Skip to content

Alles auf Null!

11. August 2017

Wendepunkte. Wann hat man als gesetzter Erwachsener schon mal die Gelegenheit, wirklich alles mehr oder minder ohne Risiko auf den Kopf zu stellen und sich quasi wieder in einem Zustand wie nach der Schule zu befinden? Vermeintlich sogar mit besseren Voraussetzungen, da ein gewisser finanzieller Background und ein größerer Erfahrungsschatz vorhanden sind. Gut, Nachteile gibt es auch, nämlich die negativen Eindrücke vieler Jahre, die zu Zurückhaltung, Vorsicht und übergroßer Achtsamkeit führen, aber letztendlich liegt in der Neuerfindung rund um das 40. Lebensjahr durchaus ein gewisser Charme.

Nicht dass ich irgendwem die Erfahrungen der letzten zwei Jahre wünschen würde, regelmäßige Blogleser wissen ja von meinen Schmerzen, aber dennoch folgt aus manch Schlechtem natürlich auch das ein oder andere Gute. So habe ich mich durch die erfolgte Trennung meiner Ex-Frau von mir bekanntermaßen zum Ausstieg bei meinem geliebten langjährigen Arbeitgeber entschieden, was mir adäquat vergütet wurde und für einen jahrelang nicht gekannten (und manchmal gar belastenden) beruflichen Freiraum gesorgt hat. Zu meinem Bedauern wurde mir aber ja das gemeinsame Haus aufgedrückt und somit eine massive Belastung auferlegt – finanziell und emotional.

Also standen plötzlich einige Monate unter dem Druck, dieses Haus zu veräußern, da es zu meiner neuen Lebenssituation einfach nicht mehr gepasst hat – Traumhaus hin oder her. Nach unzähligen Besichtigungen, einigem hin und her, sowie viel Papierkram, war es zum 01. August dann tatsächlich soweit: Verbunden mit gewissen finanziellen Verlusten konnte ich das Objekt einer wunderbaren Familie übergeben, die hoffentlich dort jene Träume leben können, die mir vor Ort letztendlich verwehrt geblieben sind. Und so rollte ein weiterer Stein von meinem Weg und eröffnete den Blick auf eine flexiblere Zukunft.

btyHeute startete dann zudem das Job-Consulting, welches als Teil des Abschieds von meinem Arbeitgeber vereinbart war und mir Unterstützung bei der Suche nach einer neuen beruflichen Herausforderung bieten soll. Die ersten drei Stunden waren vielversprechend, anstrengend und sogar mit Hausaufgaben verbunden. Wir haben mein Profil geschärft, meine Schwerpunkte herausgefiltert und meine Lieblingseinsatzgebiete extrahiert. Ich hätte diese Effizienz nicht erwartet und war daher positiv überrascht. Über Einsatzorte oder konkrete Stellenangebote haben wir zwar noch nicht gesprochen, da der Fokus aber auf einem Neustart in 2018 liegt, ist es noch nicht dramatisch.

Parallel bringe ich meine weiteren Projekte voran, wie die http://www.urlaubslust24.de, meine eigene Consulting-Firma (aktuell schwerpunktmäßig im Sportbusiness-Bereich), ein Facebook-Projekt und mein Journalismus-Studium. Zudem konzentriere ich mich auf mein Sport-Programm, plane einen Urlaubstrip mit meinen Eltern (die Zeit ist reif) und unterstütze meine drei allerbesten Freunde in ihren jeweiligen persönlichen Angelegenheiten wie Umzug, Firmengründung und Krankheitsbewältigung. Eigentlich viel zu tun, aber doch genau richtig für mich: Ich brauche nämlich stets eine Menge paralleler Themen, um nicht in Gedanken zu versinken und auf der Couch zu versacken.

