Skip to content

Wie ein langer Hotelaufenthalt! (176/366)

21. Juli 2016

Heimgehen. Ich will nach Hause. Wo auch immer das sein mag, aber in meiner aktuellen Wohnung ist das auch weiterhin nicht. Obwohl längst nicht in einem aufgeräumten Zustand, fühlt es sich steril an, ohne Lebensluft und Lebenslust, so als ob es ein Set für eine Sit-up-Comedy wäre. Nicht falsch verstehen, die Wohnung wurde wohlüberlegt ausgewählt und bietet einem alleine schon mehr, als man eigentlich braucht; über 90m2 auf drei Zimmern, eigene Terrasse, modern ausgestattet. Und dennoch, ich vermeide es, bewusst oder unbewusst, zu viel Zeit in ihr zu verbringen.

Nun sagt man, Heimat ist wo das Herz ist. Doch wenn das Herz noch gebrochen und nicht in der Lage ist, vernünftig und voll zu schlagen, dann hilft auch das nicht weiter. Dortmund, klar, bietet stets eine besondere emotionale Verbindung, ist es doch der Lebensmittelpunkt meiner Eltern und vieler alter Freunde. Doch bin ich auch schon 11 Jahre weg und deshalb bei jedem Besuch, egal wie vertraut alles erscheint, irgendwie doch fremd.

Mein Haus, Heimat für ganz kurze Zeit, fühlt sich hingegen auch heute, während der Gartenarbeiten, noch bei jedem Besuch richtig an – aber nur, bis mich die Ereignisse der nahen Vergangenheit einholen und mir verdeutlichen, dass eine Übernahme einfach kaum sinnvoll erscheint (von der finanziellen Belastung mal ganz zu schweigen). Damit fällt auch das aus. Nur was dann? Bonn?

Ja, Bonn ist eine Option. Nur würde ich aktuell, wenn das Haus veräußert sein sollte, gerne etwas eigenes erwerben, um zumindest irgendwo eine Homebase zu besitzen, bevor es auf Reisen geht, und dafür sind die Kaufpreise der ehemaligen Bundeshauptstadt einfach viel zu hoch. Sonst wäre das der beste Weg, denn das Gewusel der City dort lässt mich durchaus heimische Gefühle entwickeln, der Rhein, das Münster, die Innenstadt, das Schloss … wahrhaftig, Bonn gefällt mir richtig gut.

Vielleicht ergibt sich ja beizeiten eine Möglichkeit, ich werde auf jeden Fall weiter überlegen. Es gibt derzeit so viel zu planen, durchdenken und entscheiden, dass ich schon wieder zu implodieren drohe. Morgen muss es endlich wieder zum Sport gehen; das Zahnfleisch scheint Ruhe zu geben, was dafür sehr hilfreich wäre. In der völligen Verausgabung liegt zumindest manchmal auch das Mittel zur Erkenntnis, reifen Ideen heran und werden Szenarien entwickelt. Neben dem Optimieren des Fitnesslevel wäre das Finden einer Lösung auf meine vielen mich plagenden Fragen wirklich sehr befreiend. Und wünschenswert.

Keep on rockin´
Ree

Der Phantomzahn! (175/366)

21. Juli 2016

Zahnschmerzen. Gibt es außerhalb von schweren Krankheiten etwas unangenehmeres, wenn man an alltägliche Wehwehchen denkt, die jederzeit auftreten könnten? Dieses Ziehen, das einem im wahrsten Sinne des Wortes auf die Nerven geht und gerne auch über die Ohren bis tief in den Kopf hinein ausstrahlt? Und darüber hinaus wahrhaft grausame Szenarien vor dem geistigen Auge erscheinen lässt, von surrenden Bohrern und kratzenden Instrumenten. Nein, um Zähne macht man keine Witze, können sie doch als Erreger aller möglichen Gebrechen herhalten, bis hin zu Rückenschmerzen durch in die Wirbelsäule gestrahlte Entzündungen.

