und der Kopf wurde tatsächlich von sämtlichen mich plagenden Gedanken befreit, aber eben nicht um klarer zu fließen, sondern Platz für die Überlebensmantras zu machen – „Du schaffst das“, „Schritt für Schritt“, „Nicht ausrutschen“, „Wer kam auf diese blöde Idee?“.

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Nun gut, es ging voran und die Ruhe, fast Besinnlichkeit, und die Individualität hatten durchaus einigen Charme. Außerdem gab es immer mal wieder Begegnungen mit Leidensgenossen, mal fitter, manchmal tatsächlich noch fertiger als ich. Dennoch, dieser Weg ist aus meiner Sicht nicht zum Sightseeing geeignet, sondern primär zur Auslotung der eigenen körperlichen Belastbarkeit (und vielleicht als Training für die Besteigung noch höherer Berge in anderen Gegenden der Erde). Ich jedenfalls schleppte mich mit vorerst letzter Kraft in bereits angesprochenes Refugio und wiederholte ein altes Ritual: Ich zog mir erstmal eine heiße Schokolade aus dem Automaten J

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Beim obligatorischen Foto habe ich dann zudem mein Objektiv vorerst ramponiert (es fuhr nicht mehr raus oder rein, nachdem es von der Bank fiel), konnte es aber mit der russischen Methode wieder instandsetzen (ich schlug jede Seite mit Wucht gegen ebenjene Bank und schon funktionierte alles wieder). Nach diesem aufregenden Ereignis war ein kurzes Sonnenbad eine dankbare Erholung und ließ mich die Zeit bis zur notwendigen Fortsetzung des Aufstiegs entspannt genießen.

Gemeinsam mit einigen netten Leuten unbestimmter Herkunft (sprachen sehr gut Englisch, haben untereinander aber eine mir unbekannte Sprache benutzt; Finnen?) zog ich dann wieder los, die letzten 300 Höhenmeter absolvieren, denn leider konnte ich keine Gipfelerlaubnis mehr ergattern – die sind bis Mitte Januar schon vergeben, aber dazu komme ich noch. Tatsächlich konnte ich die Jungs und Mädels auf halbem Weg hinter mir zurücklassen, obwohl ich selbst schon alles doppelt sah, aber es war wirklich an der Zeit, oben anzukommen. Nachdem ich noch einen sehr netten Wanderer aus Sachsen schwungvoll vorbeiziehen lassen durfte, waren auch mir Minuten später erst der ultimative Adrenalinstoß und dann die frustrierte Ernüchterung vergönnt.

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Adrenalin, denn ich war endlich da, auf dem Plateau, welches durch ein kleines Wegenetz verknüpft auch ohne Gipfel Blicke in nahezu alle Richtungen zuließ und so für Freude und Staunen sorgte. Und natürlich, weil ich tatsächlich angekommen bin. Vielleicht fühlt sich so ein Tor vor 80000 Zuschauern an. Wirklich toll, euphorisiert und aller Schmerzen ledig (die sich dann unten auf dem Weg zurück zum Auto wieder meldeten).

Aber Frustration? Na klar, da ist man 4:14 Stunden gewandert, hat 1200 Höhenmeter in dünner werdender Luft hinter sich und wird auf dem Plateau von Flipflop-, Espandrilla- und Sandalen-Trägern weggedrängt, schräg angeschaut und fast über den Haufen gerannt. Ich habe Verständnis dafür, dass nicht jeder diesen Weg gehen kann und mit der Seilbahn hinauf fährt, aber gegenseitige Rücksichtnahme wäre echt toll. Und, noch frustrierender für mich, ich habe kein Verständnis dafür, dass diese Kurzrock-FlipFlop-Fotojunkies mir und anderen Wanderern die Permits für den Gipfel wegschnappen und somit nach ihrer 8-Minuten-Gondelfahrt die letzten 200 Meter nach oben kraxeln, um dieses unfassbar schöne Erlebnis auf der Spitze von Spaniens höchstem Berg zu haben.

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Dieses Gefühl sollte den Wanderern vorbehalten sein, die diese Strapazen tatsächlich auf sich nehmen. Oder zumindest sollte man so 50-70% der Permits erst im Refugio de Altavista vergeben, denn da kommen ausschließlich Wanderer vorbei. Ich fand es äußerst enttäuschend, schon zu Urlaubsantritt keinen einzigen Slot mehr ergattern zu können, wohlgemerkt für 12 Reisetage! Vielleicht sollte man Geld verlangen (die Permits sind kostenlos, prinzipiell eine super Sache) oder Strafen vergeben, wenn sie verfallen. Denn viele Leute registrieren sich, erscheinen dann aber nicht; dennoch gibt es dann keine Chance, quasi als Ersatz einzuspringen – das hatte ich heute extra erfragt.