So stehe ich also an Wendepunkten, gerade sogar ohne eigenes Domizil (Couchsurfing ist auch mit fast 40 noch in), mache mir tagtäglich Gedanken, wo es hingehen soll und was man als Lebensziele definieren sollte (keine Ahnung) und bin doch irgendwie ruhiger als noch vor einigen Wochen. Ich merke, wie sehr mich die ungeklärte Haussituation belastet hat. Sogar der Song dazu ist fertig. Aber ob ich den je veröffentliche? Wer steht schon auf deutschen Rap? 🙂

Keep on rockin´
Ree

Nationalparkgeschichten! (030/222)

10. Juli 2017

USA. Man mag über dieses Land denken, was man will, aber was seine Nationalpark-Affinität angeht, ist es beispiellos positiv. Nicht nur, dass es so viele als Nationalpark gekennzeichnete Bereiche gibt (über 50), nein, es gibt auch eine Vielzahl an Motivationsansätzen um die Menschen auch tatsächlich in die Parks zu locken. So existieren umfangreiche Parkplaner, die einen Besuch mit Informationen anreichern und über die Wanderwege, Tiere, Pflanzen und sonstigen Besonderheiten Auskunft geben. Diese Planer erhält man in Kurzfassung beim Entrichten des überall obligatorischen Eintrittsgeldes oder kann sie in ausführlicher Form in den Visitor Information Centern allerorts bekommen. Wem das noch nicht ausreicht, der hat auch noch die Möglichkeiten, aus diversen Sammelpässen zu wählen, in welche man limitierte Parkbriefmarken einkleben und beim Besuch mit einem tagesaktuellen Stempel des momentanen Parks versehen kann. Echt großartig gemacht.


Die Parks selbst suchen vermutlich ihresgleichen. Im aktuellen 3-Wochen-Trip war mir nur die Kurzbesichtigung von dreien möglich, aber ich möchte auf jeden Fall für Wandertouren und die intensivere Erfahrung nochmal wiederkommen. Hier eine ausführliche Beschreibung der Besuche vorzunehmen, wäre absolut nicht angemessen, da man sie tatsächlich mit eigenen Augen gesehen haben sollte. Doch ist ein Kurzumriss sicherlich möglich.


Angefangen hatte es mit dem Grand Canyon National Park und zurückgelassen hat dieser mich sprachlos. Ja, auf Postkarten, Facebook-Fotos und in Dokumentationen habe ich schon einen Haufen Eindrücke dieser Natursensation gesehen, aber es ist absolut nicht mit dem Live-Erlebnis zu vergleichen. Es ist auch schwer zu beschreiben. Diese schiere Größe, dieser Gigantismus mit dem im Tal dahin fließenden Colorado-River, mit der Tierwelt, die einem begegnet und den Ausblicken, die sich einem bieten: Das ist der Wahnsinn. Ich kann nur jedem, wirklich jedem, empfehlen, diesen Trip zu unternehmen. Es ist aus der Ferne nicht zu begreifen und zudem hervorragend erschlossen. Man kann wandern, raften oder auch mit dem großartigen Shuttle-Netz die diversen Bereiche des Parks besichtigen. Zudem, wie bei allen Parks, berechtigt der Eintrittspreis zu einem 7-tägigen-Besuch, was durchaus zu empfehlen ist. Ich möchte beim nächsten Mal das Tal vom Süden zum Norden durchwandern, um Anrecht auf die entsprechenden Memorabilien zu erhalten.


Der zweite besuchte Park war der Death Valley National Park und das war mal vollkommen anders. Zunächst mal war es unfassbar warm, logischerweise, aber auch die Ausblicke sind höchst spannend. Salzablagerungen allerorten, Warnschilder vor Klapperschlangen, Skorpionen und sonstigem Gewürm tauchen immer wieder an den Aussichtspunkten auf. Der tiefste Punkt Nordamerikas, das Badwater Basin mit über 80 Metern unter dem Meeresspiegel weist eine nahezu wahnwitzige Trockenheit auf und in schöner Regelmäßigkeit brausen die Erlkönige, getarnte Versionen neuer Fahrzeuge der renommierten Hersteller, vor einem auf. Wir konnten unter anderem den neuen SUV von Rolls Royce bewundern, dazu einen BMW aus der X-Reihe und den neuesten Mini Countryman. Auch mal spannend.


