Skip to content

Es geht nie ohne Melancholie!

26. September 2016

Blues. Die Musikrichtung des markerschütternden Gefühls, nicht jedermanns Sache, aber doch von durchdringender Kraft, die aus traurigen Menschen heulende Schlosshunde macht und in der Lage ist, jedem Moment einen melancholischen, emotionalen Touch zu verleihen. Genau wie das wahre Leben, denn kein anderer Stil in der Musik zeichnet diese schwermütige Facette der Sehnsucht und unerfüllbaren Träume packender nach. Eine Berührung, derer man sich nur schwer entziehen kann; die in depressiven Phasen dafür sorgt, den Sender am Radio zu wechseln, bevor sich die Brückenpfeiler bedrohlich nähern.


Ist es der Wunsch nach Freude in jedweder Situation, der bei so vielen Gelegenheiten den Blues in einem aufsteigen zu lassen droht, die unfassbare Fixierung auf den nächsten befriedigenden Moment und die Angst vor dem Verlust der gegenwärtigen, oft liebgewonnenen, Lebensphasen? Sind es die so wahrhaftig erscheinenden Träume, deren tatsächliche Erfüllung jedoch surreal ist und die dadurch für emotionale Talfahrten sorgen? Gefühlt ist es so, als würden die wirklich guten Dinge stets zur falschen Zeit passieren, so dass sich die einzelnen Teile nie wirklich ineinander fügen lassen, gleich einem industriell marginal fehlproduzierten Puzzle. 

So bastelt man im wahrsten Wortsinn beständig an seinem eigenen Leben, wählt nach bestem Gefühl die vermeintlich passendsten Bausteine aus, kommt an Wendepunkte, entscheidet sich für Richtungen und vollzieht mit jedem Tag beständig weitere Schritte auf dem eigenen, persönlichsten Weg. Dabei bleiben die unterschiedlichsten Wegbegleiter mal tief, mal weniger intensiv im Herzen hängen, produzieren schöne und schmerzhafte Erinnerungen und sorgen dafür, dass sich der Rückblick lohnt, selbst wenn er weh tut – unabhängig davon, dass die grenzenlosen Optimisten beständig den ausschließlichen Blick nach vorn empfehlen, da er der einzige angeblich Glücklichmachende sei.


Sowieso wage ich zu bezweifeln, dass selbst der hartherzigste Mensch in der Lage wäre, jegliche Vergangenheit komplett ausblenden und unwiderbringlich abschließen zu können. Dafür passiert im Leben einfach zu viel Gutes und, unabänderlich, auch jede Menge weniger Erfreuliches, das die Seele streift und sowohl Glanzlichter, als auch Narben hinterlässt. In ruhigen Momenten, oft unbeobachtet, abgeschottet, des Nachts, allein, tauchen sie aus der Dunkelheit auf, bahnen sich ihren Weg aus den Tiefen des Gedächtnisses und führen zu ebenjener titelgebenden Melancholie, die Kraft rauben und Stärke verleihen kann; je nach Zustand, Härtegrad und der eigenen Positionierung im gegenwärtigen Leben.

Erstaunlich oft tauchen gerade in verzweifelten Phasen völlig unerwartete Neuerungen auf, die unsteten Momenten wieder neue Struktur verleihen oder auch zu völliger Konfusion führen können. So oder so lenken sie aber den Blick fort vom eigentlich die Sinne beherrschenden Schmerz hin zu einer neuen Gedankenwelt, welche Aufmerksamkeit einfordert, Herausforderungen bietet und somit nicht nur Ablenkung, sondern möglicherweise einen tatsächlichen Schub nach vorn bereit hält. Natürlich birgt auch das keine Wunderheilung und verwandelt den Blues nicht per Fingerschnippen in pushende Beats, aber es weist einen Weg, zeigt auf eine Tür am fernen Horizont, auf der in schimmernden Lettern so etwas wie „your future“ steht.


Die Melancholie bleibt derweil ein ständiger Begleiter, sie ist einfach Teil eines jeden Lebens und weckt so etwas wie eine Hassliebe in einem, denn ohne die temporär schmerzhaften, teilweise herzzerreißenden Momente wären wir möglicherweise ebensowenig zu grenzenloser, unbeschwerter Freude fähig. Dann bliebe alles Einheitsbrei und das Dasein entwickelte sich zu einer auf den Tod zusteuernden Vegetation. Was ich mir nicht als besonders erstrebenswert vorstelle, obwohl ich bekanntermaßen regelmäßig von meinen Vergangenheitsdämonen in die emotionalen Knie gezwungen werde und in diesen Momenten wahrhaftig weniger persönliches Emotionsempfinden herbeiwünsche. 

