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Schwergewicht sucht alte Form! (2/52)

16. Januar 2017

Knarz. Macht die Waage, die ich zum Abschluss meines Engagements bei meiner langjährigen Firma noch erhalten habe. Dieses intelligente Beurer-Gerät misst neben dem Gewicht noch einen Haufen anderer Werte und ließ es sich nicht nehmen, mir absolut desolate Werte zu präsentieren. Ein standesgemäßer Start in ein neues Jahr, das sowieso schon unter dem Schlagwort „Veränderungen“ steht; „einschneidende“ sollte ich wohl noch davorstellen. Nun wird dieser Blog also wohl primär meine Fitnessbemühungen begleiten, da ich diesen nun endlich wieder einen standesgemäßen Platz in jeder Woche einzuräumen gedenke.

Die Startwerte am 10.01. waren übrigens folgende: 93,3kg, ein BMI von 31,5, Körperfettanteil „sehr viel“, Körperwasser „schlecht“ und Muskelanteil „wenig“. Desaströs, wie gesagt, wer aber nun Interesse an der Waage entwickelt, um sich selbst quälen zu lassen: Die gibt es hier.

Seitdem habe ich mein Sportprogramm wieder aufgenommen und zudem eine Ernährungsumstellung in die Wege geleitet; ich habe auf (wenige) Fruchtsäfte und Wasser umgestellt und sogar selbst gekocht. Letzteres wird in München zwar etwas schwieriger, aber es gibt ja Alternativen. Zum Glück schmeckt mir Almased mit Milch ganz hervorragend, außerdem finde ich Snacks von Datteln, Walnüssen und Feigen großartig. Na, und ein paar Hähnchenfiletstücke finden sich eigentlich in jedem gut sortierten Supermarkt, die es bekanntlich auch in München gibt.

Nun aber zum Sport. Eine Woche ist vergangen, seit das Wiegedesaster seinen Anfang genommen hat und ich war zweimal auf meinem Wohnzimmercrosstrainer aktiv und zwei weitere Male im Bad Godesberger John Reed. Das Studio habe ich ja bereits mehrfach im Blog beschrieben, so dass es wenige sinnvolle Egänzungen gibt. Nur soviel, die Parkplatzsituation ist weiterhin mies, aber die Gerätebezeichnungen sind inzwischen angebracht. Das Training war ein Mix aus Kraft und Ausdauer, mit dem Fokus auf (für mich) wenig Gewicht und vielen Wiederholungen an den Geräten. Für die Ausdauer habe ich auch im Studio einen Crosstrainer gewählt, der gefällt mir einfach am besten und schont zudem die Gelenke.

Heute habe ich darüber hinaus erstmals eins der McFit-Studios in München getestet, konkret das in Laim, welches unmittelbar neben meinem aktuellen Einsatzort liegt. Auch hier gibt es durchaus Parkplatznot und außerdem bestätigte sich die Online-Recherche, die mir ein sehr gut besuchtes Studio prophezeit hat. In der Tat war es gerade an den Geräten sehr voll, doch wenn man eine gewisse Flexibilität in der Reihenfolge besitzt, kommt man auch überall gut dran. Dennoch habe ich mit 45 Minuten auf dem Crosstrainer begonnen, um die neue Umgebung erstmal wirken zu lassen. Abgesehen von den Besuchermassen ist es ein sehr gut durchdachtes und top modernes Studio, in welchem das Training sehr motivierend sein kann.

Während meiner Tage in der bayerischen Landeshauptstadt möchte ich höchst regelmäßig trainieren, so dass ich morgen mal einen Versuch vor dem Job starten möchte. Vielleicht ist es da leerer und man hat unter anderem zum Duschen mehr Freiraum. Ich hoffe, ich komme rechtzeitig aus dem Bett. Und wenn ich den Einsatz dann erstmals für einen kurzen Trip ins Rheinland unterbreche und dort meine Waage konsultiere, haben sich die Benühungen hoffentlich entsprechend ausgezahlt; mein Ziel ist ambitioniert und bleibt noch etwas mein Geheimnis. Aber ich will es schaffen, das ist ja schon ein guter Anfang. Zumal es schon etwas deprimierend ist, beruflich aktuell tagtäglich kraftstrotzenden Profisportlern zu begegnen; also genau die richtige Motivation.