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So wurde das in Summe ekstatische Gefühl etwas getrübt, auch wenn ich über die Seilbahn im Großen und Ganzen natürlich selbst froh war, denn einen Abstieg hätte ich heute vermutlich nicht mehr heil überstanden. Dennoch würde ich mich freuen, wenn die Inselregierung hier ihr Vorgehen nochmal überdenkt, denn was gibt es für einen Wanderer schöneres, als nach all diesen Strapazen tatsächlich auf dem Gipfel zu stehen, und mit dem Bewusstsein ins weite Rund zu blicken, dies mit den eigenen Füßen erklommen zu haben? Und auch wenn ich weiß, das andere diesen Aufstieg quasi als Spaziergang ansehen: Für mich war das eine enorme Herausforderung, die gemeistert zu haben mich ein wenig mit dem stolzen Gefühl erfüllt, Vorhaben wirklich umsetzen zu können.

Keep on rockin´
Ree

Nikolaus auf Teneriffa oder Rendezvous mit der Seele! (205/366)

6. Dezember 2016

​Nikolaus. Es hat schon etwas surreales, einen Teil der Adventszeit bei über 20 Grad und strahlendem Sonnenschein zu verbringen und dabei dennoch überall Weihnachtsdekorationen zu erblicken. Und dennoch gefällt mir diese Variante weit besser als das Bibbern daheim; Sonnenkind eben. Nur die liebgewonnenen Menschen fehlen, denn aktuell bin ich hier allein. Aber das muss nicht schlecht sein, ist es doch inzwischen eine erprobte Art zu reisen und Teneriffa sowieso im Grunde “der einzige Ort, der sich auch alleine nach Zuhause anfühlt“. Klar, bei den Eltern ist es auch toll, aber das liegt an ihnen, nicht dem Ort an sich. Mit diesen besten Eltern aller Zeiten wäre jeder Ort auf der Welt ein schöner, so eben auch eine Wohnung in einem Dortmunder Gewerbegebiet.

Zurück zur Weihnachtszeit hier, die erfüllt ist von altbekannten Liedern, einer Vielzahl von Krippen, Spiritualität und spürbarer Freude. Kann es sein, dass den Spaniern ob ihres bevorzugt katholischen Glaubens die eigentliche Bedeutung von Weihnachten noch nicht abhanden gekommen ist oder handelt es sich hier um eine spektakuläre gelungene Inszenierung für die zahlenden Gäste? Ich kann es nicht wirklich beantworten, dafür fehlt mir Zugang zu Privatwohnungen der Residenzen, aber zumindest fühlt es sich gerade außerhalb der touristischen Zentren schon sehr echt an. Ich muss mal nach Candelaria, dem christlichen Zentrum der Insel und die Stimmung dort einfangen. Vielleicht morgen.

Heute war ich auf einer ureigenen spirituellen Tour, habe mich meinem Schicksalsberg genähert und unter seinen Augen eine wahrhaft königliche Wanderung absolviert. Zu viel der Superlative? Mag sein, aber für mich ist es stets etwas Besonderes, hoch in den Teide Nationalpark zu fahren und den höchsten Berg Spaniens in seiner ganzen majestätischen Pracht erblicken zu können. Schon der Park an sich, mit den vielen Gipfeln, Kratern, Gesteinsvariationen und Mondlandschaften ist ein Schauspiel sondergleichen, doch wie der oft schneebedeckte Gipfel über allem wacht, das ist schon nochmal speziell. Ein wenig getrübt von wahrlich touristischen Horden, einer Menge die mir bei den letzten zehn Besuchen noch nicht untergekommen war und die greifbare Bestätigung, dass sich die Urlauber eher gegen die Türkei und für die Kanaren entscheiden. Aber man sollte darüber hinweg sehen, denn genau genommen bin auch ich ja noch immer Tourist, auch wenn es sich aktuell um den elften Trip in neun Jahren handelt.

