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Von der immer währenden Unruhe! (026/222)

20. Juni 2017

Gelassenheit. Einfach mal die sprichwörtliche Seele baumeln lassen und den Moment genießen können. Im Jetzt leben, ohne an das Morgen zu denken oder permanenten Druck zu verspüren, wie es wohl in den nächsten Stunden, Tagen, Wochen, Jahren weitergehen mag. Langsam durch die Gegend zu flanieren, als in Walking-Rekordzeit Straßenzüge zu durchpflügen. Eine Auszeit vom ewigen Getrieben sein, endlich mal irgendwo ankommen – zumindest für etwas mehr als nur einen flüchtigen Moment.
Das sind regelmäßige Wünsche und Gedanken, die mich schon so unfassbar lange begleiten, dass sie zumeist zum gewöhnlichen Alltag dazu gehören und trotz ihres eigentlich negativen Touchs nicht wirklich auffallen. Dennoch war die Verwirklichung dieses Kindheitstraums, dieser Trip in die USA, auch als Entschleunigungsinitiative gedacht, da die schiere Größe des Landes, gepaart mit der entspannten Lebensauffassung seiner Bewohner als entsprechende Maßnahme wie gemalt schien – insbesondere in Kalifornien, wo ich mich auf dieser Reise zumeist aufhalte.


Nun, weit gefehlt. Mein bester Kumpel hat wie üblich die Ruhe weg, was hervorragend ist. Nur färbt es leider aktuell noch genauso wenig auf mich ab, wie die tatsächliche Lässigkeit der Amerikaner. Egal, ob bei der Stadtbesichtigung oder im Straßenverkehr, ich habe permanent das innere Gefühl, immer weiterziehen zu müssen. Das zeigt mir mal wieder, dass man seine Probleme, ungelösten Fragestellungen und inneren Unruhen eben nicht zwischendurch mal eben ablegen oder pausieren lassen kann. Sie begleiten einen überall hin und werden so lange keine Ruhe geben, bis sie final gelöst sind.

Auch wenn ich hoffe, dass die Ankunft in der Stadt der Engel durch die Vielzahl neuer Eindrücke hier Linderung verschafft, Probleme etwas in den Hintergrund treten und die Leichtigkeit Einzug hält, so weiß ich doch, dass ich nach der Rückkehr einiges zu erledigen habe, um den Weg in eine entspanntere Zukunft zu ebnen. Mir fällt noch der Anknüpfpunkt dazu, aber vielleicht findet sich im Land der unbegrenzten Möglichkeiten ja eine irgendwie geartete Eingebung. Ich werde nicht danach suchen, aber mich auch nicht wehren, wenn sie um die Ecke schaut. I am curious.

Keep on rockin´

Ree

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You shall not pass! (025/222)

19. Juni 2017

Rumms. Einer meiner Lieblingssätze aus den Herr der Ringe-Filmen, in der Gandalf den Balrog vom Betreten der Brücke von Kazad-Dum abhält und seinen Stab auf den Boden rammt. Majestätisch und bestimmt. Wir dürften uns heute so ähnlich wie das Fabelwesen im Film gefühlt haben, standen wir doch nach einer 40-Meilen-Fahrt von Salinas nach Big Sur plötzlich vor einem riesigen „Closed“-Schild, da ein massiver Erdrutsch Ende Juni weite Teile des legendären Highway 1 geschrottet hat. Traumstraße ade, es ging partout nicht weiter, schlimmer noch: Es gab auch keine Umleitung, sondern die nächste Möglichkeit, nach Santa Barbara zu gelangen führte über – richtig: Salinas…! Ok, man kann die Amerikaner dafür nicht verantwortlich machen, hatten sie doch 20 Meilen vor Big Sur schon ein „Road Closed, No Detour“-Schild aufgestellt – aber wer glaubt so einen Kram denn? 😉