Zu guter Letzt zog es uns dann in den berühmten Yosemite-National Park, wobei es eine herausragend gute Entscheidung war, von Mammoth Lakes aus über den Tioga Pass anzureisen. Glückskinder wie wir sind, wurde dieser aufgrund des zuvor stärksten Schneefalls seit Jahrzehnten erst am Tag unserer Ankunft erstmals im Jahr 2017 freigegeben, was uns wahrhaft spektakuläre Ausblicke eröffnet hat. Flüsse, die vor schneebedeckten Bergen rauschend an uns vorbei fließen (es war Ende Juni!), Wild, das sich das frische Quellwasser schmecken ließ und Bergseen, die noch halb gefroren waren, dadurch im Sonnenlicht magisch glitzerten und zudem gefallene Baumstämme eingeschlossen hielten. Das absolute Highlight, einer meiner Herzenswünsche der Reise, erfüllte sich hier tatsächlich auch noch, weshalb mir dieser Abschnitt natürlich ganz besonders in Erinnerung bleibt: Wir haben einen Bären in freier Wildbahn beobachten und ablichten können, wie er ganz friedlich, mit sich und der Welt im Reinen, offenbar äußerst schmackhaftes Gras vertilgte. Er war sich durch das Klicken der Kamera unserer zwischendurch durchaus bewusst, ließ sich davon aber nicht weiter stören. Die Entfernung war groß genug und vielleicht sorgte seine Eitelheit ja auch dafür, das fotografiert werden zu genießen – nein, das ist natürlich menschgemachter Blödsinn.


Aber es war ein Traum und es fiel mir wahnsinnig schwer, mich davon loszureißen. Allerdings festigte es nur noch meinen Entschluss, zurückzukehren und mehr Zeit in den Parks zu verbringen. Das Leben bietet viel, man muss nur den Arsch vom Sofa kriegen und es zu entdecken versuchen. Ob vor der Haustür oder eben auch mal ein paar tausend Kilometer entfernt. In der Regel wird man es nicht bereuen. Ich zehre sicherlich noch eine ganze Weile davon.

Keep on rockin´

Ree

Tage voller Eindrücke – the heat is on! (029/222)

28. Juni 2017

Wüste. Unfassbar weites Land, gnadenlos im Minutentakt ansteigende Temperaturen und eine nicht gekannte körperliche Anstrengung, sobald man nur das klimatisierte Auto verlässt. Die vergangenen vier Tage bargen in vielerlei Hinsicht Grenzerfahrungen, die zwar Spaß gebracht, aber eben auch viel Energie gekostet haben. Schon die Anreise nach Las Vegas, von Los Angeles aus, glich einem Kraftakt. Im Outlet von Barstow gestoppt dachten wir, dass es mit der Hitze schon machbar wäre – auch wenn das Thermometer auf den knapp zwei Stunden Fahrt von 29 auf 46 Grad geklettert ist.


Leute, 46 Grad bei ins Gesicht wehendem, knallheißen Wüstenwind, ist kein Spaß mehr. Die Suche nach der dringend benötigten Toilette glich einem Marathonlauf und der ständige Wechsel zwischen diesen hohen Temperaturen und manisch heruntergekühlten Verkaufsräumen war ein weiterer Angriff auf das Immunsystem. Aber so schnell lassen wir uns natürlich nicht unterkriegen, haben tapfer weiter eingekauft und schlussendlich den Weg fortgesetzt. Immerhin wurde die Glitzerwelt von Las Vegas mit Spannung erwartet.