So sollte ich dieses Auf und Ab wohl als Teil meiner Existenz annehmen und akzeptieren, dass es bis zum letzten Tag beständig so weitergehen wird. Wobei ich mich eines wachsenden Schutzschildes nicht erwehren kann, welches der Geist nach jedem brachialen Scheitern ohne mein aktives Zutun aufbaut und so den Zugang zu Gefühlen erheblich erschwert. Tatsächlich führt dies zu der momentanen Flucht aus dem Alltag, die darüberhinaus eine verstärkte Zurückhaltung in vielen Fragestellungen birgt, auch wenn (oder weil) ich mir noch immer nicht wirklich sicher bin, ob diese Entscheidung richtig war. Doch habe ich ganz bewusst den einen Rückweg verbaut und möchte auch einen anderen so langsam schließen, damit ich wieder auf den Pfad der Aktivität und Selbstbestimmung zurückfinde. Und das zumindest fühlt sich halbwegs richtig an – trotz aller Melancholie.

Keep on rockin´

Ree

Das Ziel ist im Weg!

19. September 2016

Ziele. Können Wegweiser sein, Hilfestellung geben, aber auch ein inneres Druckmittel darstellen. Sie geben dem Alltag vermeintlich Struktur, da man auf etwas hin arbeiten, im wahrsten Sinne des Wortes „abzielen“, kann. Vordergründig sind sie also offenbar geeignet, den Tag sinnvoll zu gestalten, um ebendiesem manchmal selbst gesetzten, oft auch fremd bestimmtem, Ergebnis entgegenzustreben. Die einzelnen Arbeitsschritte um in einem Projekt voranzukommen seien dabei ebenso genannt, wie beispielsweise die Planungskomponenten einer bevorstehenden Reise (Recherche – Buchung – Wartezeit – Abreise).

Nun gibt es Menschen, die eine solch klare Struktur benötigen. Die ohne sie nicht wirklich voran kommen und im ewiggleichen Trott verharren, sofern sie keinen irgendwie gearteten Wegweiser aufgezeigt bekommen oder sich zumindest selbst setzen. Sie würden ansonsten auf der Couch verharren, den Fernseher anstarren und nicht die Motivation aufbringen, den Tag als Abenteuer zu sehen und einfach mal loszulegen. Für sie sind der tägliche Gang zur Arbeit, die dort zu verrichtende Aufgabe und die Verpflichtungen des Privatlebens Antrieb und Lebenszweck in einem. Auch wenn ich es mir nicht zwangsläufig vorstellen kann, so vermag dies durchaus viele Menschen glücklich zu machen und ihnen Freude zu schenken.

Andere widerum lassen sich von Zielen einschüchtern, manchmal gar hemmen, so dass sie ihnen wie eine bedrohliche Wand erscheinen, die zu überwinden schier unmöglich erscheint. Die Gefahr besteht, dass dadurch bereits im Vorfeld Resignation vorherrscht und der notwendige Elan nicht aufkommen mag. Für sie sind viele kleine Schritte notwendig, deren Bewältigung wenig Anstrengung befürchten lässt und mit jeder minimalen Erreichung ein erleichtertes Gefühl kurzen Glücks hinterlässt. Durch die permanente Anspannung, scheitern zu können, halte ich diese Variante für belastend, ist doch die Furcht vor dem Scheitern ein ständiger Begleiter und jedwede Kritik direkt ein Stich in Herz, Seele und Selbstbewusstsein.

Für mich versuche ich, eine Art Mittelding aus Eigeninitiative, leichtem geschubst werden und “auf das Abenteuer warten“ zu kombinieren. Ich merke gerade nämlich, dass mir ein festes Ziel durchaus nicht ganz angenehm ist und die Macht hat, den sonst typischen Aktionismus etwas zu hemmen (München). Dazu sorgt ein festes Vorhaben (Sprachkurs) gerade dafür, dass ich ein alternatives Szenario (Asientrip) zu verwerfen drohe, obwohl ich es eigentlich viel lieber angehen würde. Denke ich. Doch habe ich schon so lange vom Sprachkurs erzählt, dass ich es irgendwie auch falsch fände, nicht daran festzuhalten. In Summe hemmt mich das aktuell, was ebenfalls blöd ist, denn mir wird kaum ein wie auch immer gearteter Flug in den Schoß fallen.

Vermutlich wird es darauf hinauslaufen, einfach spontan einen Hinflug zu erwerben, ohne konkrete Planung, ohne Rückflug und dann nach Laune zu verweilen oder weiter zu ziehen. Auch eine Art Abenteuer. Möglicherweise blockiert auch die anstehende Gedenkfeier für meine Oma die Überlegungen, denn da möchte ich auf jeden Fall zugegen sein und auch nicht direkt im Anschluss wieder verschwinden. Zudem muss ich einige Behördengänge vollenden, die mich nerven, aber unumgänglich sind. Puh.