Keep on rockin´

Ree 

Im Neuen wohnt die Sehnsucht! (1/52)

7. Januar 2017

Leuchtfeuer. Knall auf Fall geht es immer los, das neue Jahr. Jedes Jahr. Gleich wo, gleich was vorher war. Als würde die Welt sich aller Sorgen mit lautem Gekrache entledigen und nicht nur böse Geister, sondern auch schwermütige Gedanken verscheuchen wollen. Dass das aber kein Allheilmittel ist, sollte selbst einfältigsten Gemütern aufgefallen sein, so wechselte ich das Jahr lieber unspektakulär mit meinem besten Freund bei einem guten Essen und einigen leckeren Getränken. Natürlich betrachteten auch wir das Feuerwerk über den Bergen des Siebengebirges, aber eben entspannt und sinnierend aus einiger Entfernung.

So läuft es nun also, das Jahr 2017, das so viel Ungewissheit mit sich bringt und dennoch einige Spannung verspricht. Die erste Woche ist tatsächlich schon fast herum. Es begann ganz ordentlich, mit der Zusage einer Wohnung in Bayerns Landeshauptstadt, was die ersten paar Monate schon mal organisatorisch erleichtert. So konnte es mit einem sorgenvollen Thema weniger in den ersten Trip des Jahres gehen, über die Alpen in Richtung Sonne und Plusgrade. Eine kurze Erholungsreise, bevor es mit aller Dynamik an die geplanten Aufgaben des neuen Jahres geht, sei es Studium, Kennenlernen eines Top-Sportvereins oder Aufbau eines eigenen Standbeins.

Sie hat nahezu alles gehalten, was sich von ihr zuvor versprochen wurde, diese Reise. Nur der Wind war trotz der Sonne und durchschnittlich 8 Grad am Tage wesentlich kälter als vermutet, so dass es sich während mehrstündiger Erkundungsspaziergänge auch hier durchaus auch mal richtig kalt anfühlte. Hier, das ist die Region vom Gardasee über Verona bis nach Venedig, wo ich im Sommer 2016 schon mal war, mir diese wunderschöne Gegend aber auch in spannender Winteratmosphäre mal ansehen wollte. Kurzum, es lohnt sich, auch wenn ein wenig Schnee dem Ganzen noch eine besondere Note verliehen hätte; schon, weil in Italien die Weihnachtszeit noch in vollem Gange war und bis zum 06. Januar alles besonders festlich ist. Viele Weihnachtsmärkte, besondere Veranstaltungen und die finale Verbrennung der Hexe sorgten für schöne Erlebnisse, Kurzweil und Erholung. So kann man ein Jahr schon mal beginnen lassen.

Mit Sport war hier zwar noch nicht so viel los, aber zumindest das Schrittziel von 14000 am Tag konnte ich nahezu immer überschreiten. Polar sei Dank, diese neue M600 motiviert mich tatsächlich zu mehr Bewegung. Spätestens ab München soll es dann aber auch wieder ins Studio gehen, ein McFit liegt dort direkt auf meinem täglichen Weg und selbst ein John Reed scheint in Planung zu sein. Wie von mir gewohnt, werdet ihr zu alldem regelmäßig ein paar Zeilen finden.
Doch was heißt regelmäßig? Nun, Ziel für 2017 sind 52 Beiträge, gemäß der Wochen des Jahres. Ob es schlussendlich doch noch mehr werden, wer vermag das schon zu sagen? Nur soviel ist sicher: Ihr werdet von mir lesen und das Jahr dürfte noch um einiges abwechslungsreicher werden, als das vergangene. Ich bin schon sehr gespannt.

Keep on rockin‘

Ree

Eine Retrospektive in Text und Bild! (Ende von 366)

31. Dezember 2016

Zurückgeblickt. Ein Jahr zum Vergessen, für viele Menschen, so auch zum größten Teil für mich. Voller Schmerz, Qual und Ungewissheit, Reisen in Länder und zum inneren Selbst. Aber auch mit einigen spannenden Einblicken und Erkenntnissen. Ein paar möchte ich zum Abschluss mit euch teilen.

Zum Ende hin ein Gespräch mit der bodenständigsten Nonne, die ich je das Vergnügen hatte, kennenlernen zu dürfen. So etwas kann womöglich Wunder, aber auf jeden Fall Momente der Einkehr bewirken; ganz unabhängig davon, ob eine höhere Macht tatsächlich existiert, wohnt in ihr eine besondere Aura inne, die das Erzählen erleichtert und Ratschläge wie weise Prophezeiungen erscheinen lässt.