Diese Stadt hat uns dann völlig vom Hocker gehauen. So eine spektakuläre, künstliche, aber nicht minder faszinierende Umgebung haben wir auf der Welt bislang nicht sehen dürfen. Vermutlich gibt es sowas auch einfach nicht nochmal. Wer schon mal da war, weiß wohl, wovon ich rede. Wem dies bislang nicht vergönnt war, der sollte es mal nachholen. Es ist absolut sehenswert, wenn man sich vergewissert, dass vermeintlich nichts an dieser City echt ist. Überall buhlt man um das Geld der Besucher, ob durch Ausflüge, Shows, Casinos oder Speisen.  Aber das ist weder verwerf-, noch verwunderlich, kommt doch niemand der schönen Gegend wegen hierhin. Wie gesagt, mitten in der Wüste, Folks. Da ist nix, gar nix, drumrum.


Das braucht es aber auch nicht, die vielen Glamourwelten von Bellagio, Venice, New York New York, MGM und wasweißichnochalles reichen aus, um hier einige Wochen Abwechslung zu erhalten. Und selbst unser in Würde ergrautes Circus Circus-Ressort hat uns mit seinem Indoor-Freizeitpark, über 4000 Zimmern, integrierten Shops, Casino und permanenter Live-Zirkusshow schon sprachlos zurück gelassen. Und die vielen Heiratskapellen belegen, dass es eben keine Single-Stadt ist, sondern selbst die anzüglicheren Shows eindeutig auf beide Geschlechter abgestimmt sind. Interessant und ebenso bemerkenswert.


So nehmen wir aus dieser Stadt, die es eigentlich nicht geben dürfte, eine Menge Erinnerungen und Erlebnisse mit. Spannend war auch ein Besuch auf dem ursprünglichen Zentrumspfad. In Downtown-Vegas, wo so alte Schätzchen wir das Golden Nugget und Fremont den alten Zeiten nachtrauern und in erster Linie Gäste zu beherbergen scheinen, die schon vor 50 Jahren dort waren. Dennoch hatte es wirklich Stil, die Glühbirnen der Fassagen betrachten und durch alte Zeiten schreiten zu können. Zu dem noch faszinierenden Ausflug in den Grand Canyon schreibe ich dann noch gesondert. Vegas alleine ist schon einen Blogeintrag wert. In diesem Sinne, auf nach „Fabulous Las Vegas“.

Keep on rockin´

Ree

Der Engels Städte (028/222)

23. Juni 2017

Los Angeles. Die Engel. Mit dem Boom der Filmindustrie Anfang des 20. Jahrhunderts hat sich die Einwohnerzahl innerhalb eines Jahres vervierfacht und irgendwie hat sich die Stadt davon bis heute nicht richtig erholt. Eine Smogglocke hängt trotz aller Umweltmaßnahmen weiterhin über dem Tal und es wird gesagt, man liebt oder hasst die Stadt. Aber aus nun eigener Erfahrung kann ich das so nicht bestätigen. Zumal sie eigentlich keine einzelne Stadt ist, sondern einfach ein Zusammenschluss höchst unterschiedlicher Städtchen. Egal, ob Beverly Hills (wo wir von der Security aus einer Residential-Area hinaus begleitet wurden), Venice & Santa Monica (wo Sport, Coolness und Flair die Stadt beherrschen), Hollywood (wo der Wahnsinn & das Chaos regieren) oder auch die verrufeneren Viertel wie Compton (das man als Rap-Fan nur schweren Herzens umfährt) – das Bild wechselt permanent, in Bezug auf Architektur, Menschenschlag und auch Sauberkeit der Straßen. Und auch das Navi führt einen nicht immer nach LA, sondern besteht auf die Eingabe der Unterorte – wie Culver City, unseren Wohnort mit der blauen Tür.