Bleibt die Frage des Philosophen: Wäre es ein Gutes, den Zeitpunkt und Ort des eigenen natürlichen Todes schon vorab zu erfahren und somit das ultimative Ziel vor Augen zu haben? Würde das die Qualität des Lebens steigern und zu einem erfüllteneren Dasein führen oder gar noch mehr blockieren, damit man sich ja nicht in Gefahr begibt, noch früher per Unfall hinfort zu scheiden? Wäre das gut oder schlecht? Hach je, ich habe es heute aber mal wieder ordentlich zerstrubbelt, das eigene Hirn. Vielleicht sollte doch lieber der Weg das Ziel sein. Oder Ziellosigkeit die Erfüllung. Oder so.

Keep on rockin‘

Ree

Das große Verwirrspiel!

14. September 2016

Verworren. Total verstrubbelt, unfassbar durcheinander. Manchmal möchte es das Hirn eben so haben, kann nicht akzeptieren, dass Einfachheit auch eine probate Variante sein könnte. Nein, es muss alles nur Erdenkliche raus kramen, in den unpassendsten Momenten, um Vorhaben in Frage zu stellen oder neue Entwicklungen zu blockieren. Natürlich muss man sich dem nicht zwangsläufig beugen, Logik hört ja nicht einfach so auf zu existieren, doch ist es von Zeit zu Zeit ein enormer Kraftakt, alles zu ordnen und in irgendeine halbwegs vernünftige Reihenfolge zu bringen.

Der Startschuss für mein, mangels anderer Phrase „neues Leben“, ist bekanntermaßen erfolgt und er war erstaunlich erfolgreich. Alles fühlte sich richtig an und auch die Abschiedsparty war wesentlicher angenehmer als befürchtet. Unsere Abteilung hat mich mit unfassbar großzügigen Geschenken auf die Reise geschickt, inklusive eines emotionsgeladenen „Freundebuch“ aus der Stromberg-Reihe; total liebevoll befüllt von meinen Jungs und Mädels, ein Andenken, dass ich voller Freude ewig in gutem Andenken behalten werde. Und dann war es erstmal vorbei, das Büro leer geräumt und der letzte Abgang als aktiver Arbeitnehmer meines Herzensunternehmens vollzogen. Auch wenn es sich schon etwas seltsam anfühlte, so war ich doch per es guter Dinge, dass die zukünftigen Vorhaben den Abschiedsschmerz mildern würden.

Tags darauf trafen wie auf Kommando die Studienunterlagen ein, was meine Annahme bestätigte, dass der weitere Weg von freudiger Aktivität geprägt sein würde. Auch die Absprachen hinsichtlich München nahmen Formen an und so fehlt bis heute eigentlich nur noch die konkrete Planung der kurzfristigen Reise; eigentlich möchte ich Spanisch lernen, wofür Teneriffa oder Costa Rica ideal klingen, auf der anderen Seite üben aber auch Laos und Bali eine ungemeine Anziehung auf mich aus. Was den ersten Part der Verwirrung darstellt. Der zweite wird von der unendlichen Hausgeschichte geprägt, kommen doch tröpfchenweise immer wieder Interessenten, die augenscheinlich begeistert wirken, sich dann jedoch wochenlang nicht melden. Das zehrt an den Nerven und belastet dieses nicht abgeschlossene Kapitel zusätzlich. Dazu kommen die Freundschaften, die gerade jetzt einen schier magischen Magnetismus entwickeln und den Sinn der Abenteuer etwas in Frage stellen; und warum zum Geier ist eigentlich meine Wohnung auf einmal so attraktiv?

Natürlich weiß ich genau, was da gerade passiert. Das Hirn verarbeitet die unterschwellige Panik, dass es jetzt tatsächlich los geht. Das der Abflugtermin eigentlich schon Mitte des Monats sein sollte und sich nun bereits auf das Ende verschiebt, ist da wenig hilfreich. Das noch nicht gebucht ist, ebenfalls. So hat dieser unnachahmliche Denkapparat die Chance, alle möglichen Zweifel zutage zu bringen und so Verzweiflung zu schüren, was er auch fleißig tut. Die Zwischenlösung ist ein Kurztrip in der kommenden Woche, eine Woche auf einer wohlbekannten Ferieninsel, um wieder Ordnung in die Gedanken zu bringen und das Chaos etwas zu lichten. Außerdem, um die ersten paar Kapitel des Studiums durchzuarbeiten. Ich bin überzeugt, dass dieser Trip alles in die richtigen Bahnen lenken wird und ich im Anschluss die Pläne mit einem guten Gefühl verwirklichen kann. Oder nicht? Blödes Hirn …

Keep on rockin´

Ree  

Vom Wert des Lebens!

