Von der Qual des Verhaltens!

Verbindungen. Die Welt ist ein seltsamer Ort. Wir alle haben unsere Unzulänglichkeiten, mehr oder weniger davon, doch sind wir viel zu selten in der Lage, sie auch tatsächlich wahrzunehmen. Und werden wir, meist von den engsten Vertrauten, doch mal darauf hingewiesen, werten wir dies in der Regel als persönlichen Angriff, obwohl es doch eigentlich nur darauf abzielt, uns die Chance der Entwicklung zu einem noch besseren Menschen zu ermöglichen. Aber weil wir aggressiv, frustriert, zickig oder todtraurig reagieren, uns oft im Modus eines Gegenangriffs einnisten, resignieren diese wahnsinnig liebevollen Menschen und weisen uns nicht mehr darauf hin, was möglicherweise gerade nicht unsere angenehmste Verhaltensweise gewesen sein mag. Ironischerweise führt das dazu, dass manchmal hinter dem Rücken darüber gesprochen wird und teilweise sogar eine emotionale Distanz im Inneren aufgebaut wird, um die Augenblicke eben jener störenden Charaktereigenschaften so gut wie möglich auszublenden.

Macht euch da keine Illusionen, wir alle besitzen solche Negativkünste. Zumindest bin ich davon überzeugt. Selbstverständlich kann ich mich davon auch nicht mal ansatzweise ausschließen, ganz im Gegenteil. Es gibt so vieles, auf das ich schon mal hingewiesen wurde und auch noch so manches, was ich gerne selber korrigieren würde. Das gelingt mal besser und mal schlechter, doch fällt auf, dass eine Justierung in fortgeschrittenem Alter immer komplizierter wird. Sie haben sich eingeschlichen, die inneren Programme, und lassen sich nicht so einfach wieder deaktivieren. Sie sind wie ein Virus, haben sich tief in das Betriebssystem eingenistet und lassen sich nicht vollständig deinstallieren. Zwar gibt es körpereigene Antivirenprogramme, doch gerade in spontanen Augenblicken rutscht so manches aus der Versenkung hervor, dass man bereits überwältigt geglaubt hatte.

Beispiele? Nun, meine dummen Sprüche, mit denen ich rund um die Familie und meinen Sportverein aufgewachsen bin, die mich bis heute oft tief treffen, wenn ich selber welche abkriege, stecken so tief in mir drin, dass ich immer mal wieder mir wirklich wichtige Personen damit konfrontiere und sie so verletze. Denke ich vorher nach, was ich sage, geschieht das nicht, aber in einem Schlagabtausch, als Reaktion auf spontane Situationen, sind sie einfach da. Ich schäme mich dafür schon in der Sekunde danach und sie (ich) tragen mit Sicherheit eine gewisse Verantwortung für negative Entwicklungen im zwischenmenschlichen Bereich, aber ich kriege den Schalter nicht komplett auf „off“ gestellt. Es regt mich auf, es beschäftigt mich nächtelang, doch ist es leider auch jahrzehntelange Prägung von Kindesbeinen an.

Darüber hinaus bin ich im privaten Bereich harmoniebedürftig bis zur Selbstaufgabe und möchte es gerade meinem engsten Kreis immer Recht machen. Dabei ist es völlig egal, ob ich persönlich völlig ausgelaugt und eigentlich gar nicht in der Lage bin, mich um die Belange anderer Menschen zu kümmern. Nichts ist mir wichtiger, als das Glück der wenigen wirklich nahestehenden Personen und ich kann gar nicht anders, als all meine Bedürfnisse dahinter zurück zu stellen. Denn wenn ich das tue (dann und wann habe ich es versucht), ging es mir in der Regel emotional noch schlechter, also hätte ich auch gleich das vermeintlich Richtige tun und für meine Freunde da sein können. Dennoch wäre es für alle Seiten von Zeit zu Zeit vermutlich besser, in solchen Fällen anders zu agieren.

Genauso fallen mir eben auch bei anderen Dinge auf, die für ein harmonisches Zusammenleben nicht immer hilfreich sind. Ich werde natürlich hier nichts ausspeichern, aber mich belasten immer mal wieder diverse Situationen, in denen ich gerne irgendwie eine Veränderung anstoßen würde, mir dies aber nicht gelingt. Das kann daran liegen, dass ich schon die Ansprache scheue, oder auch, dass mir der richtige Ansatz fehlt. Ich möchte auch nicht so rüberkommen, als hätte ich die Weisheit mit Löffeln gefressen und die einzig richtige Sichtweise gepachtet. Dass dem nicht so ist, habe ich oben ja hinlänglich bewiesen.

Doch wie geht ihr mit solchen Situationen um? Insbesondere wenn ihr wisst, dass auf eine Ansprache eben in der Regel eine derartige Enttäuschung bei eurem Gegenüber ausgelöst wird, wie ganz oben skizziert? Ich bin tatsächlich lost und ratlos, es hält mich auch mal wieder wach. Vielleicht habt ihr ja einen Trick auf Lager, der mir bislang durchgegangen ist. Falls ja, wäre ich begeistert, davon zu hören. In diesem Sinne, gehabt euch wohl und alles Gute bei der Bewältigung eurer persönlichen Herausforderungen.

Keep on rockin´
Ree

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