Nun gut, also zusätzliche 80 Meilen verballert, so aber die Panoramastrecke Monterey-Big Sur von beiden Seiten gesehen und das Inland kennengelernt. Gerade letzteres war wirklich ein Erlebnis, stieg die Temperatur dort doch von moderaten 21 Grad am Pazifik auf 43 (!) Grad an. Im Schatten wohlgemerkt. Als wir zu einem Mittagsnack bei Taco Bell hielten (die ich echt empfehlen kann, war mein erster Besuch dort, sehr lecker) schlug uns ein wüstenähnlicher Hitzeschwall fast um. Irgendwie cool, unwirklich und ziemlich warm. Da aber die Kimaanlage im Dodge prima funktionierte, war auch der Rest des Trips heute kein Problem.


Auf der Durchreise hielten wir noch in einem schnuckeligen kleinen Städtchen (gutes Eis, coole Antiquitäten, den Namen muss ich nochmal heraussuchen) und am Lake Cachuma mit dem Bradbury Damm – spektakuläre Ausblicke in fantastischer Abendsonne. Besser hätte es kaum laufen können. Das Motel 6 ist als Übernachtung Nahe Santa Barbara nun einfach und günstig, aber auch sehr sauber. Geht also schlechter.


Zu gestern, Besuch in Monterey, gibt es dafür gar nicht so viel zu berichten. Das Aquarium ist für Kinder ein Traum, aber ich bin kein großer Fan von Fischen. Bubba Gump´s Shrimpladen hat Stil und jede Menge Forest Gump-Filmreliquien an den Wänden. Fishermans Wharf ist voll und teuer. Und die Souvenirläden können mit denen in San Francisco nicht mithalten. Dennoch war es ein sehr abwechslungsreicher Ausflug, alles andere als ein verlorener Tag. Derweil rückt Los Angeles immer näher, die Stadt, auf die ich schon deshalb sehr gespannt bin, weil ich aufgrund vieler Erzählungen ein massiv negatives Bild habe. Nun gut, wir haben drei Tage eingeplant und wollen auf jeden Fall mal einen Hop on/ off-Bus testen. Ich bin überzeugt, es wird lustig.

Keep on rockin´

Ree   

Burger, Surfer und Redwoods! (024/222)

17. Juni 2017

Westküste. Berge, Täler und ein wilder Pazifik bilden die Kulisse für unsere Etappe zwischen Oakland und Salinas. Früh aufgebrochen offenbarte sich das erste Ziel für uns als Technik-Nerds quasi von selbst: Das Silicon Valley wurde angesteuert, konkreter Palo Alto mit Berkeleys größter Konkurrenzuni Stanford. Letztere haben wir uns diesmal aber nicht aus der Nähe angesehen, sondern schlenderten lediglich ein wenig durch die sehr, sehr hübsche University Avenue in Palo Alto, mit überaus stylischen Geschäften, Restaurants und einem gewohnt sterilen Apple-Store. Kostenlose Parkplätze an jeder Ecke (selbst im Parkhaus) und strahlender Sonnenschein begleiteten den Kurzbesuch und machten die Abreise gar nicht so leicht.

Die Aussicht, in der Folge über eine Panoramastraße in den Santa Cruz Mountains weiterzureisen und dann auf den altehrwürdigen Highway 1 zu treffen, ließ uns schließlich das Auto wieder besteigen und wir wurden nicht enttäuscht. Zunächst ging es durch dichte Wälder mit erstaunlicher Vegetation, die immer wieder spektakuläre Fernblicke zuließ, dann kam schließlich der Highway 1 in Sicht und bestätigte alle Vorschusslorbeeren. Eine Bilderbuchstrecke mit dem tosenden Pazifik auf der Linken, der von diversen Kite-Surfern herausgefordert wird: Ein starkes, wenn auch etwas typisches Bild. Wir genossen die Perspektiven dennoch, folgten der Route und kamen nach kurzen Schlenkern am nächsten Stopp, dem Henry Cowell Redwoods State Park, an.