So gibt es zwar viel zu erkunden, aber irgendwie ziemlich wenig zu sehen – klingt blöd, ich weiß, also genauer: Ziemlich wenig, was einem wirklich im Gedächtnis bleibt. Als Sportler war der Muscle Beach in Venice für mich beispielsweise ein wichtiges Ziel. Ernüchternd blieb ich zurück, da alles verrottet und der Abschnitt vielleicht 200 Meter lang ist. Außerdem kostet der Parcours 10$ Eintritt, so blieb ich Zuschauer und habe es nun wenigstens mal gesehen. Santa Monica Beach, mit dem berühmten Pier, der das Ende der Route 66 markiert, habe ich nur als übervoll wahrgenommen – dagegen ist Köln in der Weihnachtszeit wie ausgestorben. Ob es am Freizeitpark oder den wirklich großartigen Stränden liegt, vermag ich nicht zu sagen. Die zugehörige City war hingegen ausgesprochen attraktiv (mit einem T-Mobile- und Apple-Flagshipstore), so dass man auf der Suche nach Penny und Bernadette auch gerne etwas länger in der Cheesecake Factory eingekehrt ist (ein Stück Käsekuchen hat 1500 Kalorien !!!).


Der Hollywood Boulevard ist dann ein einziger Zirkus von Selbstdarstellern in coolen Autos oder Fantasy-Bekleidung, unachtsam über die Sterne stapfenden Touristen, die vor sich hin schwitzen, und beeindruckenden Gebäuden, die aber durch das Gedränge zu Unrecht in den Hintergrund rücken. Das Dolby- und Chinese Theatre sind beispielsweise mit der angegliederten Mall wirklich sehenswert und der Blick von oben auf die LA-„Skyline“ (ein paar Türmchen) ist sehr schick. Außerdem sieht man von hier den „Hollywood“-Schriftzug wirklich erstklassig. Eine Menschenansammlung gibt es übrigens nur bei einem Stern auf dem gesamten Walk of Fame, der in erster Linie negative Kommentare von Leuten aus der ganzen Welt hervorruft: Mr. Trump hat wohl für seine TV-Auftritte irgendwann mal einen Pflasterstein erhalten – er wäre besser in diesem Metier geblieben…


Witzige Anekdote: Beide Busfahrer der von uns absolvierten Hop on/ off-Tour wollten kein Geld haben, so dass wir ein paar Stunden gratis durch die Stadt gegondelt sind. Sehr cool, immerhin 110$ Ersparnis. So konnten wir ohne schlechtes Gewissen zum gleichen Preis noch die Paramount-Studiotour dranhängen, die in der Tat sehenswert ist. Sehr individuell, nur vier Besucher mit persönlichem Guide in einem Golfcart, wurden wir durch die Gassen gefahren (5 Bezirke New Yorks auf kleinster Fläche), haben das Studio von Dr. Phil besucht (der US-Psycho-Talkstar), Illusionen genommen bekommen (von wegen, Tom Cruise schaut in Top Gun auf das Meer oder King Kong ist groß…) und einige Requisiten besichtigen können. Auch wenn wir keinem Star persönlich begegnet sind (der Parkplatz von Michael Bay war leer und Samuel L. Jackson gerade in der Lesestunde), hat sich dieser Ausflug wirklich gelohnt.


So verlassen wir die vielen Städte der Engel nach drei Tagen mit einem guten Gefühl. Viel gesehen, wenig verpasst (ok, das Dodger Stadium – aber vielleicht gibt es am Ende in Oakland nochmal Baseball live) und auch im Stadtverkehr prima zurecht gefunden. Vielleicht kommt man sogar nochmal zurück, irgendwann. Denn obwohl sie eigentlich nichts wirklich fesselndes hat, hat sie doch irgendwie ihren Reiz. So seltsam sich das anfühlt.

Keep on rockin´

Ree  


 

Freaky Styles around Venice! (027/222)

21. Juni 2017

Abgehalftert. Gestrandet und irgendwie hängen geblieben, so dass man nicht mehr weg kommt und für alle Zeiten hier festsitzt. Ich glaube, genau so geht es einer Menge Menschen am so legendären Muscle Beach in Venice, Kalifornien. Gespannt wollte ich die berühmten Live-Fitness-Selbstdarsteller besuchen, doch aufgefallen sind mir in erster Linie die unzähligen Strandhändler, die selbst gemachte Dinge verkaufen und nach Sonnenuntergang hinter ihrem Stand unter Lumpen die Nacht verbringen. Sie gesellen sich dann zu den vielen anderen Homeless-People, die an jeder Ecke um Almosen bitten oder einfach vor sich hin vegetieren. Ein trauriges Bild, zeigt es doch, dass die USA alles andere als ein flächendeckend soziales Land sind; dagegen geht es uns in Deutschland tatsächlich blendend, möchte ich meinen.