Ich habe mich also aufgemacht, abseits geparkt und eine Runde eingeschlagen, die mir bislang unbekannt war. Weg von der Straße führte sie mich, in eine Schlucht zwischen kleineren Erhebungen und sogleich verschluckte die Umgebung jegliches Geräusch. Nur noch meine Füße erzeugten ein stetes Knirschen auf dem steinigen Boden, selbst der Wind hielt still und ließ mich mit meinem Gedanken auf dem Weg allein. Selbige flossen konstant, alles kam immer mal wieder ins Gedächtnis hervor, doch nichts konnte die wesentlichen Eindrücke trüben, diese Stille, den Frieden und die Erkenntnis, dass es der Natur völlig egal ist, womit ich mich persönlich gerade beschäftige. Der Aufstieg auf den schwarzen Berg forderte ob der Höhe alle Konzentration von mir ein und ich kam, vermutlich aufgrund der Anstrengung, aus dem Grinsen nicht mehr heraus. Am kleinen Gipfel angekommen legte ich dann auch eine lange Pause ein und konnte den Blick kaum vom Teide und der ihn umgebenden Landschaft nehmen. Warum auch immer, nahm sie mich heute mehr noch als sonst gefangen. Ich bin sicher, dies liegt in den Zweifeln der Vergangenheit und Gegenwart begründet, kombiniert mit meinen Sorgen, was die Zukunft wohl bringen mag.

Aber dieser Trip, diese gehaltvolle Wanderung, hat mir zumindest die Zuversicht zurück gebracht, dass es diese stillen, friedvollen Momente und Orte noch gibt, die einem in zerrissenen Zeiten etwas Kraft spenden und Rückzug anbieten. Dies ausgerechnet an Nikolaus zu erleben, macht es noch ein klein wenig mystischer. Der Geist der Weihnacht eben – oder doch die Kraft des Berges? Wer weiß das schon. Wichtig bleibt: Es war jeden Schritt und jede Fußblase wert und wird nicht der letzte Ausflug gewesen sein.

Keep on rockin‘
Ree

Der Seelenfresser ist wieder aktiv! (204/366)

30. November 2016

Todunglücklich. Er hat mich wieder erwischt, der Seelenfresser, hat sich die letzten zwei Tage langsam angeschlichen und sich dann heute innerhalb von Sekunden mit aller Macht ausgebreitet und für völlige, tiefschwarze Niedergeschlagenheit gesorgt. Es ist viel passiert, in Summe seit dem letzten Eintrag, aber insbesondere auch in den letzten 30 Stunden, und vieles davon schmerzt, lässt verzweifeln oder sorgenvoll in die Zukunft blicken. Und ich Idiot habe gedacht, inzwischen das Gröbste hinter mir zu haben. Well, falsch gedacht, fatal.

Hoffentlich ist es nur eine Phase, hält nicht an und lässt mich schon bald wieder lachen. Denn so muss das nicht sein, kann ich nicht gebrauchen, habe doch so viel zu tun, für das ich freie Gedanken haben muss, ein klarer Kopf vorhanden sein sollte. Doch fehlt die Zuversicht, gerade jetzt, gibt es doch noch zu viele lose Enden, die sich einfach nicht schließen lassen. Dinge, die außerhalb meines unmittelbaren Einflussbereichs liegen, die ich nur anschubsen, aber nicht alleine vollziehen kann.

Es soll nochmal nach Spanien gehen, danach nach München, alles nahezu fest gezurrt und dennoch sind die Rahmenbedingungen nun anders als gewünscht, sind die Hausaufgaben daheim nicht erledigt und die laufenden Kosten zusätzlich ein schwerer Schlag. Aber um die geht es gar nicht, die sind da, tun weh, aber es ist nur Geld. Das Emotionale ist es, die Themen die nach Abschluss lechzen, aber unerledigt umher dümpeln, die reiben mich heute auf und führen zu der unverständlichen Verzweiflung. Dazu noch tragische Geschichten im Umfeld und unheilvolle Prognosen für das kommende Jahr und schon ist der Wohlfühlfaktor abhanden gekommen. Wirr.

Ich hoffe, das es nur einer (vermutlich schlaflosen) Nacht bedarf, um wieder besser klarzukommen und die Geister fürs Erste zu vertreiben. Besorgniserregend bleibt allerdings, dass es mit dieser Wucht zurückzukommen in der Lage war. Das habe ich nicht erwartet, da wähnte ich mich längst drüber weg. Aber vielleicht bedarf es manch dunkler Momente, um auch kurze Phasen des Lichts wieder richtig wertschätzen zu können. Genau, das ist eine vielversprechende Interpretation, also belasse ich es dabei. In Hoffnung.