Schon die Zubringerstraße klingt verheißungsvoll, ist es doch die Big Tree Road, und der Park enttäuscht diese daraus entstehende Erwartung auch nicht. Wer diese Redwood-Bäume noch nie live gesehen hat, dem sind sie auch schwer näherzubringen. Eigentlich sind es eben „nur“ Bäume, aber ihre schiere Breite, Höhe und das biblische Alter der mächtigsten von ihnen lässt einen dann schon etwas vor Ehrfurcht erstarren. Durch manche kann man problemlos hindurchschreiten, in anderen kann man sich verstecken oder die Spitze lediglich erahnen. Faszinierend und auf jeden Fall ein lohnenswerter Besuch. Der angelegte Rundweg ist auch für ältere Semester zu schaffen, zudem bietet der Park einen Campground und gut 50km Wanderwege.

Diese Eindrücke mussten wir erstmal sacken lassen, so ging es in die Surferhauptstadt Kaliforniens, Santa Cruz, die durchzogen ist von Stränden, schönstem Wetter und einem wahrhaft lässigen Lifestyle. Junge Menschen prägen das Stadtbild, in der Regel in Surferbekleidung und mit der dieser Spezies innewohnenden Coolness ausgestattet. Ein Haufen VW T2- und T3-Bullis gehören ebenso zum Stadtbild, wie kleine Cafés und lässige Burgerbuden. In einer der letzteren sind wir dann gelandet und haben uns standesgemäße Burger mit Garlic Fries zu Gemüte geführt. Burger können die in diesem Land einfach – aber uns hätte auch überrascht, wenn nicht.


Nach diesen Eindrücken mental und kulinarisch befriedigt, steuerten wir unser Tagesziel Salinas an, wo ein Herrenhaus auf einer riesigen Ranch auf uns gewartet hat. Salinas, die Salatschüssel der USA (2/3 des Bedarfs werden hier angebaut), liegt in einem fruchtbaren Tal und bietet schönste Bergblicke und geometrisch perfekte Felder. Die Ranch ist exakt so, wie man sie sich von Dallas, Denver Clan oder Unsere Kleine Farm vorstellen würde. Hunde, Pferde, Rinder, ein riesiges Haupthaus mit diversen Nebenhäusern und Ställen, extrem weitläufig und überall wehen die Stars and Stripes. Das ist US-Feeling pur. Da wir auch noch freundlichst empfangen wurden, konnten wir uns in unserer AirBnB-Bleibe auf Anhieb wohlfühlen. Das Bad zur Eigennutzung war dann noch eine freudige Überraschung, so dass der Tag langsam und entspannt ausklang. Zwei Nächte sind geplant, um das nebenan liegende Monterey ausgiebig erkunden zu können. Wir sind schon gespannt.
Keep on rockin´

Ree

Von der Elite lernen! (023/222)

16. Juni 2017

Berkeley. Schon der Name hat einen tollen Klang, ist traditionell und verheißungsvoll, auch wenn so mancher dahinter auch das abgehobene Denken vieler Mitglieder der Oberschicht vermutet (manchmal sicherlich auch zurecht). Schon als Jugendlicher und junger Erwachsener hatte ich stets bedauert, in den USA keine Universität besucht haben zu können, weil ich mir gerade als Leistungssportler in der Kombination aus Sport und Bildung einen gewissen Reiz ausmalte. Nun, gut 20 Jahre später, hat diese Elite-Universität all meine Vorstellungen zumindest äußerlich sogar noch übertroffen. Über 90 Nobelpreisträger und über 200 olympische Medailliengewinner hat diese Universität hervorgebracht, selbst ein eigenes Element im Periodensystem existiert aufgrund der dortigen Entdeckung (Berkelium). Das prägt und scheint in nahezu jedem vor Ort den Willen einzupflanzen, diese Traditionen zu erhalten und auszubauen.