Nun, vor einiger Zeit hatte ich euch ja mit der Anekdote des halb zerbrochenen Zahns in meinem Oberkiefer beglückt, der nur noch gut 40% des restlichen Trümmerfelds zurückließ. In dieser Woche stand nun der Termin an, den ich nicht gerade sehnlichst erwartet hatte: Die Entfernung ebendieses Rests Zahn, der meine Zunge schon wahnsinnig gemacht hat, weil er scharfkantig und unnütz im Raum herumhängt. So dachte ich zumindest.

Das Erstgespräch bei dem mir unbekannten Dottore verlief übrigens erstaunlich entspannt, um nicht direkt zu sagen, dass es der beste Empfang durch einen Zahnarzt in meinem gesamten bisherigen Leben war. Neben dem Fachlichen tauschten wir auch ein paar private Worte aus, verstanden uns super und lachten viel, bevor es dann frisch und frohgemut ans Werk ging.

Ein schnelles Röntgenbild (Top-Gerät), vier Spritzen zur Betäubung (die ich erstaunlicherweise nicht gespürt habe) und schon konnte die Entfernung starten. Glücklicherweise passierte das tatsächlich völlig schmerzfrei, auch wenn die Gewaltanwendung durch den Meister meine Nackenmuskulatur stark strapazierte und ich mich zwischenzeitlich schon gefragt hatte, ob sich gleich der gesamte Oberkiefer über den Raum verteilt und ich im Anschluss eine hervorragende Besetzung für grausame Horrorfilme abgeben würde.

Nach fünfzehn Minuten war der Zahn raus, das Gefühl fürchterlich (da fehlt doch was, welch ein Krater) und die besorgniserregende Empfehlung folgte, regelmäßig eine Ibuprofen einzuwerfen, wenn die Schmerzen nach Abklingen der Betäubung zu stark zunehmen. Auch wenn sich das zu Beginn noch wie ein Vorschlag der Vorsicht wegen anfühlte, wurde nach einigen Stunden klar, was der Doc gemeint hatte.

Ohne regelmäßigen Medikamenteneinwurf wäre an Schlaf, Essen oder Arbeiten vermutlich wenig zu denken gewesen, da das Zahnfleisch über den massiven Aufriss offensichtlich nicht sehr erfreut gewesen ist (welch Überraschung). Da der Körper nun eines seiner unerklärlichen Wunder vollbringen muss, diesen wahrhaft tiefen Krater nämlich per Eigenreparatur wieder zu verschließen, ist es durchaus nachvollziehbar, hier ein paar Tage unter Schmerzen leiden zu müssen. Heute erfolgt eine Nachkontrolle, in der Hoffnung, dass die Heilung gute Fortschritte macht und ich auch endlich wieder zum Sport darf (die Behandlung ist zwei Tage her und Sport galt als wenig sinnvolle Beschäftigung, da die Blutzirkulation angefacht würde und zu zusätzlicher Reizung führen würde). Danach stelle ich mich dann den weiteren Ratschlägen meines Zahnarzts, der im Hinblick auf mein fortschreitendes Alter bereits einige Notwendigkeiten andeutete. Ich freu mir nen Keks. Oder lieber ein zuckerfreies Trockenobst.

Keep on rockin´
Ree

Wie auf dem Bazar! (174/366)

18. Juli 2016

Bazare. Ausdruck arabischer Lebensfreude, Kultur und Geschichte. Möchte man die Lebensphilosophie des Morgenlands kennenlernen, so ist es ein guter Rat, tief in das Gewirr von Gassen, Gewürzen und Geräuschen einzutauchen, sich treiben und belagern zu lassen. Wichtig, schier unabdingbar, ist dabei allerdings, sich nicht einzubilden, einem der ausgebufften Händlerprofis in ihrer Paradedisziplin auch nur annähernd das Wasser reichen zu können. Selbst wenn ein Geschäft zu einem Dir genehmen Preis abgeschlossen wurde, sei Dir dessen Gewiss, dass der Händler dennoch seinen Schnitt gemacht hat. Aber beklage Dich nicht darüber, sondern freue Dich, Teil dieses Geschäfts und damit einer tausende Jahre währenden Geschichte geworden zu sein. Zumal, wenn Du mit dem Preis leben konntest und Dich am soeben Erworbenen ergötzen kannst.