9. September 2016

Wertvoll. So sollte man jeden Tag sehen, ihn angehen und zu schätzen wissen. Als rasch verfliegendes Geschenk in einer Ansammlung zu Beginn schier endlos erscheinender Stunden, die sich mit zunehmendem Lebensalter immer rascher zu verknappen drohen. Als kleiner Junge, mit einem ganzen Leben vor Augen, erscheint der einzelne Tag fast wertlos, auch als Teenager wird er noch liebend gern im Bett verbummelt. Es folgen ja (hoffentlich) noch so dermaßen viele, dass es auf diesen einen, speziellen, nicht wirklich ankommt. Auch im jungen Erwachsenenalter, in der Ausbildungs- oder Studentenzeit, weiß man nicht immer zu schätzen, dass jede einzelne Minute des Lebens wahrhaft kostbar sein könnte.

Mit dem Einstieg ins Berufsleben, Tagen voller Überstunden, willkürlich erscheinenden Besprechungen oder fragwürdigen Aufgaben, dazu garniert mit wachsenden privaten Verpflichtungen diverser Coleur (Sport, Partnerschaft, Freunde, Familie), gewinnt allerdings nach und nach die Erkenntnis Überhand, dass es gar so viele Tage nicht sind, bis wieder ein Jahr verflogen und man sukzessive älter geworden ist. Nicht selten wünscht man sich dann die unbeschwerte Zeit zurück, in der das Verbummeln ohne Reue möglich und vor allem vorwurfsfrei gewesen ist. Einfach mal nichts tun, ohne sich der ganzen Aufgaben bewusst zu sein, die es rundherum zu erledigen gilt.

Mut tut gut

Nun ist das kein Einzelfall, sondern ein global akzeptierter Way of Life, und man wird vermeintlich eher skeptisch gesehen, droht man daraus beizeiten auszubrechen. Oder glaubt das zumindest, vermutet, Gefahr zu laufen, zum Sonderling oder als wenig ernsthaft angesehen zu werden. Wie kurios erscheint es dann, wenn über einem ein ganzes Füllhorn positiver Rückmeldungen geleert wird? Wenn man quasi für seinen Mut beglückwünscht und regelmäßig mit der Aussage konfrontiert wird, man wünsche sich selbst ebensoviel Abenteuerlust und Courage für diesen Schritt? Für mich ein Segen, denn da sich jeder von uns ein stückweise Bestätigung wünscht und ich bekanntermaßen auch nach der Entscheidung noch ein wenig mit ebenjener haderte, sorgte dieses weitreichende Feedback für das gute Gefühl, tatsächlich den richtigen Weg gewählt zu haben.

Nun liegt also für den Moment die Macht des Tages wieder völlig in meiner eigenen Hand. Ein ungewohntes Gefühl, mit dem ich nun erstmal wieder umzugehen lernen muss. Natürlich gibt es Pläne, inzwischen halbwegs bekannt, ganz vorne das Eintauchen in die spanische Sprache und der Start des Studiums, doch sollte es sinnvollerweise auch noch Raum für die lange vermissten Auszeiten geben. Das Dahingleitenlassen von einzelnen Tagen, den Genuss im Moment und die Fähigkeit, sich überraschenden Situationen entspannt hingeben zu können, all das soll auch Bestandteil der kommenden Wochen, vielleicht Monate, sein. Obwohl ich mich mit einer konkreter werdenden anderen Planung natürlich durchaus wieder in die Routine eines Arbeitsalltags zu begeben gedenke; allerdings dann doch in etwas anderer Form, dazu aber später mal mehr.

Ein Schritt für jeden?

Heißt das aber denn nun, das ein jeder genau diese Chance ergreifen, den neuen Pfad erkunden soll? Beileibe nicht, es muss schon persönlich passen. Gibt es doch viele vernünftige Gründe, die Sicherheit eines festen Arbeitsverhältnisses nicht aufzugeben. Da spielen das Gehalt, Sozialleistungen und Attraktivität des Arbeitgebers (passte bei mir alles super) genauso eine Rolle, wie die außerberuflichen Lebensumstände – ob für eine Familie gesorgt werden muss, die eigenen Fähigkeiten eine Anschlussbeschäftigung oder den Traum der Selbständigkeit realistisch erscheinen lassen, der Drang nach Veränderung überhaupt existiert oder man einfach mal die Schnauze voll vom Alltag hat. Nur eine Kurzschlussreaktion sollte es auf keinen Fall werden. Ich habe sieben Monate darüber gegrübelt und unzählige Szenarien entwickelt.