Die altehrwürdigen Gebäude auf dem riesigen Gelände strahlen eine Würde und Gelassenheit aus, die dafür sorgt, dass man sich wirklich gerne länger dort aufhält. Das Stadion des College-Footballteams wirkt wie eine Sportstätte aus dem alten Rom und die Burger-Schmiede unter dem Student-Merchandise-Shop ist nicht nur günstig, sondern auch noch qualitativ sehr hochwertig. Man kann dort beim Schlendern also durchaus die Zeit vergessen – sollte man allerdings nicht, wenn man den Parkscheinautomaten übersehen hat. Das würde den Eliten wohl nicht passieren, so haben wir also etwas gelernt: Immer aufmerksam sein. Die Uni-Polizei dankt unseren Park-Ausfall zumindest mit einem netten Schreiben und der höflichen Aufforderung zur Überweisung von 78$ … damn it! Aber egal, shit happens.
Im Anschluss ging es unverdrossen über das sehr hübsche, aber maßlos überteuerte Kleinstädtchen Sausalito (fantastischer Blick Richtung Skyline von San Francisco) in Richtung der Golden Gate National Recreation Area, von wo aus man rund um die Sonnenuntergangsstunden eine spektakuläre Aussicht auf die Bridge und die Bay genießen kann. Das war wirklich bislang unübertroffen, wenn auch extrem windig; nicht nur die Aussicht auf die fabelhafte Brücke, nein, auch dass in der Bay diverse Wale häufig ihre Flosse in den Himmel recken und auf das Wasser platschen lassen, war ein Erlebnis für sich. Zudem begegneten mir bei einem kleinen Spaziergang zwei Rehe, die sich zwar nach links Richtung Hang verdrückten, dort aber noch eine Weile miteinander zu spielen schienen. Wahrlich eine wirklich schöne Begegnung.
Als uns im Zuge unseres Rückwegs in unserem Wohnviertel dann auch noch ein Waschbär die Ehre erwies und vor uns die Straße überquerte, war die tierische Vielfalt fürs Erste vollkommen. Lustige kleine Tierchen, wenn man sie nicht gerade im Haus hat. Der Reiseführer spekuliert auch noch darauf, dass eine Begegnung mit Bären höchst wahrscheinlich wird, wenn wir im Nationalpark sind. Wird sicher atemberaubend, in jedem Sinne. Ich bin gespannt. So war es auf jeden Fall schon ein erfüllter Tag, der für den anstehenden Road Trip einiges erwarten lässt. 
Keep on rockin´

Ree 

Standhafte Cable Car! (022/222)

15. Juni 2017

San Francisco. Dieser Städtename strahlt etwas aus, vielbesungen (wohl am berühmtesten von den Mamas & Papas), hochgelobt (Blumenkinder, Gay Pride) und sportbegeistert (49ers, 76ers, Kings…). Er verheißt die Coolness und Lockerheit des Sunshine State Kalifornien und beherbergt historische Sehenswürdigkeiten wie Golden Gate Bridge und die Cable Car. Wer mit so vielen Vorschusslorbeeren ausgestattet ist, der kann diese Erwartungen eigentlich nur enttäuschen. Wobei, das ist ein zu härtest Wort. Sagen wir einfach, nicht erfüllen. Wie es dann eben auch war.


Zunächst war nämlich Warten angesagt. Kurz nach der Ankunft in der Stadt, übergesetzt mittels BART-Transportsystem aus Oakland kommend, wurde zunächst das 1-Day-Ticket für die MUNI (das innerstädtische Nahverkehrssystem) besorgt und sich an der Powell Street in die Schlange der auf die Cable Car wartenden Touristen eingereiht. Geduld war gefragt, dauerte es doch fast 60 Minuten, bis man sich endlich in einen überfüllten Waggon quetschen konnte. Warum zwischenzeitlich fast 20 Minuten keiner fuhr, bleibt mir ein Rätsel. Durch die sardinenbüchsenähnliche Enge war zumindest an eine entspannte Fahrt, mit Fotos gar, nicht ansatzweise zu denken und so war die Erleichterung groß, als man auf Höhe Fishermans Wharf endlich wieder aussteigen konnte.