Hoch droben in ihrem Kloster, in welchem sich meine höchstmögliche Glückseligkeit in tiefste Trauer zu verwandeln begann, regiert sie mit saftmütigem Wesen, mehr Verstand und besserem Augenmaß, als es manch hochrangigen Entscheidern in den heutigen Tagen zupass kommt.

Looks like a fuckin´ Wonderland! Dachten sich wohl viele Menschen, die aus der Ferne manch positive Geschichte unseres Landes vernommen hatten. Doch mit der Zunahme ihres Zuzugs kroch auch eine erbärmliche, längst vergessen geglaubte Kollektivgefühlswelt bei zu vielen meiner Landsleute wieder empor; die Angst vor dem Verlust des eigenen Wohlstands, die Sorge vor Menschen aus Kulturen, die man nicht versteht.

Umso trauriger, dass diese Ängste gerade dort am Stärksten wuchern, wo man allzu lange isoliert unter Gleichgesinnten gelebt und Neuem stets skeptisch gegenüber gestanden hat. Dort, wo Kulturen seit Jahrzehnten friedlich zusammenleben (in meiner Heimat beispielsweise), verspüre ich eine deutlich größere Gelassenheit. Ich habe beispielsweise unzählige muslimische Kinder getroffen, die sich draußen an den Weihnachtsbräuchen erfreut haben – und Eltern, die lachend dabeistanden und das Leben genossen. Sowieso ist Weihnachten eine Freude für die Kinder; für alle anderen (ohne Kinder) ist es eher eine schöne Gelegenheit, mal etwas Ruhe zu finden.

Dramatisch also, dass einzelne Fehlgeleitete diesem so fürchterlichen IS-Regime verfallen und in deren Namen nicht nur Terror und Tod verbreiten, sondern eben auch Millionen friedliebender Menschen in Missgunst bringen. Doch ist ja genau dies das Ziel, die Spaltung der Menschen, die Zwietracht, die Uneinigkeit. Tulius Destructivus hatte im Comic „Streit um Asterix“ bereits ähnliches im Sinn, zum Wohle Cäsars. Lasst uns dem entgegenstellen, wie es die Bewohner des unbesiegbaren gallischen Dorfes tun.

Was ist drin und bricht aus, was gibt es für die Welt nie zu sehen? Ich habe viel gelernt, über die persönliche Dunkelheit, die zu ergründen kein Vergnügen ist. Meditation hilft, sie zu erforschen und ihren Ursprung zu erkennen. Das wiederum unterstützt bei innerer Heilung. Doch der Weg ist lang und hinterlässt Wunden, Schmerzen und Opfer. Vieles, was man sich wünscht, kann nicht erfüllt werden weil die inneren Dämonen Möglichkeiten finden, an allem und jedem zu zweifeln und jeden Schritt in Frage zu stellen. Das nervt, das zehrt und führt schon mal genauso zu tagelanger Resignation, wie auch zu permanenten Stimmungsschwankungen. Liebe Freunde, danke, dass ihr das alles ertragt. Wahnsinn.

Durchweg springen übrigens auch Momente in das Bewusstsein, die ein schwedisches Pop-Duo schon vor Jahrzehnten besungen hat. Es kommt seltener vor, ist dann aber nicht weniger intensiv. Ich bin gespannt, ob und wann sich das legt.

Wichtig ist, das habe ich gelernt: Konzentriere Dich auf das Jetzt und Du kannst Dich am aktuellen Tag erfreuen. Es ist das ewigwährende Pläne schmieden, was Zweifel, Sorgen und Druck aufkommen lässt. Dabei ist doch jeder einzelne Tag, und eben insbesondere der gerade laufende, maßgeblicher Wegweiser aller zukünftigen Entwicklungen. Mit jeder einzelnen Entscheidung im Jetzt wird das beeinflusst, was auf dem Weg vor einem liegt. Das klingt weise, ist leicht gesagt und doch schwer umgesetzt, aber zumindest als tagtägliches Mantra eignet es sich nicht schlecht.