Nun treibt man sich aber als Westler in der Regel eher selten auf einem dieser Märkte und Souks herum, kann somit wenig über die Tricks der Händler lernen und eigene, kleine Fähigkeiten entwickeln. Doch wandelt man mit offenen Augen durch unsere Gefilde, insbesondere in Nordrhein-Westfalen, so wird einem früher oder später eine sonntägliche Markttradition begegnen, die dem Original im Orient kaum nachsteht. Ja, es gibt sie wirklich, Märkte, in denen sich das fernöstliche Gewusel mit der westlichen Strebsamkeit zu einer einzigartigen Symbiose vereinigt und den geneigten Besucher gefangen nimmt.

In dieser Woche hatte ich mal wieder das Vergnügen, dem Trubel des Marktes an der Metro in Siegburg/ Sankt Augustin beizuwohnen, erstmals in Begleitung meines besten Freunds. Obwohl ich ihn vorgewarnt hatte, war er sprach- und fassungslos ob der dargebotenen Vielfalt an Waren und kulturellen Gruppen. Frischware wie Wurst, Käse, Joghurt und Fleisch wurden neben Massen an Gemüse und Obst präsentiert, Pide und Fladenbrote türmten sich zu riesigen Haufen auf, große Pflanzen jeglicher Coleur wurden angepriesen und ebensowenig mangelte es an technischem Schnickschnack, Süßwaren und Kleidung – jeder Menge Kleidung. 

Trotz der Hitze des Tages, was ja den orientalischen Märkten sogar noch näher kommt und weitere Authentizität verleiht, ließen wir uns treiben und wurden Teil der Masse, die um Preisnachlässe feilschte, Garantien aushandelte und die Frische der Waren begutachtete. Die Händler, ganz Profis, priesen ihre Waren in unnachahmlicher Art an, sorgten somit für das Grundrauschen und bewiesen, dass echter Vertrieb mehr ist als der Verkauf in standardisierten Warenhäusern. Selbst wenn man, wie ich, nicht für das Feilschen geboren ist, so macht es doch Spaß, zwischendurch kurz stehen zu bleiben, den Preis eines Handelsguts zu erfahren, darauf weiterzugehen und vom Händler mit dem Hinweis auf ein besseres Angebot zurückgerufen zu werfen.

Wir erstanden etwas Obst, sehr viel Joghurt und ein paar Süßigkeiten, bevor wir uns zurück zum Auto aufmachten. Mein Kumpel wird mich wieder begleiten, da bin ich sicher. Der Faszination eines dieser Märkte können sich nur wenige entziehen. Militante Neuwarengegner, die unter einem Trödelmarkt den reinen Verkauf gebrauchter Artikel verstehen, sind allerdings dort nicht gut aufgehoben. Da empfehle ich den Rheinautrödelmarkt in Bonn, der an jedem zweiten Samstag im Monat stattfindet und zu den größten Gebrauchtmärkten Deutschlands zählt. Auch der hat enormen Charme. Kurzum, wer etwas erleben möchte, der sollte mal einen solchen Markt besuchen. Es lohnt sich.