Dennoch empfehle ich, sich zumindest den Gedanken an eine solche Variante nicht zu verschließen. Ehe man sich versieht, ist ein großer Teil der Tage an einem vorbeigezogen, ohne dass man der Erfüllung seiner ursprünglichen, manchmal kindlichen Träume ein Stück näher gekommen ist. Auch wenn die große weite Welt inzwischen arg globalisiert und zusammen gerückt erscheint, gibt es noch so viel zu entdecken und jede Menge Möglichkeiten zur Entfaltung seiner Selbst. Immer, wenn ich im Mini-Tagebuch meiner kürzlich verstorbenen Oma lese, rufe ich mir das ins Gedächtnis. Es gibt wohl nur wenige, die auf dem Sterbebett, am letzten bewussten Tag, die vielen Unternehmungen bereuen. Eher hört man doch davon, dass verstrichene Gelegenheiten und ungenutzte Abenteuer betrauert werden. Das Festhalten an der Routine bedauert. Und den Verbliebenen mit den letzten Atemzügen (oder eben den hinterlassenen Worten im Tagebuch) der Ratschag erteilt wird, auch mal mutig zu sein und andere Wege zu gehen. Daraus schließe ich: Es kann so falsch nicht sein.

Keep on rockin´

Ree 

Vielleicht müsste man mutiger sein!

4. September 2016

Mutlosigkeit. Ist der Hemmschuh, der uns davon abhält, einen neuen Weg einzuschlagen oder den nächsten Schritt zu gehen. Die (vermeintliche) Komfortzone zu verlassen und mal zu schauen, was es über dem eigenen Horizont sonst noch so geben mag. Natürlich, es gibt auch gute Gründe, im vertrauten Umfeld zu bleiben, das aus Eltern, Familie, Freunden und der Lieblingskneipe besteht, und ich möchte nicht in Abrede stellen, dass auch dies zu einem glücklichen Leben führen kann. Dann eben etwas eingeschränkter, nicht zwangsläufig schlechter. Doch ist man so rastlos und innerlich getrieben wie ich, dann stellt sich durchaus häufiger die „was wäre wenn“-Frage: Was wäre gewesen, wenn ich den anderen Weg gegangen, das Risiko gewagt hätte?

Etwas nicht zu tun, ausschließlich getrieben von der Angst negativer Konsequenzen, mag bei moralisch fragwürdigen Vorhaben korrekt, ansonsten aber hemmt es etwas, das durch nichts in der Welt zu ersetzen ist: Neue Erfahrungen! Wenn ich auf Ewig an meinem Job festhalte, ob er mir Freude bereitet oder nicht, werde ich niemals herausfinden, ob da draußen nicht noch eine andere spannende Aufgabe auf mich wartet. Entschließe ich mich, nach einer krachend gescheiterten Beziehung den Freuden der Liebe zukünftig zu entsagen, um dem Schmerz einer Trennung in vorauseilendem Gehorsam zu entgehen, beraube ich meinem Leben möglicherweise viele schöne Stunden. Reise ich nur und immerzu an denselben Urlaubsort, wähne ich mich dort zwar bald zuhause, mein Auge bleibt aber verschlossen für die Schönheiten anderer Teile dieser Welt. Und diese Aufzählung ließe sich durchaus noch lange fortführen.

Man sagt ich sei ein Wortvirtuose, so etwas wie ein Künstler auf der Klaviatur der Buchstabenvielfalt, doch gestalte ich mit den Fingern nur die Stories meines Lebens in eine lesbare Gestalt um, gieße Gedanken in Form und hoffe, dadurch etwas Interessantes, Fühlbares zu kreieren. Trotzdem habe ich lange Jahre nicht mal ansatzweise darüber nachgedacht, auch das Beruflich in diese Richtung zu entwickeln. Klar, ich war schon in manchen Redaktionen, nebenberuflich, schreibe viele Reiseberichte (anonym), habe ein Kinderbuch zusammengebastelt (ohne finanziellen Erfolg) und verfasse diesen Blog. Aber professionalisiert ist davon im Großen und Ganzen nichts, einfach, weil ich es aus Freude und für mich mache. Aber wäre nicht gerade das ein Grund, es auch für den täglichen Broterwerb zu nutzen?

Nun, genau da knüpfe ich aktuell an, hole mir momentan etwas Hilfe bei der Popularitätssteigerung dieser Seite und möchte mit dem schon erwähnten journalistischen Fernstudium noch ein wenig Rüstzeug erwerben, um an meinem Stil zu feilen und ein paar neue Kniffe kennenzulernen. Doch bedurfte es etwas Mut und einen mentalen Tritt in meinen Hintern, um mich dafür zu entscheiden. Ich schreite nun in eine etwas ungewissere Zukunft, doch aktuell fühle ich mich gut dabei. Was nichts daran ändert, dass auch ich zweifle, mich frage, wohin mich das alles führen wird und eigentlich ja auch die räumliche Nähe von Rheinland und Ruhrgebiet nicht aus den Augen verlieren möchte. Doch wenn ich das nun nicht mache, werde ich es vermutlich bis auf das Sterbebett hin bereuen. Erst kürzlich durfte ich in Tagebüchern meiner verstorbenen Oma lesen, dass das Leben gerade in den letzten Jahrzehnten eben nicht die Freuden bereit hielt, die wir uns alle für sie gewünscht hatten.