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Dann war da natürlich auch noch das Haus als immerwährende, weiterhin ungelöste Aufgabe. Zum Jahresende hält es mich aufgrund seiner fehlerhaften Ölstandsanzeige noch in Atem, ist doch das Heizöl leer und ich nun tagtäglich am Notfall-Heizen über Kachelofen und Stromheizungen. Doch führt dies auch zu einer Festigung der Beziehung zwischen Haus und mir, so dass ich doch nochmal tief in mich gehen muss, inwiefern eine Eigenübernahme emotional sinnvoll und finanziell machbar ist. Denn ein Schmuckstück ist es ja schon, sonst hätte ich den Kaufvertrag vor inzwischen über einem Jahr nicht voller Freude unterzeichnet. Das wird ein Thema von noch so manch wacher Nacht und gehaltvoller Debatte mit Freunden und Familie. Fast freue ich mich schon darauf, dieses nimmerendende Thema zu einem Abschluss zu bringen. Wie auch immer.

Persönlich möchte ich endlich wieder einen wahren Sinn finden, nur habe ich gelernt, dass er nicht mehr ausschließlich in der Aufopferung für einen (oder mehrere) andere(n) Menschen bestehen darf. Es gibt unzählige Galaxien, aber was wir erleben geht nur uns selbst etwas an. Finde den Weg, Dich selbst zu mögen (vielleicht zu lieben) und Du kannst auch andere an Dir und Deinem Leben teilhaben lassen. Doch lebst Du nur um andere zu lieben, dann werden Dir auf dem Weg einige Enttäuschungen widerfahren, die in der Lage sind, so tiefe Wunden zu reißen, dass die Momente des Glücks aus dem bewussten Gedankengut zu verschwinden drohen.

Sich selbst in der Liebe und Bestätigung anderer zu finden, ist ein selbstzerstörerischer Weg mit kurzen Hochs und einschneidenden Tiefs. Kommt man aber hervorragend mit sich selbst klar, dann kann man auch andere an dieser Energie teilhaben lassen.

Und dann gab es ja noch den einschneidenden Verlust des Jahres, meine geliebte Oma ist von uns gegangen, die auch ich in den vergangenen Jahren viel zu selten besucht habe. War sie gerade in der Kindheit quasi allgegenwärtig, so nimmt die Kontaktfrequenz mit zunehmenden Alter scheinbar stark ab, da man seine eigenen Wege beschreitet – und geht ein Mensch dann für immer, stellt man sich durchaus die Frage, ob denn all das andere so unaufschiebbar war, dass für ein Telefonat, einen kurzen Besuch kaum mehr Zeit blieb. Meine Gefühlswelt könnt ihr hier gerne nochmal nachlesen. Auf jeden Fall ist auch oder gerade dieses Ereignis (m)eine Lehre für die Zukunft, zu spät für meine Oma zwar, doch relevant für die noch Lebenden: Gerade mit meinen Allerliebsten, meinen Eltern (natürlich den besten Eltern der Welt) soll und wird mir das nicht passieren. Das garantiere ich.

Damit soll 2017 eingeleitet werden, in dem neue berufliche Herausforderungen warten, private Reisen anstehen, Entscheidungen zu treffen sind und natürlich vieles Potenzial hat, Angst zu verbreiten. Aber erstmal schaue ich auf morgen, wechsele das Datum und strebe an, den Tag zu genießen. Macht ihr mit? Ich wünsche euch einen fantastischen Jahresausklang und einen hervorragenden Start in das neue Jahr. Die Australier sind uns schon voraus, lasst uns jubelnd und singend nachziehen. Die Reise geht weiter!

pro-cam

Keep on rockin´
Ree

 

„1200 Höhenmeter ohne Training“ oder „Das Seilbahn-Dilemma“ (206/366)

8. Dezember 2016

Refugio. Was eine kurze Wohltat, nach unfassbar anstrengenden Stunden endlich dort oben anzukommen, auf 3260 Metern Höhe, mit bereits 900 Höhenmetern in den Beinen. Schade nur, dass zwar eine kurze Rast möglich, der Weg aber noch nicht beendet war. Wo? Na, im Refugion de Altavista, dem einzigen „Traveller´s Rest“ auf Teneriffas Königswanderweg hoch zum Teide. Acht Jahre war mein letzter Aufstieg her und übermütig, wie ich nun mal bin, dachte ich am Morgen wohl so etwas wie „hoppeldihopp, nun wandern wir mal hübsch nach oben und schauen im Anschluss, was der Tag noch so bringt“. Weit gefehlt, liebe Freunde.