Keep on rockin´

Ree

McFit erfindet sich (leider?) neu! (173/366)

16. Juli 2016

Südostasien. Eine Region, die ich in nur zwei Besuchen wirklich lieben gelernt habe, Sehnsuchtsreiseziel der kommenden Monate und Besitzer faszinierend kulturhistorischer Schätze. Wenn ich nur an Laos denke, wo die nettesten und glücklichsten Menschen leben, denen ich je begegnen durfte (und das obwohl deren Land als eines der Ärmsten der Welt klassifiziert wird), dann bin ich geneigt, sofort einen Flug zu buchen und dorthin aufzubrechen. Doch noch nicht, es muss zuvor noch einiges geregelt werden. So bleiben mir bis dahin nur Bücher, Bilder, Fundstücke, denn ich kann mich ja nicht hinein versetzen.

So dachte ich zumindest. Bis heute. Um acht Uhr betrat ich das unter einem völlig neuen Konzept errichtete McFit-Sportstudio in Bad Godesberg (heute ist Tag 1) und war erstmal … verwirrt. Nahezu gar nichts erinnert an die Standardausstattung von Europas größter Fitnesskette, nicht einmal der Name, denn das Konzept nennt sich John Reed und wird konsequent verfolgt. McFit versucht hier scheinbar, eine hippe Premiummarke zu etablieren, die sich an ein trendbewusstes Publikum richtet und nicht mehr auf „pure sports“ fokussiert zu sein scheint. Zu Beginn fallen, das ist menschlich, die negativen Punkte ins Auge. Ist die fehlende Funktionalität der Schließfächer und Spinde zwar ärgerlich (immer die Tasche mit allen Klamotten mitschleppen ist nervig), aber unter Kinderkrankheiten abzuheften, dürfte die erschreckend geringe Zahl an Parkplätzen (ca. 50) zu Stoßzeiten für Frustration sorgen. 

Auch Nachtschwärmer bleiben enttäuscht zurück, konzentrieren sich die John Reed-Öffnungszeiten doch auf 6-24 Uhr unter der Woche, 8-22 Uhr am Wochenende. Nichts mehr mit 24/7, was McFit unter anderem groß gemacht hat. Da bleibt als Bonner nur noch das Ausweichen in die City, für mich käme auch noch das Studio in Neuwied als Alternative in Frage. Ebenso scheint es ein neues Preiskonzept zu geben, aber das habe ich noch nicht völlig durchdrungen. Als McFit-Bonn-Altmitglied steht mir die Nutzung des Studios zu Standardkonditionen zu, für neue Kunden gibt es aber wohl ein differenziertes Preismodell, das bei 20 EUR für die Basic Mitgliedschaft startet und sich bis auf 40 EUR steigert (was in- oder exkludiert ist, weiß ich allerdings nicht).

Ok, das war das Studiobashing, nun kommen wir zum Studio an sich. Warum überkam mich nach dem Betreten fernöstliche Wehmut? Nun, das Studio folgt einem höchst interessanten Einrichtungskonzept, welches mit Buddha-Statuen, geschmackvollen Möbeln, asiatischen Kampfkunstgeräten und wirklich schönen Bildern, Karten und Dekoartikeln aufwartet. Dabei ist das nicht irgendwie hingeklatscht worden, sondern ganz offensichtlich mit Liebe designt, fühlt man sich doch in jedem Abschnitt förmlich von Zen umgeben und vergisst beinahe, dass man zum Training gekommen ist. Ein Loungebereich mit schweren Möbeln empfängt einen und lädt zum Verweilen ein; so bequem, dass man es sinnvollerweise erst nach den Übungseinheiten nutzt, da die Trainingsmotivation ansonsten spürbar sinkt. Hier werden sicherlich einige Schwätzchen und Flirts stattfinden, da bin ich sicher.