Keep on rockin´
Ree

Stille Zeiten! (203/366)

15. November 2016

Viel. Vielleicht zu viel, weshalb es hier etwas still ist. Ich stagniere, weil zu viel zu tun ist, reagiere primär, anstatt zu agieren. Vielleicht warte ich auf ein Wunder, ein Zeichen oder eine andere Art der Besinnung, auf jeden Fall geht es momentan weniger schwungvoll voran, als ich es mir zu Beginn der freien Tage ausgemalt hatte. Meine Freunde hatten natürlich recht, zu viel auf einmal kann dagür sorgen, keinen rechten Anfang zu finden.

Nun ist zwar im Studium das ein oder andere erledigt und ich werde die Tage auch eine Zukunftsvariante diskutieren, doch läuft dies alles schleppend, langsam und ohne den erdachten Schwung. Ok, ich mag hart zu mir selbst sein, aber ich akzeptiere eben auch nicht, dass mir die Energie zu fehlen scheint, alle gewünschten Themen zu koordinieren und in Form zu bringen. Es sind eben die Emotionen, die den Geist leiten und dem Körper Schwung verleihen und diese in den Griff zu bekommen erfordert offensichtlich mehr Kraft, als mir zu Beginn auch nur ansatzweise bewusst gewesen ist.

Mit Schritt für Schritt komme ich allerdings auch nur bedingt zurecht, weil ich danndes Nachts an die Decke starre und mich frage, warum ich nicht mehr auf die Reihe bekommen habe. Aber gut, damit muss ich umgehen lernen, denn weiterhin ist es jammern auf hohem Niveau – glaube ich zumindest. Heute ist bei meiner Nachbarin eingebrochen worden, womit die arme Frau erheblich andere Sorgen haben wird; was mir natürlich ebenfalls ein weiteres Thema mitgibt, denn auch ich muss jetzt über andere Sicherheitskonzepte nachdenken.

Nun gut, mal sehen, welche Erkenntnisse diese Woche noch bringt. Es könnten einige Weichen für die Zukunft gestellt werden und das ist eine gute Aussicht. Vielleicht läutet das dann auch die Ende der Stille ein, aber daskann ich nicht versprechen. Ich bin gespannt, aber nur mäßig zuversichtlich. Dafür war ein Großteil der letzten zwölf Monate zu schmerzhaft und enttäuschend; denn es ist grob ein Jahr her, dass ich die schlimmste persönliche Erfahrung machen musste und der Verlust von Hund, Haus und Träumen eingeleitet wurde. Eigentlich so langsam Zeit, es abzuhaken und neu zu starten. Wären da nicht die Schmerzen, nachts, in der Stille.

Keep on rockin‘

Ree

Die unerklärliche Anziehungskraft des Feuers! (202/366)

31. Oktober 2016

Faszination. Stellt sich ein, wenn ich Feuer in vemeintlich gezähmter Form beim Arbeiten zuschaue, sei es als Flamme auf einer Kerze, Wärmeerzeuger im Kachelofen des zum Verkauf stehenden Hauses oder aktuell etwas entfesselter im offenen Kamin des Wochenenddomizils in den Niederlanden. Die Art und Weise, wie es sich windet, wie es zuckt, um die notwendige Nahrung zu erhalten, ist ein Schauspiel sondergleichen, dem ich Stundenlang einfach nur zusehen kann.  


Warum das so ist, vermag ich nicht adäquat in Worte zu fassen, es ist einfach so. Die Gedanken sind frei und fließen viel ungezwungener, als in anderen Situationen. Ob es an der unterschwelligen Bedrohlichkeit liegt, der vermeintlichen Sicherheit als Herrscher des Feuers oder andere Gründe hat, bleibt mir bislang verborgen. Als personifizierter Hitzesuchender kann es allerdings auch an der wohligen Wärme liegen, die gezähmte Flammen so mit sich bringen. Auf jeden Fall steht für mich fest, dass ich auch privat wieder einen Kamin haben möchte. Es beruhigt mich, es entspannt mich und es leitet meinen Kopf in freiere Sphären. Na und das kann ich ja erwiesenermaßen mehr als gut gebrauchen. Morgen geht es dennoch erstmal zurück und ich weiß jetzt schon, dass ich es vermissen werde, das Knistern, Knacken und die mollige Wärme.

Keep on rockin´

Ree

Die geschenkte Stunde! (201/366)

30. Oktober 2016

Zeitumstellung. Für die meisten Menschen ein Ärgernis und wirtschaftlich wohl auch nicht mehr erklärbar (wie noch zum Start in den 70ern (?) verargumentiert). Für mich der Vorteil, dass ich es heute noch zu einem Blogeintrag schaffe, was ohne die einmalige 25. Stunde eines Tages im Jahr heute wohl schiefgangen wäre. Daher wird es zum Thema, zur Hommage und Dankbarkeit.