Dieser Fleck ist, obwohl völlig von Restaurants, Souvenirshops und Straßenkünstlern eingenommen, wahrhaft stylisch und ermöglicht einen mehrstündigen Spaziergang und entspannten Aufenthalt. Das Preisniveau ist natürlich auch hier unverändert hoch, aber zumindest die Aussicht auf das Meer (mit Alcatraz und den Brücken), sowie diverse Freiluftmuseen sorgen für gute Laune und Erstaunen. Nach einem ausgiebigen Erkundungsspaziergang und einer relaxten Busfahrt kam die Golden Gate Bridge dann immer näher und offenbarte, warum sie eine Art Weltwunder darstellt. Wunderschön, erhaben und unerschütterlich steht sie in strahlendstem rot da und stört sich scheinbar weder an den vielen Fotografen, noch an den tausenden sie überquerenden Autos. Sie wurde 80, im Mai diesen Jahres, und jede Menge Merchandising war dazu zu bekommen. Völlig nebelfrei thronte sie über dem Wasser, wohlwissend, dass sie ob ihres Status vermutlich doppelt so alt werden wird. 


Es ist erstaunlich, weil ja dann doch nur ein Bauwerk, aber diese Brücke sorgte schon etwas für das Gefühl, San Francisco als etwas ganz besonderes anzusehen. Obwohl es doch vielerorts einfach nur voll, laut und dreckig war. So wurde der gute Eindruck auch direkt von der Cable Car wieder zunichte gemacht, denn die Wartezeit für den Rückweg war nochmals deutlich höher, wohingegen der Grund dafür nicht wirklich erkennbar war. Schikane? Defektes Stahlseil? Auf jeden Fall pfiff ein eisiger Wind und ließ auf eine baldige Rückkehr in die Wohnung hoffen. Als das nach einer rasanten Berg- und Talfahrt auf diesmal zumindest prominenten Außenplätzen, geschafft war, stellte sich Erleichterung ein. Das Schlange stehen war sehr anstrengend und die Cable Car hinterließ dadurch keinen guten Eindruck. Tolle Fotos sind dann eben doch häufig nur eine geschönte Form der Realität.
Aber noch sind wir weder in Oakland, noch in San Francisco überfallen worden, hatten gemeinsam viel Freude und streben in Kürze den Aufbruch in ländlichere Gefilde an. So kann dann zum Start eine Stadt auch mal anstrengender und weniger faszinierend als vermutet sein. Schön und sehenswert ist sie dennoch allemal. Nur Geduld, die sollte auf jeden Fall nicht im Reisegepäck fehlen. Dann wird es ein schöner Ausflug. Selbst mit der Cable Car.

Keep on rockin´

Ree 

Von der Reise! (021/222)

14. Juni 2017

Magie. Dieses Wort, für so vieles einsetzbar, habe ich schon oft von Freunden und Bekannten gehört, wenn es um das Reisen geht. Eine Reise weitet die Sinne, öffnet die Augen und ermöglicht neue Perspektiven. Auf das eigene Leben, auf andere Kulturen oder einfach nur auf den neuen Tag. Es scheint so etwas wie das letzte große Abenteuer, die letzte Überraschung in einem ansonsten recht eintönigen Leben zu sein. Und die Auswahl ist groß, es gibt auf dieser Welt so viel zu entdecken, unzählige Orte und Sehenswürdigkeiten, dass es unmöglich für ein Leben allein reichen kann.

Ich bin dennoch ein wenig zwiegespalten, denn ich reise zwar relativ viel, aber diese sagenumwobene Magie stellt sich bei mir nicht wirklich ein. Nach einer gewissen Anzahl an Reisen, ob in Europa oder anderswo, hat man alles schon mal irgendwo gesehen, ist jedes Land nur eine Fortsetzung des letzten, jeder Berg nur eine Kopie des vorherigen und einem jedes Meer bereits in ähnlicher Form irgendwo anders begegnet. Das mag traurig klingen, denn es nimmt von einem den inneren Drang des Abenteuers, der Reise, des Strebens nach Neuem. Es erleichtert aber auch ein wenig, denn es befreit auch vom Zwang des Reisen-müssens, der „immer weitere Stecknadeln in eine Weltkarte stecken“-Manie und befreit einen überdies von der Sorge, ständig irgendetwas zu verpassen oder gar insgesamt unvollendet zu sein.