Nein, ich habe wirklich keine Ahnung, wie sich das nun alles entwickeln wird, doch lerne ich durch diverse Erlebnisse der vergangenen paar Wochen, das ein Rückblick zwar ok ist, den Weg nach vorne aber nicht vorgibt, sondern lediglich mit dem Erfahrungsschatz vergangener Erlebnisse glänzt. Die Zukunft gestalten lässt sich dadurch nur bedingt, den Mut zu neuen Wegen muss man schon ganz befreit und selbst angehen. Was ich mir nun vorgenommen habe, was ich angehen werde. Die letzten Arbeitstage werden sicherlich emotional und schmerzhaft, aber dann erwarten einen Chancen, Risiken und Erlebnisse. Ich bin gespannt und lasse mich nicht nur überraschen, sondern leite das ein oder andere gar eigenständig ein. Wohin auch immer das dann führen wird.

Keep on rockin´
Ree

Und plötzlich einfach fort!

27. August 2016

Lebensende. Auch wenn es uns alle ereilt, früher oder später, und wir uns theoretisch jederzeit darauf vorbereiten könnten, scheint es doch selbst bei geliebten Menschen in gehobenem Alter irgendwie überraschend, dass derjenige nicht unsterblich gewesen ist. Erinnert man sich doch noch an die eigenen, nicht allzu lange zurückliegenden Worte über die Zähigkeit, den unerschütterlichen Atem, die Vermutung, dass die Hundert locker zu überschreiten sind. Gerade wenn es sich um ein so zartes Persönchen wie meine Oma handelte, die trotz ihrer nachteiligen Physis erstaunlich vielen Rückschlägen getrotzt hatte, war man geneigt zu denken, dass sie nichts in die Knie zwingen könnte.

Welch fataler Irrtum, wie mir heute früh die Kurznachricht meiner Mama, mit dem unverblümten Inhalt „Oma ist gestorben“, in all ihrer Gnadenlosigkeit mitteilte. Nicht sanft eingeschlafen, leider, sondern durch eine fatale Fehlentscheidung der Ärzte aus dem Leben gerissen worden, die sie gestern trotz heute posthum diagnostizierter Lungenentzündung und gegen den Widerstand der Familie nach Hause geschickt haben. Ich bin unfassbar sauer darüber, da es somit vermeintlich vermeidbar war, doch wird das nun Teil von Ermittlungen, die der heutige Arzt eingeleitet hat und soll(te) eigentlich nicht Bestandteil dieses Blogeintrags werden. Ok, der Frust hat gesiegt.

Doch es geht darum, einem Menschen zu gedenken, dessen Selbstlosigkeit mehr als bemerkenswert war, ein paar Worte zu verlieren, auch um meine Erinnerung zu konservieren. Vielleicht der für mich persönlichste Beitrag, möglicherweise für keinen anderen Leser irgendwie von Bedeutung. Doch bin ich zu einem großen Teil bei meiner Oma aufgewachsen, habe viele Stunden und Tage an Wochenende und in den Ferien mit ihr verbracht, habe mir unzählige Benjamin-Blümchen-Kassetten kaufen lassen und gelacht, so unfassbar viel gelacht.

Es war mir eigentlich immer unbegreiflich, wie sie es stets fertiggebracht hat, mit dem wenigen Geld, den vielen (Enkel-)Kindern so viele Herzenswünsche zu erfüllen und Augen zum Glänzen zu bringen. Wie sie fried- und freudvolle Weihnachtsfeste veranstalten und sich wie ein Kesselflicker streiten konnte – vorzugsweise mit ihrem leider viel zu früh verstorbenen Mann, meinem Opa. Geldnot, ein vorherrschendes Thema in Kindertagen, wurde von ihr mit dem letzten Pfennig gelöst, so dass man sich nur wundern konnte, wie sie sich überhaupt die letzten Lebensmittel hat leisten können; doch dann kommt wieder die Erinnerung, an die vielen im Stillen verrichteten Arbeiten bis ins hohe Alter, beispielsweise vom frühmorgendlichen Putzen eines großen Supermarkts.