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War der Einstieg an der Montaña Blanca mit dem in freundlichen Kehren aufwärts führenden Fahrweg noch völlig entspannt, hat mich der Steilanstieg in den felsigen Serpentinen wahrlich sämtlicher Kraft beraubt und zudem die Illusion gekickt, man könne alles unendlich locker wiederholen. 2007 und 2008 bin ich da schon mal hoch, jeweils in Begleitung, und es war auch in einer kritischen Rückschau nicht mal ansatzweise so anstrengend. Ich kann mich zumindest nicht daran erinnern, damals Sterne gesehen zu haben – und nein, ich war diesmal nicht nachts unterwegs.

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Man sagt, die Aussicht entschädigt für alles und die körperliche Belastung auf dem Weg sorgt für eine Befreiung des Gehirns, woraufhin Gedanken klarer fließen können, aber auch das kann ich für mich diesmal nur bedingt bestätigen. Klar, das Panorama war stellenweise spektakulär (doch gibt es auf der Insel schönere Aussichten) und der Kopf wurde tatsächlich von sämtlichen mich plagenden Gedanken befreit, aber eben nicht um klarer zu fließen, sondern Platz für die Überlebensmantras zu machen – „Du schaffst das“, „Schritt für Schritt“, „Nicht ausrutschen“, „Wer kam auf diese blöde Idee?“.

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Nun gut, es ging voran und die Ruhe, fast Besinnlichkeit, und die Individualität hatten durchaus einigen Charme. Außerdem gab es immer mal wieder Begegnungen mit Leidensgenossen, mal fitter, manchmal tatsächlich noch fertiger als ich. Dennoch, dieser Weg ist aus meiner Sicht nicht zum Sightseeing geeignet, sondern primär zur Auslotung der eigenen körperlichen Belastbarkeit (und vielleicht als Training für die Besteigung noch höherer Berge in anderen Gegenden der Erde). Ich jedenfalls schleppte mich mit vorerst letzter Kraft in bereits angesprochenes Refugio und wiederholte ein altes Ritual: Ich zog mir erstmal eine heiße Schokolade aus dem Automaten J

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Beim obligatorischen Foto habe ich dann zudem mein Objektiv vorerst ramponiert (es fuhr nicht mehr raus oder rein, nachdem es von der Bank fiel), konnte es aber mit der russischen Methode wieder instandsetzen (ich schlug jede Seite mit Wucht gegen ebenjene Bank und schon funktionierte alles wieder). Nach diesem aufregenden Ereignis war ein kurzes Sonnenbad eine dankbare Erholung und ließ mich die Zeit bis zur notwendigen Fortsetzung des Aufstiegs entspannt genießen.

Gemeinsam mit einigen netten Leuten unbestimmter Herkunft (sprachen sehr gut Englisch, haben untereinander aber eine mir unbekannte Sprache benutzt; Finnen?) zog ich dann wieder los, die letzten 300 Höhenmeter absolvieren, denn leider konnte ich keine Gipfelerlaubnis mehr ergattern – die sind bis Mitte Januar schon vergeben, aber dazu komme ich noch. Tatsächlich konnte ich die Jungs und Mädels auf halbem Weg hinter mir zurücklassen, obwohl ich selbst schon alles doppelt sah, aber es war wirklich an der Zeit, oben anzukommen. Nachdem ich noch einen sehr netten Wanderer aus Sachsen schwungvoll vorbeiziehen lassen durfte, waren auch mir Minuten später erst der ultimative Adrenalinstoß und dann die frustrierte Ernüchterung vergönnt.

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Adrenalin, denn ich war endlich da, auf dem Plateau, welches durch ein kleines Wegenetz verknüpft auch ohne Gipfel Blicke in nahezu alle Richtungen zuließ und so für Freude und Staunen sorgte. Und natürlich, weil ich tatsächlich angekommen bin. Vielleicht fühlt sich so ein Tor vor 80000 Zuschauern an. Wirklich toll, euphorisiert und aller Schmerzen ledig (die sich dann unten auf dem Weg zurück zum Auto wieder meldeten).