Die Trainingsbereiche selbst sind in relativ kleine Zonen unterteilt, so dass in der Regel maximal 10 Personen aufeinander trainieren, was ich als sehr angenehm empfinde. Jede Zone hat widerum ihren eigenen Stil, immer noch fernöstlich angehaucht, nun aber stellenweise erweitert um industrielle oder koloniale Elemente. Dazu hämmern trendige Beats aus den zahlreichen Boxen, immerhin handelt es sich ja um einen Fitness Music Club (nur auf den Toiletten geht es mehr in Richtung Chillout, ebenso passend wie angenehm). Wie verhält es sich aber mit dem Wichtigsten, dem Trainingsequipment? Erwartungsgemäß sind die Geräte nagelneu, top modern und lassen keine Wünsche offen. Ich musste teilweise ein wenig suchen (das Studio läuft über drei Etagen), doch alles war gut aufzufinden und hielt sogar einige Überraschungen, will sagen zusätzliche Geräte gegenüber dem Standard-McFit, parat.

Darüber hinaus bietet das Studio einen Bereich mit Slingtrainern, virtuelle Kursräume und, besonders schön für mich, einen Functional Trainingsbereich für Crossfit und Co. Dass die Umkleidekabine und Duschen schick und sauber waren, ist fast überflüssig zu erwähnen; was sollte am ersten Tag auch schon passiert sein? Summasummarum bleibt festzuhalten: Ein tolles Studio, das Konzept ist wirklich stimmig, mich spricht es sehr an und motiviert mich zusätzlich. Dennoch bleibt natürlich die Frage: War das wirklich nötig, braucht man so ein Ambiente für effizientes Training? Ich glaube nicht. Niemand hätte sich beschwert, wäre einfach ein weiteres, moderneres McFit-Studio entstanden. Die Goodies sind top, aber nicht trainingswichtig. Der Parkplatz könnte sich zu einem Problem entwickeln. 

ABER: Möchte McFit sich erweitern, weiterentwickeln, teilweise auch Premium-Kundschaft anziehen, die sich aktuell vom Low Budget-Konzept der Muttermarke hat abschrecken lassen, dann hat das Management alles richtig gemacht. Der Wohlfühlfaktor ist hoch, die Trainer nett und die Ausstattung erstklassig. Auch wenn sich über die Lage streiten lässt, könnte sich schon rasch der gewünschte Erfolg einstellen. Ich jedenfalls werde wiederkommen. Regelmäßig.
Keep on rockin´

Ree

Ein Sektchen in Ehren! (172/366)

14. Juli 2016

Spontanparty. Zum Beispiel, wenn sich ein geplanter Umtrunk im Büro bis über den Feierabend hinaus in den frühen Abend zieht. Man mit Leuten zusammen sitzt, die man eigentlich gut zu kennen meinte und dann doch noch von einer ganz anderen, noch schöneren Seite kennenlernt. Gemeinsam lacht, Witze macht und, ja, sogar etwas Zuversicht schöpft. Alle teilen ihre Erlebnisse, nehmen Teil am eigenen Schicksal und geben mal mehr, mal weniger ernst gemeinte Ratschläge.

Mir war das bis dato völlig fremd, bin ich doch in der Regel eher zu früh, als zu spät von so einem Umtrunk verschwunden, oft weil die Partnerin, manchmal auch der Hund, bereits gewartet haben. Ohne Bindungen, ohne eigentlich ja sehnsüchtig erwünschte Verpflichtungen, war es heute ein wenig anders. Obwohl eigentlich schon im Aufbruch befindlich, habe ich mich nach einem wirklich schönen Gespräch nochmal der verbliebenen Runde angeschlossen und so das Glück gehabt, einige höchst amüsante, kurzweilige Stunden in angenehmer Gesellschaft zu verbringen.

Kein Thema war zu peinlich, kein Ratschlag zu abwegig, als dass es nicht hätte zur Sprache gebracht werden dürfen. Arbeit, Urlaub, Trennung, Geld, Party, Alkohol und Co, vor nichts wurde halt gemacht. Dabei wurde niemand bloß gestellt, es blieb alles in einem heiteren, unverfänglichen und gesitteten Rahmen. Die Freude konnte das nicht schmälern, ganz im Gegenteil, einfach mal unbeschwert und ohne Reue zu lachen, war einfach eine Wohltat. So etwas dürfte gern häufiger passieren. Echt mal.