Sie wurde in eine Zeit geboren, die wir uns alle heute nicht mehr vorstellen können (manchen rechtsgedrehten Hohlbratzen täte ein Flashback allerdings mal recht gut) und die bedrohlicher und beschwerlicher gewesen sein dürfte, als alles, was um uns herum aktuell passiert. 1930 entbunden, während des Krieges per Landverschickung in vermeintliche Sicherheit gebracht, durfte sie nach 1945 in eine völlig zerstörte Heimatstadt zurückkehren. Die Nazis hatten Deutschland zugrunde gerichtet und sie zeitlebens zu einer Verfechterin von Frieden, Freiheit und Gerechtigkeit gemacht. Etwas Gutes im Schlechten. Vielleicht kam daher auch ihre Geradlinigkeit, die durchaus schon mal in wenig charmanten Konfrontationen enden konnte.

Mit 21 dann ist sie erstmalig Mutter geworden, normal in der damaligen Zeit, und ab diesem Moment zählte nur noch die Familie, für die sich aufgeopfert und als Gastwirtin (im legendären Bickefelder Tor) bis spät in die Nacht malocht wurde. Vier Jungs hat sie groß und stattlich erzogen, auch wenn es Rückschläge gab, doch alle schenkten sie ihr Enkel, reichlich in Summe, so dass es auch später nicht langweilig (aber auch finanziell nicht besser) wurde. Urlaube waren nicht drin, aber Dortmund war stets Wohlfühlort und Heimat zugleich. Die Wohnung mit kleinem Garten entpuppte sich insbesondere in den 80er und 90er Jahren zu einem Treffpunkt voller Kinderlachen und Erwachsenengespräche.

In den vergangenen Jahren wurde das dann seltener, die Kinder wurden groß, verteilten sich und der Umzug in eine neue Wohnung sorgte aus unerfindlichen Gründen dafür, dass die Besuche nachließen und das Heimatgefühl verschwand. Oma hatte immer Verständnis, dafür, dass alle ihrer Wege gingen, ihr eigenes Leben gestalteten und nur selten von sich hören ließen, doch bin ich sicher, im Stillen hat sie es schon bedauert. Mit den Jahren (und schwindendem Gehör) zog sie sich auch aus Gesprächen mehr und mehr zurück und obwohl sie immer noch Freude auszustrahlen wusste, nahm sie einen passiveren Part ein, den man so von ihr nicht kannte.

Hatte man kurz vorher noch nach 90 Minuten am Telefon krampfhaft nach einem Ausweg zum Auflegen gesucht, war es nun schwierig, sie zu mehr als zwei Minuten am Hörer zu bewegen. Das war schade, aber auch selbst verursacht. Warum sind wir so unregelmäßig erschienen, warum habe allein ich sie nur maximal fünfmal in den letzen drei Jahren gesehen? Das bleibt für mich ein Schandfleck, der nicht zu bereinigen ist. Ich hatte stets das Gefühl, durch meine Mama an ihrem Leben teilzuhaben, weil sie mehrfach wöchentlich dort war und alles berichtete – aber das ersetzt keine persönliche Begegnung, das weiß ich jetzt und wusste es immer. Nur habe ich es nicht in Energie umgesetzt und schäme mich dafür; vor mir selbst, niemandem sonst.

Doch bleiben werden die Erinnerungen an den wichtigsten Menschen neben meinen Eltern. An Übernachtungsparties in einem Zelt aus Bettdecken. Spaziergänge durch Hördes Straßen. Diskussionen über die Marotten der Nachbarn. Und so unfassbar vieles mehr. Fehlen wird sie mir, sehr, auch wenn es zu meinem Bedauern zuletzt vordergründig eher das Wissen war, dass in der fernen Heimat diese stets vertraute Person lebt und auf ein erfülltes Leben zurück blickt. Aus jedem Urlaub habe ich ihr eine Karte geschickt, nur ihr und meinen Eltern. Es wird seltsam sein, demnächst nur noch eine zu verschicken.

Was bleibt, ist Gewissheit. Darüber, dass mein Verhältnis zu meinen Eltern, so bizarr es manch einem wegen seiner Enge erscheinen mag, genau richtig für mich ist. Die innere Sicherheit, dass ich niemals eine Partnerschaft haben möchte, die in Konkurrenz zu dieser Verbindung steht; nein, wenn ich mich nochmal binden sollte, möchte ich, dass das in einem tiefen Verständnis darüber wurzelt, dass mir meine engste Familie über alles geht – man kann Teil davon werden und ich war fest davon überzeugt, dass dies in den vergangenen Jahren beidseitig erfolgt war, möglicherweise zu unrecht. Doch bin ich frohen Mutes, dass, sollte es sich für mich irgendwann mal wieder dahin entwickeln, jemand, der sich für mich entscheidet, auch meine Eltern ins Herz schließen würde. Denn ohne sie wäre ich nicht(s), ich verdanke ihnen alles und werde das in der uns gegebenen Zeit bewahren. „Das Leben der Eltern ist das Buch, in dem die Kinder lesen.“ – Augustinus Aurelius. Ich möchte hinzufügen: „Bis ins hohe Alter!“. Oma, rock den Himmel und geh dem Opa mal wieder richtig auf den Keks. Wir sehen uns … irgendwann!