Aber Frustration? Na klar, da ist man 4:14 Stunden gewandert, hat 1200 Höhenmeter in dünner werdender Luft hinter sich und wird auf dem Plateau von Flipflop-, Espandrilla- und Sandalen-Trägern weggedrängt, schräg angeschaut und fast über den Haufen gerannt. Ich habe Verständnis dafür, dass nicht jeder diesen Weg gehen kann und mit der Seilbahn hinauf fährt, aber gegenseitige Rücksichtnahme wäre echt toll. Und, noch frustrierender für mich, ich habe kein Verständnis dafür, dass diese Kurzrock-FlipFlop-Fotojunkies mir und anderen Wanderern die Permits für den Gipfel wegschnappen und somit nach ihrer 8-Minuten-Gondelfahrt die letzten 200 Meter nach oben kraxeln, um dieses unfassbar schöne Erlebnis auf der Spitze von Spaniens höchstem Berg zu haben.

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Dieses Gefühl sollte den Wanderern vorbehalten sein, die diese Strapazen tatsächlich auf sich nehmen. Oder zumindest sollte man so 50-70% der Permits erst im Refugio de Altavista vergeben, denn da kommen ausschließlich Wanderer vorbei. Ich fand es äußerst enttäuschend, schon zu Urlaubsantritt keinen einzigen Slot mehr ergattern zu können, wohlgemerkt für 12 Reisetage! Vielleicht sollte man Geld verlangen (die Permits sind kostenlos, prinzipiell eine super Sache) oder Strafen vergeben, wenn sie verfallen. Denn viele Leute registrieren sich, erscheinen dann aber nicht; dennoch gibt es dann keine Chance, quasi als Ersatz einzuspringen – das hatte ich heute extra erfragt.

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So wurde das in Summe ekstatische Gefühl etwas getrübt, auch wenn ich über die Seilbahn im Großen und Ganzen natürlich selbst froh war, denn einen Abstieg hätte ich heute vermutlich nicht mehr heil überstanden. Dennoch würde ich mich freuen, wenn die Inselregierung hier ihr Vorgehen nochmal überdenkt, denn was gibt es für einen Wanderer schöneres, als nach all diesen Strapazen tatsächlich auf dem Gipfel zu stehen, und mit dem Bewusstsein ins weite Rund zu blicken, dies mit den eigenen Füßen erklommen zu haben? Und auch wenn ich weiß, das andere diesen Aufstieg quasi als Spaziergang ansehen: Für mich war das eine enorme Herausforderung, die gemeistert zu haben mich ein wenig mit dem stolzen Gefühl erfüllt, Vorhaben wirklich umsetzen zu können.

Keep on rockin´
Ree

Nikolaus auf Teneriffa oder Rendezvous mit der Seele! (205/366)

6. Dezember 2016

​Nikolaus. Es hat schon etwas surreales, einen Teil der Adventszeit bei über 20 Grad und strahlendem Sonnenschein zu verbringen und dabei dennoch überall Weihnachtsdekorationen zu erblicken. Und dennoch gefällt mir diese Variante weit besser als das Bibbern daheim; Sonnenkind eben. Nur die liebgewonnenen Menschen fehlen, denn aktuell bin ich hier allein. Aber das muss nicht schlecht sein, ist es doch inzwischen eine erprobte Art zu reisen und Teneriffa sowieso im Grunde “der einzige Ort, der sich auch alleine nach Zuhause anfühlt“. Klar, bei den Eltern ist es auch toll, aber das liegt an ihnen, nicht dem Ort an sich. Mit diesen besten Eltern aller Zeiten wäre jeder Ort auf der Welt ein schöner, so eben auch eine Wohnung in einem Dortmunder Gewerbegebiet.

Zurück zur Weihnachtszeit hier, die erfüllt ist von altbekannten Liedern, einer Vielzahl von Krippen, Spiritualität und spürbarer Freude. Kann es sein, dass den Spaniern ob ihres bevorzugt katholischen Glaubens die eigentliche Bedeutung von Weihnachten noch nicht abhanden gekommen ist oder handelt es sich hier um eine spektakuläre gelungene Inszenierung für die zahlenden Gäste? Ich kann es nicht wirklich beantworten, dafür fehlt mir Zugang zu Privatwohnungen der Residenzen, aber zumindest fühlt es sich gerade außerhalb der touristischen Zentren schon sehr echt an. Ich muss mal nach Candelaria, dem christlichen Zentrum der Insel und die Stimmung dort einfangen. Vielleicht morgen.