Natürlich gibt es auch die viel gepriesene Coolness hier. Jede Menge muskelbepackte Leute, Skater, Biker, Jogger, immer wieder auch Surfer, dazu wird Boule, Volleyball und Rugby gespielt. „Echte“ Straßenhändler bieten Shirts, Drinks und Rauchwaren feil und ein süßlich-grüner Geruch weht einem konstant um die Nase. Touristen flanieren, Kinder bevölkern die Spielplätze und der Strand ist sehr breit, unfassbar lang und sieht erstklassig aus. Die Promenade bis Santa Monica ist fantastisch ausgebaut und mit Verlassen des Bezirks Venice nimmt auch abrupt die oben erwähnte Armut ab. Es geht in Richtung Freizeitpark, mit Riesenrad und Achterbahn direkt am Meer, und aus Coolness wird Geselligkeit und Spaß.

Zwei Seiten einer Metropole, auf engstem Raum, die zeigen, welch unterschiedliche Lebensentwürfe existieren und wie schnell sich so ein Entwurf in die vermeintlich falsche Richtung entwickeln kann. Denn, um mal mit einem Vorurteil aufzuräumen: Niemand dort hatte (zumindest bei diesem Besuch) Böses im Sinn, selbst nicht repräsentativ aussehende Menschen waren freundlich oder zumindest distanziert. Keine Agressivität, keine unangenehmen Situationen. Auch das hat mich über positiv. Venice war eine seltsame Erfahrung. Sehr schräg, aber irgendwie doch auch cool. Ich bin irritiert.
Keep on rockin´

Ree

Von der immer währenden Unruhe! (026/222)

20. Juni 2017

Gelassenheit. Einfach mal die sprichwörtliche Seele baumeln lassen und den Moment genießen können. Im Jetzt leben, ohne an das Morgen zu denken oder permanenten Druck zu verspüren, wie es wohl in den nächsten Stunden, Tagen, Wochen, Jahren weitergehen mag. Langsam durch die Gegend zu flanieren, als in Walking-Rekordzeit Straßenzüge zu durchpflügen. Eine Auszeit vom ewigen Getrieben sein, endlich mal irgendwo ankommen – zumindest für etwas mehr als nur einen flüchtigen Moment.
Das sind regelmäßige Wünsche und Gedanken, die mich schon so unfassbar lange begleiten, dass sie zumeist zum gewöhnlichen Alltag dazu gehören und trotz ihres eigentlich negativen Touchs nicht wirklich auffallen. Dennoch war die Verwirklichung dieses Kindheitstraums, dieser Trip in die USA, auch als Entschleunigungsinitiative gedacht, da die schiere Größe des Landes, gepaart mit der entspannten Lebensauffassung seiner Bewohner als entsprechende Maßnahme wie gemalt schien – insbesondere in Kalifornien, wo ich mich auf dieser Reise zumeist aufhalte.


Nun, weit gefehlt. Mein bester Kumpel hat wie üblich die Ruhe weg, was hervorragend ist. Nur färbt es leider aktuell noch genauso wenig auf mich ab, wie die tatsächliche Lässigkeit der Amerikaner. Egal, ob bei der Stadtbesichtigung oder im Straßenverkehr, ich habe permanent das innere Gefühl, immer weiterziehen zu müssen. Das zeigt mir mal wieder, dass man seine Probleme, ungelösten Fragestellungen und inneren Unruhen eben nicht zwischendurch mal eben ablegen oder pausieren lassen kann. Sie begleiten einen überall hin und werden so lange keine Ruhe geben, bis sie final gelöst sind.