Keep on rockin‘

Ree

In den Tag hinein leben! (171/366)

12. Juli 2016

Planlos. Nicht wissend, was der Tag bringt, Unsicherheit bezüglich seiner Gestaltung, Sorge über vermeintlich unliebsame Überraschungen. Wenn nichts wirklich klar, vieles unwägbar ist, dann beherrschen oftmals wilde Gedanken den Alltag. Horrorszenarien, Wunschvorstellungen, fixe Ideen, vieles wechselt einander ab, geht manchmal sogar ineinander über. Rastlosigkeit, Hilflosigkeit und innerliches Zusammenzucken werden zu stetigen Begleitern eines jeden Tages.

Schon oft habe ich inzwischen von den mich beschäftigenden Themen berichtet, doch noch immer steht keines von ihnen wirklich vor einem Abschluss. Das nervt, es irritiert und vor allem macht es jede sinnvolle Zukunftsvision zunichte. Wie soll man das kommende Jahr planen, wenn nicht einmal die nächste Woche Konturen annimmt? Wie einen Businessplan aufstellen, wenn es so viele Fragezeichen hinter allem gibt? Wieso geben Menschen ein Kaufangebot ab, um sich nach Zustimmung dann nicht mehr zu melden? Warum fühlt sich ein Banker nicht bemüßigt, mal ans Telefon zu gehen oder auf Mails zu antworten? Wieso streben alle nach stetiger Optimierung, ohne auch nur mal ein paar Tage mit dem Status Quo zufrieden zu sein? Oder kommt mir das alles nur so vor, muss ich mich noch mehr hinterfragen?

Ein Freund sagte mir mal, wenn man überall Probleme sieht, ist man es möglicherweise selbst. Quasi der Eine, der sich über die vielen Geisterfahrer auf der Strecke wundert, obwohl er es doch eigentlich ist. Aber das möchte ich ungern glauben, nicht, weil ich eitel bin, sondern weil das Feedback ein anderes ist. Ein toller Freund, feiner Kerl, liebenswerter Mensch sei ich, man könne froh sein, mich zu haben (schade, dass die Frauen meines Herzens das wohl anders gesehen haben). Nun macht mich das zwar verlegen und freut mich auch, aber es stimmt wohl nur bis zu einem gewissen Grad. Muss man mich täglich ertragen, dann scheint so nach drei, vier Jahren eine unsichtbare Grenze erreicht, dann werde ich wohl anstrengend, langweilig oder was weiß ich (wüsste ich es, würde ich sicher etwas zu ändern versuchen). Auch hier bin ich planlos. Soll ich mich überhaupt nochmal öffnen, solange ich den Schlüssel zu mir selbst nicht gefunden habe? Lohnt sich das Risiko? Zumal es da ja einen Treueschwur gibt, dem ich mich auch in (den aktuell gravierend) schlechten Zeiten verbunden fühle.

So bleibt die Antwort offen, wie bei den vielen anderen Themen und ich werde weiter in den Tag hinein leben. Gartenarbeit in einem Geisterhaus verrichten, Arbeiten auf Abruf und Minuten zählen, bis der gnädige Schlaf einsetzt. Erstaunlich, was eine kleine Seele so alles zu ertragen imstande ist. Nicht schön, aber selten.

Keep on rockin‘

Ree

Aua, mein Arsch! (170/366)

10. Juli 2016

Radtour. Rentnerparty. Sonntagsausflug. Die nervigen Gruppen von mittelalten Männern, die ihre langsame Verwesung nicht akzeptieren wollen und daher voller Tatendrang in ein Alltagsabenteuer stürzen. Dabei versperren sie dann der dynamischen Jugend den Radweg, verbauen den Familien den Blick auf den Fluss und lassen verschreckte Rentnerpärchen ob ihrer riskanten Überholmanöver schimpfend zurück. Unverantwortlich, selbstüberschätzend und … auch mal ganz lustig. Warum?