Was haben sie euch heute gebracht, diese geschenkten 60 Minuten add on? Seid ihr erfrischter gewesen, habt ihr etwas Besonderes erledigt oder sie sonstwie in nutzbares umgewandelt? Oder habt ihr sie, wie ich, an und für sich nur verbummelt und erst jetzt auf den entsprechenden Gegenwert gestoßen? Lange darüber nachdenken kann und möchte ich nicht, da es ja eigentlich schon längst Bettzeit ist (Stunde später als angezeigt, ihr erinnert euch?), aber dennoch war es mir ein Bedürfnis, euch danach zu fragen. Also: Wie habt ihr sie verlebt, diese eine zusätzliche Stunde? Bewusst, unbewusst oder überhaupt nicht?

Keep on rockin´

Ree

Denn wenn Du denken kannst! (200/366)

29. Oktober 2016

Selbstbild. Wer bist Du? Wie siehst Du Dich? Was glaubst Du, wie andere Dich sehen? Wichtige Fragen für die meisten von uns, Fragen, die unser Selbstbild prägen und dazu beitragen, uns zu dem zu machen, was wir sind. Viel mehr als sich die meisten von uns bewusst sind, prägt die Umwelt uns hier, die Art wie wir uns kleiden, was wir tun und, oftmals fatal, in welche Richtungen wir denken. Nur noch in den seltensten Fällen entwickeln sich Meinungen und Standpunkte im stillen Kämmerlein oder dem engsten Freundeskreis, woraus durchaus kontroverse Standpunkte entstehen konnten und neue, innovative, Wege eingeschlagen wurden.

Nein, in der heutigen Zeit der multimedialen Überbeschallung kann man eine vage Idee bereits tausendfach in Foren durchkauen, die Social Media-Netzwerke damit beglücken und sich darüber hinaus mit jeglicher abstrusen Vorstellung präsentieren, weil sich überall Befürworter und Gegner jedes noch so fernen Themas finden lassen. Fatalerweise herrscht gerade in wichtigen Themen dann aber gefährliches Halbwissen vor, seit neuestem auch noch unterstützt durch meinungsmachende Social Bots, die eine Idee (oder auch Ideologie) in unkontrollierbar hoher Zahl populieren und so Wahlkämpfe beeinflussen und Stimmungen lenken können, ohne dass (nach der entsprechenden Programmierung) noch irgendein Mensch aktiv eingreift.

Wenn Du denken kannst, ist die Entlarvung von sowohl ausschließlich auf Propaganda ausgerichteten Menschen, wie auch Social Bots gar nicht so schwer. Erstere lassen in der Regel nicht vernünftig mit sich diskutieren, sind Gegenargumenten gegenüber weder aufgeschlossen, noch tolerant und erweisen sich somit als Zeitverschwendung. Blockieren und weiter, sollte hier die Devise lauten. Social Bots kommen hingegen ins Schwimmen, wenn man ihnen konkrete Fragen stellt, die eine etwas tiefere Beschäftigung mit dem eigentlichen Thema bedarf. Denn dazu sind sie ob beschränkter Programmierung in der Regel nicht in der Lage. Aber vorsicht, die künstliche Intelligenz entwickelt sich fortwährend weiter und ich male mir nur ungern aus, wie sich diese Situation in fünf Jahren darstellt.  

Ich aber möchte dazu aufrufen, euch wieder mehr mit euren Freunden, Bekannten und Kollegen auszutauschen. Ich erinnere mich gut an stundenlange Diskurse zu unterschiedlichsten Themen mit meinem besten Dortmunder Kumpel oder eine Vielzahl ergiebiger Autorundfahrten und Gaststättenabende, an denen Ideen geboren, Aktuelles besprochen und Blödsinn wieder verworfen wurde. Ich möchte das aufleben lassen, verstärken und dem ewig gleichen Medienbrei etwas entgegensetzen, was verlieren zu gehen droht: Die Kraft, Energie und Macht der eigenen Gedanken. Es wäre toll, wenn sich dazu viele von euch finden lassen, sich anschließen, gemeinsame Zeit aufbringen und wieder etwas mehr Austausch ins wahre Leben transportieren. Und ob der stark gesunkenen Telefongebühren gegenüber meiner Jugend, in welcher meine Eltern ob meiner Telefoniesucht knapp am finanziellen Ruin vorbeischrammten, sollten die entsprechenden Kosten auch keine Ausrede mehr sein. Oder?

Keep on rockin´

Ree