Heute war ich auf einer ureigenen spirituellen Tour, habe mich meinem Schicksalsberg genähert und unter seinen Augen eine wahrhaft königliche Wanderung absolviert. Zu viel der Superlative? Mag sein, aber für mich ist es stets etwas Besonderes, hoch in den Teide Nationalpark zu fahren und den höchsten Berg Spaniens in seiner ganzen majestätischen Pracht erblicken zu können. Schon der Park an sich, mit den vielen Gipfeln, Kratern, Gesteinsvariationen und Mondlandschaften ist ein Schauspiel sondergleichen, doch wie der oft schneebedeckte Gipfel über allem wacht, das ist schon nochmal speziell. Ein wenig getrübt von wahrlich touristischen Horden, einer Menge die mir bei den letzten zehn Besuchen noch nicht untergekommen war und die greifbare Bestätigung, dass sich die Urlauber eher gegen die Türkei und für die Kanaren entscheiden. Aber man sollte darüber hinweg sehen, denn genau genommen bin auch ich ja noch immer Tourist, auch wenn es sich aktuell um den elften Trip in neun Jahren handelt.

Ich habe mich also aufgemacht, abseits geparkt und eine Runde eingeschlagen, die mir bislang unbekannt war. Weg von der Straße führte sie mich, in eine Schlucht zwischen kleineren Erhebungen und sogleich verschluckte die Umgebung jegliches Geräusch. Nur noch meine Füße erzeugten ein stetes Knirschen auf dem steinigen Boden, selbst der Wind hielt still und ließ mich mit meinem Gedanken auf dem Weg allein. Selbige flossen konstant, alles kam immer mal wieder ins Gedächtnis hervor, doch nichts konnte die wesentlichen Eindrücke trüben, diese Stille, den Frieden und die Erkenntnis, dass es der Natur völlig egal ist, womit ich mich persönlich gerade beschäftige. Der Aufstieg auf den schwarzen Berg forderte ob der Höhe alle Konzentration von mir ein und ich kam, vermutlich aufgrund der Anstrengung, aus dem Grinsen nicht mehr heraus. Am kleinen Gipfel angekommen legte ich dann auch eine lange Pause ein und konnte den Blick kaum vom Teide und der ihn umgebenden Landschaft nehmen. Warum auch immer, nahm sie mich heute mehr noch als sonst gefangen. Ich bin sicher, dies liegt in den Zweifeln der Vergangenheit und Gegenwart begründet, kombiniert mit meinen Sorgen, was die Zukunft wohl bringen mag.

Aber dieser Trip, diese gehaltvolle Wanderung, hat mir zumindest die Zuversicht zurück gebracht, dass es diese stillen, friedvollen Momente und Orte noch gibt, die einem in zerrissenen Zeiten etwas Kraft spenden und Rückzug anbieten. Dies ausgerechnet an Nikolaus zu erleben, macht es noch ein klein wenig mystischer. Der Geist der Weihnacht eben – oder doch die Kraft des Berges? Wer weiß das schon. Wichtig bleibt: Es war jeden Schritt und jede Fußblase wert und wird nicht der letzte Ausflug gewesen sein.

Keep on rockin‘
Ree

Der Seelenfresser ist wieder aktiv! (204/366)

30. November 2016

Todunglücklich. Er hat mich wieder erwischt, der Seelenfresser, hat sich die letzten zwei Tage langsam angeschlichen und sich dann heute innerhalb von Sekunden mit aller Macht ausgebreitet und für völlige, tiefschwarze Niedergeschlagenheit gesorgt. Es ist viel passiert, in Summe seit dem letzten Eintrag, aber insbesondere auch in den letzten 30 Stunden, und vieles davon schmerzt, lässt verzweifeln oder sorgenvoll in die Zukunft blicken. Und ich Idiot habe gedacht, inzwischen das Gröbste hinter mir zu haben. Well, falsch gedacht, fatal.