Natürlich habe ich bis jetzt nahezu überall eine schöne Zeit verlebt und mir grundsätzlich immer vorstellen können, an den jeweiligen Ort irgendwann nochmal zurückkehren zu können. Das war in Thailand so, in Indonesien, selbstverständlich auch auf meinen diversen Europa-Trips und erst recht in Laos. Aktuell, auf dem Weg in mein Jugendtraumziel USA, beim Überfliegen von Grönland, habe ich ebenfalls das Gefühl, dass diese Reise Sinn macht. Die Schollen aus 10.000 Metern Höhe zu betrachten, ist schon ein wahnsinniges Gefühl und die Aussicht, endlich mal einen Fuß auf amerikanischen Boden setzen zu dürfen, erfreut mich trotz der etwas obskuren politischen Situation durchaus. Und dennoch ruhe ich in dem Sinne in mir dass ich weiß, dass dieser Urlaub die hohen Erwartungen aus 25 Jahren kaum wird erfüllen können und es vermutlich ein Ausflug wie jeder andere sein wird – nur eben mit 15 Stunden Flugzeit. Er wird sicherlich tolle Eindrücke bieten, interessante Städte und Naturschauspiele bergen, aber dass er magisch wird, bezweifle ich dennoch.

Nur stört mich das eben nicht. Es bringt eine neue Lockerheit mit sich, die die ewige Rastlosigkeit des „ständig alles neu entdecken müssens“ gegen ein „schauen wir mal, was der Tag so bringt“ ersetzt und mir mehr Freude bereitet. Das ist wirklich interessant und so völlig anders als sonst, dass es mir manchmal sogar schwer fällt, mich wirklich darauf einzulassen. Mir selbst zu glauben, dass ich es ruhiger angehen lassen mag. Wahrscheinlich werde ich einfach nur alt. Vielleicht belehrt mich aber Kalifornien auch eines besseren, lässt mich wieder rastlos umherstreifen und frustriert zurück, wenn ich mal nicht alles gesehen habe. Aber eigentlich glaube ich das nicht. Ich bin mir sicher, es wird schön. Far away in America. 

Keep on rockin´

Ree

Wenn einer eine Reise plant! (020/222)

12. Juni 2017

Einpacken. Was soll nur mit? Wie wird das Wetter, welche Aktivitäten sind geplant und braucht es wirklich für jeden Tag ein neues Shirt? Wer vor einem Urlaub steht, stellt sich schon mal diese und diverse andere Fragen. Obwohl es zumeist an jedem Urlaubsort nahezu alles zu erwerben gibt, macht man sich zuvor völlig verrückt, irgendetwas vergessen zu können.

Ich habe mir diesmal vorgenommen, dass es anders laufen soll, dass ich mir weniger Gedanken um das Koffer packen machen möchte. So habe ich aktuell nur eine halbe Stunde darauf verwendet, der Koffer ist halbleer und ich bin gespannt, ob ich tatsächlich irgendetwas vermissen werde. Gut, es geht zudem in ein Land, in dem aufgrund der Währungsunterschiede viele Dinge günstig zu haben sind, allerdings habe ich mir trotzdem vorgenommen, nicht übermäßig viel Geld auszugeben.

Es soll um die Entdeckungen gehen, um die Natur, um Eindrücke, die ich mir schon seit frühester Jugend ausmale. So sehr, wie ich mein Reiseziel glorifiziert habe, kann es eigentlich gar nicht so überragend werden, doch lasse ich mich natürlich sehr gerne eines besseren belehren. Zunächst gilt es aber, alles Organisatorische über die Bühne zu bringen, bevor ich wirklich für einen Urlaubsgenuss zu haben bin. Ich bin sehr gespannt und werde sicherlich von meinen Erlebnissen berichten.

Keep on rockin‘

Ree