Auch wenn ich hoffe, dass die Ankunft in der Stadt der Engel durch die Vielzahl neuer Eindrücke hier Linderung verschafft, Probleme etwas in den Hintergrund treten und die Leichtigkeit Einzug hält, so weiß ich doch, dass ich nach der Rückkehr einiges zu erledigen habe, um den Weg in eine entspanntere Zukunft zu ebnen. Mir fällt noch der Anknüpfpunkt dazu, aber vielleicht findet sich im Land der unbegrenzten Möglichkeiten ja eine irgendwie geartete Eingebung. Ich werde nicht danach suchen, aber mich auch nicht wehren, wenn sie um die Ecke schaut. I am curious.

Keep on rockin´

Ree

You shall not pass! (025/222)

19. Juni 2017

Rumms. Einer meiner Lieblingssätze aus den Herr der Ringe-Filmen, in der Gandalf den Balrog vom Betreten der Brücke von Kazad-Dum abhält und seinen Stab auf den Boden rammt. Majestätisch und bestimmt. Wir dürften uns heute so ähnlich wie das Fabelwesen im Film gefühlt haben, standen wir doch nach einer 40-Meilen-Fahrt von Salinas nach Big Sur plötzlich vor einem riesigen „Closed“-Schild, da ein massiver Erdrutsch Ende Juni weite Teile des legendären Highway 1 geschrottet hat. Traumstraße ade, es ging partout nicht weiter, schlimmer noch: Es gab auch keine Umleitung, sondern die nächste Möglichkeit, nach Santa Barbara zu gelangen führte über – richtig: Salinas…! Ok, man kann die Amerikaner dafür nicht verantwortlich machen, hatten sie doch 20 Meilen vor Big Sur schon ein „Road Closed, No Detour“-Schild aufgestellt – aber wer glaubt so einen Kram denn? 😉


Nun gut, also zusätzliche 80 Meilen verballert, so aber die Panoramastrecke Monterey-Big Sur von beiden Seiten gesehen und das Inland kennengelernt. Gerade letzteres war wirklich ein Erlebnis, stieg die Temperatur dort doch von moderaten 21 Grad am Pazifik auf 43 (!) Grad an. Im Schatten wohlgemerkt. Als wir zu einem Mittagsnack bei Taco Bell hielten (die ich echt empfehlen kann, war mein erster Besuch dort, sehr lecker) schlug uns ein wüstenähnlicher Hitzeschwall fast um. Irgendwie cool, unwirklich und ziemlich warm. Da aber die Kimaanlage im Dodge prima funktionierte, war auch der Rest des Trips heute kein Problem.


Auf der Durchreise hielten wir noch in einem schnuckeligen kleinen Städtchen (gutes Eis, coole Antiquitäten, den Namen muss ich nochmal heraussuchen) und am Lake Cachuma mit dem Bradbury Damm – spektakuläre Ausblicke in fantastischer Abendsonne. Besser hätte es kaum laufen können. Das Motel 6 ist als Übernachtung Nahe Santa Barbara nun einfach und günstig, aber auch sehr sauber. Geht also schlechter.


Zu gestern, Besuch in Monterey, gibt es dafür gar nicht so viel zu berichten. Das Aquarium ist für Kinder ein Traum, aber ich bin kein großer Fan von Fischen. Bubba Gump´s Shrimpladen hat Stil und jede Menge Forest Gump-Filmreliquien an den Wänden. Fishermans Wharf ist voll und teuer. Und die Souvenirläden können mit denen in San Francisco nicht mithalten. Dennoch war es ein sehr abwechslungsreicher Ausflug, alles andere als ein verlorener Tag. Derweil rückt Los Angeles immer näher, die Stadt, auf die ich schon deshalb sehr gespannt bin, weil ich aufgrund vieler Erzählungen ein massiv negatives Bild habe. Nun gut, wir haben drei Tage eingeplant und wollen auf jeden Fall mal einen Hop on/ off-Bus testen. Ich bin überzeugt, es wird lustig.

Keep on rockin´

Ree