Hoffentlich ist es nur eine Phase, hält nicht an und lässt mich schon bald wieder lachen. Denn so muss das nicht sein, kann ich nicht gebrauchen, habe doch so viel zu tun, für das ich freie Gedanken haben muss, ein klarer Kopf vorhanden sein sollte. Doch fehlt die Zuversicht, gerade jetzt, gibt es doch noch zu viele lose Enden, die sich einfach nicht schließen lassen. Dinge, die außerhalb meines unmittelbaren Einflussbereichs liegen, die ich nur anschubsen, aber nicht alleine vollziehen kann.

Es soll nochmal nach Spanien gehen, danach nach München, alles nahezu fest gezurrt und dennoch sind die Rahmenbedingungen nun anders als gewünscht, sind die Hausaufgaben daheim nicht erledigt und die laufenden Kosten zusätzlich ein schwerer Schlag. Aber um die geht es gar nicht, die sind da, tun weh, aber es ist nur Geld. Das Emotionale ist es, die Themen die nach Abschluss lechzen, aber unerledigt umher dümpeln, die reiben mich heute auf und führen zu der unverständlichen Verzweiflung. Dazu noch tragische Geschichten im Umfeld und unheilvolle Prognosen für das kommende Jahr und schon ist der Wohlfühlfaktor abhanden gekommen. Wirr.

Ich hoffe, das es nur einer (vermutlich schlaflosen) Nacht bedarf, um wieder besser klarzukommen und die Geister fürs Erste zu vertreiben. Besorgniserregend bleibt allerdings, dass es mit dieser Wucht zurückzukommen in der Lage war. Das habe ich nicht erwartet, da wähnte ich mich längst drüber weg. Aber vielleicht bedarf es manch dunkler Momente, um auch kurze Phasen des Lichts wieder richtig wertschätzen zu können. Genau, das ist eine vielversprechende Interpretation, also belasse ich es dabei. In Hoffnung.

Keep on rockin´
Ree

Stille Zeiten! (203/366)

15. November 2016

Viel. Vielleicht zu viel, weshalb es hier etwas still ist. Ich stagniere, weil zu viel zu tun ist, reagiere primär, anstatt zu agieren. Vielleicht warte ich auf ein Wunder, ein Zeichen oder eine andere Art der Besinnung, auf jeden Fall geht es momentan weniger schwungvoll voran, als ich es mir zu Beginn der freien Tage ausgemalt hatte. Meine Freunde hatten natürlich recht, zu viel auf einmal kann dagür sorgen, keinen rechten Anfang zu finden.

Nun ist zwar im Studium das ein oder andere erledigt und ich werde die Tage auch eine Zukunftsvariante diskutieren, doch läuft dies alles schleppend, langsam und ohne den erdachten Schwung. Ok, ich mag hart zu mir selbst sein, aber ich akzeptiere eben auch nicht, dass mir die Energie zu fehlen scheint, alle gewünschten Themen zu koordinieren und in Form zu bringen. Es sind eben die Emotionen, die den Geist leiten und dem Körper Schwung verleihen und diese in den Griff zu bekommen erfordert offensichtlich mehr Kraft, als mir zu Beginn auch nur ansatzweise bewusst gewesen ist.

Mit Schritt für Schritt komme ich allerdings auch nur bedingt zurecht, weil ich danndes Nachts an die Decke starre und mich frage, warum ich nicht mehr auf die Reihe bekommen habe. Aber gut, damit muss ich umgehen lernen, denn weiterhin ist es jammern auf hohem Niveau – glaube ich zumindest. Heute ist bei meiner Nachbarin eingebrochen worden, womit die arme Frau erheblich andere Sorgen haben wird; was mir natürlich ebenfalls ein weiteres Thema mitgibt, denn auch ich muss jetzt über andere Sicherheitskonzepte nachdenken.

Nun gut, mal sehen, welche Erkenntnisse diese Woche noch bringt. Es könnten einige Weichen für die Zukunft gestellt werden und das ist eine gute Aussicht. Vielleicht läutet das dann auch die Ende der Stille ein, aber daskann ich nicht versprechen. Ich bin gespannt, aber nur mäßig zuversichtlich. Dafür war ein Großteil der letzten zwölf Monate zu schmerzhaft und enttäuschend; denn es ist grob ein Jahr her, dass ich die schlimmste persönliche Erfahrung machen musste und der Verlust von Hund, Haus und Träumen eingeleitet wurde. Eigentlich so langsam Zeit, es abzuhaken und neu zu starten. Wären da nicht die Schmerzen, nachts, in der Stille.

Keep on rockin‘

Ree