Naja, ich war heute Teil einer solchen Unternehmung und sollte mich mit den Schimpftiraden daher wohl lieber zurückhalten. Ganz bestimmt waren wir sowieso ganz anders, völlig manierlich und im Einklang mit der ganzen Umwelt befindlich. Immerhin sind wir stets vorbildlich hintereinander her gefahren, zwei unserer Fünfergruppe hatten sogar einen Helm auf und einer die 40 Jahre noch nicht einmal erreicht (ich gehöre zu beiden Kategorien :-)). Es ging von Bonn, konkreter Beuel-Ramersdorf, am Rheinufer entlang bis nach Köln, und ich sage euch: Mein Hintern wird morgen Feurio schreien und unseren Wahnwitz verfluchen.

An und für sich klangen die geplanten 60 km gar nicht so dramatisch, auch wenn ich aus der Erfahrung weiß, dass ich bereits bei 40 eine halbwegs zerknitterte Rückansicht abgebe und die Schritte am Folgetag nicht so recht passen wollen. Nun wurden daraus allerdings sukzessive mehr, war die Brücke immer ein Stück weiter entfernt, als ursprünglich auf den Karten von Google dargestellt. So überquerten wir erst nach gut 38 (!!!) km die Rheinbrücke und meine Mitstreiter durften sich in der Folge mehr als einmal den oben bereits erwähnten Ausruf anhören: Aua, mein Arsch.

War die erste Pause, idyllisch auf einem großen Platz an einem Nebenarm des Rheins gelegen, noch echt erholsam (auch da waren wir schon fast zwei Stunden unterwegs), zeigte mir mein Gesäß bereits nach Beendigung ebendieser, was er von einer Fortsetzung der Tortur hielt. Er machte Anstalten, sich in der Satteltasche zu verstecken und wurde auf dem restlichen Weg nicht müde, mir seinen Unmut mit kontinuierlichen Schmerzensstichen kundzutun. Das sorgte in der Folge dafür, dass trotz wirklich wunderschöner Panormafahrt jede Ankündigung einer erneuten Rast zu nicht durch die Fahrtanstrengung resultierenden Schweißausbrüchen führte. Der Arsch hatte Angst vor der Fortsetzung nach der Pause:-)

Dennoch waren es alle Unterbrechungen wert, aus dem Sattel zu steigen, innezuhalten und sowohl Leute, als auch Landschaft zu begutachten. Schiffchen zuckelten vorbei, die Abenteurer erkundeten den Fluss auf Jet-Skis oder Stand-Up-Paddles und Verliebte nutzten den wahrhaft schönen Tag, um die ganze Welt an ihrer trauten Zweisamkeit teilhaben zu lassen (ok, der Part gefiel mir nicht übermäßig gut). Wir vertilgten jede Menge Eis, tranken diverse Etablissements leer und verteilten unsere Körpersäfte (nein, nur Schweiß) gemächlich auf dem Rheinufer. Als wir zu einem finalen Weizen (gut, und einem Kölsch) im „Blauen Affen“ die Runde Revue passieren ließen, stellte sich eine gewisse Ruhe ein. Fast 74 km waren vollendet worden, und auch wenn sowohl Rücken, als auch Arme (Sonnenbrand), Beine (args) und vor allem … Arsch … morgen an das Datum im eigenen Pass erinnern werden, so war es zumindest für mich eine tolle Art, den Sonntag zu verbringen. Danke Jungs!
Keep on rockin´

Ree

Folgen

Erhalte jeden neuen Beitrag in deinen Posteingang.

Schließe dich 54 Followern an