Keep on rockin´
Ree

Oma_Ree

Vom freien Denken und entsprechenden Handeln!

23. August 2016

Handlungsfreiheit. Die Möglichkeit, seine nächsten Schritte nicht von einem Korsett aus Verpflichtungen abhängig machen zu müssen, sondern selbst entscheiden zu können, welchen Rahmen die nahe Zukunft erhalten soll. Eigentlich wollte ich mit dem Schlagwort “Freidenker“ beginnen, doch belehrte mich Wikipedia, dass dies in erster Linie “eine Bezeichnung für Menschen, die für eine selbständige und selbstverantwortliche Lebensgestaltung im Sinne der Aufklärung eintreten und jeden religiösen Glauben, Gottesglauben und kirchliche Dogmen ablehnen“ ist. Somit passt mir das nicht wirklich, denn bis auf Kriege, Rassismus, Leid und Diffamierungen lehne ich nicht viel kategorisch ab.

Handlungsfreiheit also, etwas, das mir aufgrund erarbeiteter und glücklicher Umstände gerade ermöglicht und von mir dankend angenommen wird. Nachdem mich die Frage der Abfindung über Monate beschäftigt hatte, spüre ich seit der Verkündung vor neun Tagen eine innere Ruhe, die mir lange nicht mehr zuteil geworden ist. Ein friedvolles Glücksgefühl, welches mir nach all den Wirrungen fast unwirklich erscheint. Auch der erwartete Rückfall in die Selbstzweifel, nachdem ich auch mein von Herzen geschätztes Team über meine Entscheidung informiert habe, blieb aus. Das Wochenende, obwohl von den diversen Hausbesichtigungen der Vortage nicht ohne emotionale Belastung gestartet, entpuppte sich als erholsam und schön.

„Ein frei denkender Mensch bleibt nicht da stehen, wo der Zufall ihn hinstößt“ hat Heinrich von Kleist einst gesagt. Ich wage zu glauben, dass es diese Entscheidung, dieser wahrhaft schwere Schritt, war, der mir seit Wochen gefehlt, mich blockiert hat. Kaum war es ausgesprochen, fielen mir im Tagesrhythmus gute Nachrichten in die Hände: eine unerwartet hohe Nachfrage nach Besichtigungsterminen, eine eigene Basisoption, die vermeintliche Chance einer spannenden Hospitation während der Auszeit und die Zusage zu einem journalistischen Fernstudium. Für letzteres hatte ich mich schon im Mai um einen der nur 70 Plätze beworben, mit Textprobe und Motivationsschreiben. Fühlt sich echt cool an, dass das geklappt hat. Nun muss ich nur noch mein Bachelor-Zeugnis finden, das der finalen Immatrikulation beizufügen ist; blöd, dass es im Zuge des Umzugs vor einigen Monaten irgendwie abgetaucht ist. Aber ich bin frohen Mutes, es gleich irgendwo zu entdecken.

Ich kann euch sagen, wenn ihr mal vor der Entscheidung steht, den Alltag fortzusetzen oder die Chance auf einen neuen Schritt bekommt und euer Gehirn, euer Herz und eure Seele and der Wahl schier zu verzweifeln droht, weil es fifty fifty steht, weil beide Seiten Vor- und Nachteile haben: Wählt das Neue. Befreit euch und eure Gedanken aus dem „was wäre wenn“. Denn im Alltag zu verweilen heißt, sich immer, stets und ständig zu fragen, ob der andere Schritt nicht besser gewesen wäre. Und selbst wenn er sich im Nachhinein als Fehler zu entpuppen scheint, so werdet ihr daran wachsen und mit diesen Erfahrungen dennoch in eine vielversprechende Zukunft wandern. Wohlgemerkt, fühlt sich der Alltag zum Zeitpunkt einer solchen Möglichkeit komplett richtig an, dann zögert auch dann nicht, ein Angebot abzulehnen. Meine Empfehlung wirkt dann, wenn das Abenteuer mindestens eine mittelgroße Anziehungskraft ausübt. Wechseln, etwas verändern, obwohl man sich rundum wohl fühlt, ist vermutlich kein guter Weg.

Doch für mich, in meiner Situation, mit meinen Dämonen und einer guten Aussicht auf einen positiven Ausgang des Abenteuers, konnte es eigentlich keine andere Wahl geben. Es dauerte nur eine Weile, bis ich es selbst gemerkt habe, bis der Kopf frei genug war. Nun muss ich noch drei Wochen im Büro überbrücken und kann es doch kaum erwarten, euch von den Erlebnissen danach zu erzählen. Time what is time?

Keep on rockin‘

Ree